Das aktuelle Wetter NRW 24°C
Envio-Skandal

Erstes PCB-Opfer bekommt Rente

12.06.2012 | 06:00 Uhr
Erstes PCB-Opfer bekommt Rente
Gift auf dem Gelände, Gift im Blut: Ein Arbeiter der Envio-Nachbarfirma TSW bekommt wegen seiner Berufskrankheit eine Rente.

Dortmund.  Gleich das erste Gutachten brachte die erste Rente: Der kranke Arbeiter einer Envio-Nachbarfirma bekommt künftig 500 Euro im Monat. Envio-Beschäftigte tröstet das weniger als es sie sorgt.

Die erste Berufskrankheit im PCB-Skandal ist anerkannt. Ein Arbeiter, der für die Envio -Nachbarfirma Transformatorenservice West (TSW) tätig war, bekommt eine 20-prozentige Rente. Nach Informationen dieser Zeitung entspricht dies monatlich rund 500 Euro.

Der Rentenanspruch gilt seit Mitte Juni 2010. Damals lieferte eine erste Blutuntersuchung die Daten, die den Anspruch begründen. Rückwirkend erhält der Betroffene auch eine Nachzahlung von 12.000 Euro.

Envio-Arbeiter sehen das mit sehr gemischten Gefühlen. „Einerseits ermutigend“, findet es einer, der 300 Mal mehr PCB im Blut hat als der Durchschnittsbürger. „Andererseits: Wenn schon ein Kollege von nebenan durch seinen Job krank geworden ist, was steht uns dann erst bevor?“

Depressive Verstimmungszustände durch Leberzellverfettung

Der Rentenbescheid an den TSW-Mann ging Mitte voriger Woche raus. Der Befund des medizinischen Gutachtens: depressive Verstimmungszustände, unter anderem ausgelöst durch eine leichte Leberzellverfettung. Auf dieser Grundlage gewährt die Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse (BG ETEM) die 20-prozentige Rente.

Gleich das erste fertige Gutachten bescherte den ersten Zahlungsanspruch. Vier Berufsgenossenschaften und die Unfallkasse NRW arbeiten bisher 47 Fälle auf, bei denen der Verdacht auf eine Berufskrankheit angezeigt wurde. „In drei bis sechs Monaten sollen alle Entscheidungen getroffen sein“, sagte BG-Sprecher Christian Sprotte auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Tür für weitere Anzeigen steht offen. Sprotte: „Wir raten ausdrücklich dazu.“ Seine Empfehlung: Wer noch nicht im Betreuungsprogramm ist, sollte einsteigen; wer drin ist, sollte regelmäßig zu den medizinischen Untersuchungen gehen.

Drei Sachverständige prüfen die gemeldeten Krankheitsfälle im Auftrag der BG. Die Summe möglicher Ansprüche richtet sich dabei nicht nach dem Grad der Vergiftung, die sich Envio-Arbeiter bei der Ausübung ihres Jobs geholt haben. Sie errechnet sich vielmehr aus der Höhe des Bruttogehalts und dem Grad der verminderten Erwerbsfähigkeit.

Klaus Brandt



Kommentare
Aus dem Ressort
Falschparker nennt Politesse "Alte" und muss Geldbuße zahlen
Beleidigung
Weil er während der Kehrstunde im Halteverbot parkte, verpasste eine Politesse einem 36-Jährigen ein Knöllchen. Dabei war der Reinigungswagen zu diesem Zeitpunkt schon durch. Dagegen hatte der Duisburger protestiert und sich im Ton vergriffen. Nun landete das Verfahren vor dem Amtsgericht.
Erhöhte PCB-Belastung in Kray - Recyclingsfirma im Visier
Umwelt
Innerhalb von vier Jahren haben sich die PCB-Werte in Grünkohl, der nahe der Recyclingfirma Richter angebaut wurde, verdoppelt. Das Umweltamt vermutet, dass das Unternehmen in Kray für die erhöhten Werte des Umweltgiftes verantwortlich ist. Anwohner sollen in der kommenden Woche informiert werden.
Schüler blitzt die eigene Mutter - das war der Blitzmarathon
Blitzmarathon
24 Stunden, 13.000 Polizisten, 7500 Kontrollpunkte: Um 6 Uhr am Freitagmorgen hat die Polizei den zweiten bundesweiten Blitzmarathon offiziell beendet. Trotz Ankündigung sind erneut Tausende Autofahrer mit zu hohem Tempo erwischt worden. Die Geschichten des Tages - und ein Ortsbesuch mit Minister.
Mordfall Madeleine W. – eine Tote klagt den Stiefvater an
Prozess
Für Günther O., der seine Stieftochter ermordet und begraben haben soll, läuft es im Mordprozess schlecht. Erst muss er eine Stunde lang die Stimme Madeleine W.s hören, dann widerlegt auch noch die Rechtsmedizinerin seine Version vom Unfalltod. Eindeutig: Madeleine war tot, als sie begraben wurde.
Neues Stellwerk in Duisburg - so ändert sich der Fahrplan
Bahnverkehr
Duisburg ist die erste große Drehscheibe der Bahn in NRW, die ein elektronisches Stellwerk erhält. Die Umstellung auf die neue Technik wirbelt den Fahrplan in und rund um Duisburg in den kommenden beiden Wochen gehörig durcheinander. Hier erfahren Sie, welche Linien in Phase 1 bis 4 betroffen sind.
Umfrage
Die Schotten haben sich gegen die Unabhängigkeit entschieden, Großbritannien bleibt intakt. Wie finden Sie das?

Die Schotten haben sich gegen die Unabhängigkeit entschieden, Großbritannien bleibt intakt. Wie finden Sie das?

 
Fotos und Videos
A59-Baustelle von oben
Bildgalerie
Großbaustelle