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Fahrgastverband kritisiert Schwarzfahrer-Offensive

27.07.2009 | 18:00 Uhr
Fahrgastverband kritisiert Schwarzfahrer-Offensive

Hagen. Der Automat funktioniert nicht oder das Kleingeld fehlte: Ausreden hören Zugbegleiter ständig. Manchmal sind sie jedoch wahr - aber der Stempel „Schwarzfahrer” bleibt haften und kann rechtliche Folgen haben. Das kritisiert der Fahrgastverband Pro Bahn im Zuge der schärferen Bahn-Maßnahmen.

Seit Beginn des Jahres erhöht die Deutsche Bahn den Druck auf Schwarzfahrer. Durch sie entstehe ein Schaden im dreistelligen Millionenbereich, erklärte ein Bahn-Sprecher. Im vergangenen Jahr wurden etwa 50 000 Fälle von sogenannter Leistungserschleichung anzeigt. Medienberichten zufolge waren es bis Ende Juni dieses Jahres bereits knapp 40 000. Hält der Trend an, könnte die Kriminalitätsrate in Deutschland ernorm ansteigen.

Wiederholungstäter

Im Mittelpunkt stehen vor allem die Wiederholungstäter: Wird ein Schwarzfahrer innerhalb von drei Monaten dreimal erwischt und zahlt seine Strafe nicht, stellt die Bahn einen Strafantrag. Neu ist seit Anfang des Jahres: Alle drei Schwarzfahrten werden angezeigt - nicht länger nur der dritte Verstoß.

Genau das birgt für den Fahrgastverband Pro Bahn eine Gefahr: „Viele Fahrgäste geraten in eine Falle und werden unschuldig belangt. Sind sie erst einmal registriert und erleben dann etwas ähnliches, können sie erhebliche Probleme bekommen”, sagte Dr. Hartmut Buyken von Pro Bahn auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Bahn sollte ihre Schulaufgaben machen und funktionierende Automaten aufstellen - erst wenn man ohne Schwierigkeiten an Fahrkarten kommt, können schärfere Maßnahmen greifen.” So seien es nur voreilige und drakonische Strafen.

Auch Privatunternehmen wie die Eurobahn haben mit Schwarzfahrern zu kämpfen: „Pro Monat erwischen wir im Durchschnitt 300 Personen”, erklärt Sprecher Marco Vogel. Die Dunkelziffer schätzt er als hoch ein. Die Erfahrung zeigt, dass nicht das Geld allein ein Ausschlag gibt: „Alle fahren schwarz - ob jung, ob alt, ob ein Hartz-IV-Empfänger oder ein Akademiker.” Die Zugbegleiter der Eurobahn kennen die Tricks: „Sie sehen, ob sich jemand eine Ausrede zurecht gelegt hat oder ob jemand ganz aufgeregt vor ihnen steht”, weiß Vogel.

Zu einem sofortigen Strafantrag kommt es bei der Deutschen Bahn und auch der Eurobahn bei offensichtlicher Leistungserschleichung: Einfach das passende Datum auf die alte Karte schummeln ist Urkundenfälschung.

Bearbeitungsstau

Nun bleibt die Frage, wer die geballte Ladung an Strafantragen bearbeiten soll: Die Bundespolizei ist für die Bahn zuständig. Medienberichten zufolge müssten 200 neue Mitarbeiter eingestellt werden, um den Stau unbearbeiteter Anträge zu beseitigen. Bislang wurden aber viele Fälle in der Praxis eingestellt.

Katja Gohsmann

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Kommentare
16.12.2010
22:48
Fahrgastverband kritisiert Schwarzfahrer-Offensive
von Gudrun Hempel | #16

Die Bahn darf mir also 40€ abknöpfen und (!) mich anzeigen, wenn ich ein ticket nicht habe. Und was darf ich wenn die Bahn malk weide rnich tkommt? Wenn sie verspätet kommt? Wenn ich stunenlang festsitze?

NICHTS: Nur in ausnahmefällen und in extremfällen hat man einige wenige rechte. Aber wenn ich eine Stunde auf die Bahn im Winter warten muss, hat sie nichts zu befürchten. Aber wehe meine kleine Schwester hat keine 3.40 um eine 20 minuten Fahrt zu bezahlen. dann wird sie sofort dafür zur rechenscahft gezogen.

Diese Bahn ist ein Verein der Millionäre. Öffentliche beförderrung soiltle sehr günstig bis um sonst sein. Wie es in manchen Ländern der Fall ist.

04.07.2010
12:29
Fahrgastverband kritisiert Schwarzfahrer-Offensive
von alex | #15

Ich musste auch gerade wg. einem defekten Automaten 40Euro Bußgeld zahlen, da die Bahn zum Zeitpunkt meiner Fahrt keinen Defekt am Automaten feststellen konnte. Ich frage mich allerdings, wie das überprüft wird, da die Bahn wg. 30 Euro doch kaum jemanden losschicken wird, an einem abgelegenen S-Bahnhof die Automaten zu überprüfen. Aber der Tipp mit dem Zeugen ist gut, daran werde ich beim nächsten Mal denken.

25.08.2009
16:18
Fahrgastverband kritisiert Schwarzfahrer-Offensive
von Tom Seht | #14

Leider sind Automatendeffekte, insbesondere an S-Bahnhofstationen häufig. Mal funktioniert der Entwerter nicht, mal ist keine Fahrkarte erhältlich.
Sofern man infolgedessen im Zug nach einem Schaffner sucht, um dort das benötigte Ticket zu erhalten kann dies irritierenderweise zur Nacherhebung des erhöhten Fahrgeldes führen, da man ohne gültiges Ticket den Zug benutzt. Angesichts des Umstands, dass die Instandsetzungsteams der Bahn so klein sind, dass sie für einen Regelturnus schon ein Jahr brauchen, schafft die Bahn so ihre erhöhten Fahrtentgelte letztlich selbst.
Fazit: Zeugen für deffekte Automaten aufschreiben mit Anschrift und Rufnummer und Datum und im Erhebungsfall das erhöhte Entgelt vollständig und notfalls gerichtlich zurückfordern.

25.08.2009
16:05
Fahrgastverband kritisiert Schwarzfahrer-Offensive
von Promillo04 | #13

@ fatih

Jugendliche werden oft kontrolliert,

besonders Zuwanderer-Jugendliche. Man könnte meinen, es gebe extra eine Anweisung, damit hier strenger kontrolliert.

Als Pendler zwischen Gelsenkirchen und Duisburg muss ich sagen, dass es mir noch nie aufgefallen ist, dass Kontrolleure an Fahrgästen vorbeigegangen sind, nur um weiter hinten sitzende Jugendliche zu kontrollieren. Des Weiteren sind die meißten Schwarzfahrer, vor allem auf der Strecke von Duisburg nach Oberhausen, Jugendliche die ich optisch bis maximal 20 Jahre einschätzen würde. Und leider sind es oft ausländisch aussehende Mitbürger die erwischt werden und die dann noch ausfallend werden. Ich möchte hier niemanden in Misskredit bringen, ich schildere hier nur das, was ich so ziemlich täglich mitbekomme.

25.08.2009
13:10
Fahrgastverband kritisiert Schwarzfahrer-Offensive
von Foxtrott | #12

Wenn man den Vandalismus an manchen Bahnhöfen sieht und wenn man auch die Automaten
regelmässig davon betroffen sieht, empfehle und befürworte ich auch ein strenges Vorgehen. Schwarzfahren ist, wie Ladendiebstahl, kein Kavaliersdelikt. Es führt langsam dazu das fast 50 % der Deutschen kriminell sind. Das ist das Problem.Eine Firma (Bahn ÖPNV) kann nur Leistung erbringen wenn diese auch bezahlt wird.

29.07.2009
00:20
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #11

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.07.2009
14:04
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #10

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.07.2009
12:57
Fahrgastverband kritisiert Schwarzfahrer-Offensive
von Günter_Weiss_Semerteich_Do | #9

Die Bahn sollte dann aber auch sicherstellen das alle Automaten rund um die Uhr funktionieren.
Eben das tun die Automaten nicht, so ist eine mutmassliche Schwarzfahrt vorprogramiert.
Eine unverschämtheit was sich die Bahn da leistet.
Wenn ich mal in diese Situation kommen sollte und ich unberechtigt angezeigt werde, werde ich meinerseitz die bahn verkalagen wegen vorsätzlicher Nötigung.
Denn die bahn hat auch die pflicht das alle Automaten in takt sind.

28.07.2009
11:36
Fahrgastverband kritisiert Schwarzfahrer-Offensive
von fatih | #8

Bislang wurden aber viele Fälle in der Praxis eingestellt.

Man sollte es beim erhöhten Beförderungsentgelt belassen und dann einstellen. Die Justiz hat keine Zeit für diese Bagatellen.

28.07.2009
10:51
Fahrgastverband kritisiert Schwarzfahrer-Offensive
von Banjoboy10 | #7

Man sollte wieder den guten alten Schaffner einführen.

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