Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Prozess

Erneut schwere Vorwürfe gegen Jugendamt im Fall Anna

05.05.2011 | 18:12 Uhr
Erneut schwere Vorwürfe gegen Jugendamt im Fall Anna
In diesem Wohnhaus wurde die neunjährige Anna im Juli 2010 bewusstlos aufgefunden. Die Pflegeeltern stehen zurzeit vor Gericht, weil sie das Kind so oft und so lange unter Wasser gedrückt haben sollen, bis es starb. (Foto: dapd)

Bad Honnef.   Neue Vorwürfe gegen das Jugendamt im Fall der getöteten Anna: Über die Pflegeeltern der Neunjährigen habe es mehrfach massive Beschwerden gegeben, berichtete eine ehemalige Vermittlerin von Tagesmüttern. Die Pflegeeltern stehen zurzeit vor Gericht.

Im Fall des getöteten Pflegekindes Anna sind neue Vorwürfe gegen das Jugendamt Bad Honnef bekannt geworden. Nach Recherchen des WDR-Studios Bonn wurden die Pflegeeltern in den Jahren 2006 bis 2009 17 Mal von Familien abgelehnt, die eine Tagespflege für ihre Kinder suchten.

Das 51 und 52 Jahre alte Ehepaar aus Bad Honnef steht derzeit vor dem Landgericht Bonn , weil es die neunjährige Anna über Monate massiv misshandelt haben soll. Laut Staatsanwaltschaft wurde das Mädchen mehrfach gefesselt in der Badewanne unter Wasser gedrückt. Dabei war das Kind am 22. Juli vergangenen Jahres zu Tode gekommen.

Keine Zeit für Gespräche

Der WDR zitierte am Donnerstag auch eine ehemalige ehrenamtliche Vermittlerin für Tagesmütter. Ihren Angaben zufolge gab es in der Vergangenheit zahlreiche Beschwerden über die Pflegefamilie. Auch gab es massive Zweifel an der Eignung der Pflegeeltern. Das Jugendamt habe für Gespräche darüber aber keine Zeit gehabt, sagte die Betreuerin dem WDR. Sie selbst habe beim ersten Kennenlernen einen „katastrophalen Eindruck“ vor allem von der Pflegemutter gehabt. Diese sei „aufbrausend und aggressiv“ gewesen. Kinder habe sie nur „im absoluten Notfall“ dorthin vermittelt.

Die Pflegeeltern der ertrunkenen neunjährigen Anna stehen seit Montag erneut vor dem Bonner Schwurgericht. Die Anklage gegen das Ehepaar lautet weiterhin auf fortgesetzte Misshandlungen und Körperverletzung mit Todesfolge. Doch zu Neubeginn des Verfahrens erteilte das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft den rechtlichen Hinweis, dass auch eine Verurteilung wegen Totschlags oder Mordes nicht ausgeschlossen sei.

Wiederholt misshandelt

Die Staatsanwaltschaft geht weiterhin davon aus, dass Anna spätestens seit August 2009 von den Pflegeeltern wiederholt auf das Übelste misshandelt wurde. Laut Anklage sollen beide das Kind mehrfach und zum Teil gefesselt in der Badewanne unter Wasser getaucht haben. Allerdings hatten sich für die Staatsanwaltschaft ursprünglich keine Hinweise auf ein Tötungsdelikt ergeben.

Erst als ein Gerichtsmediziner im ersten Verfahren erklärte, Anna müsse aufgrund der Obduktionsbefunde mindestens drei Minuten unter Wasser gedrückt worden sein, forderte die Staatsanwaltschaft auch eine mögliche Verurteilung der Pflegeeltern wegen Mordes. Auf Antrag der Verteidigung der 52-jährigen Pflegemutter wurde der Prozess daraufhin am 28. Februar 2011 ausgesetzt. (dapd)

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
06.05.2011
09:27
Erneut schwere Vorwürfe gegen Jugendamt im Fall Anna
von Emagic | #4

Mir fallen dazu eine Menge Kommentare ein, aber die sind alle nicht drucktauglich bzw. würden gelöscht -;-

06.05.2011
07:44
Erneut schwere Vorwürfe gegen Jugendamt im Fall Anna
von Elfentraum | #3

Die Pflegefamilie war ungeeignet und das war offenbar auch bekannt ... warum nimmt man dann ein Kind aus unzumutbarne Verhältnissen raus und steckt sie bei Fremden in ebensolche Verhältnisse ? ... was mag dahinter nur für ein menschenverachtendes Bild stecken ? Ist doch egal, das Kind kennt es eh nicht besser ?

Oder war es schlichtweg einfach nur Überforderung einer völlig überlasteten Behörde (inkl. Mitarbeiter) ? Immerhin wird schon seit Jahren auch grade im Bereich der Jugendhilfe gespart ...

05.05.2011
19:26
Erneut schwere Vorwürfe gegen Jugendamt im Fall Anna
von Bohrhammer | #2

Hoffentlich gibt es im Knast auch Badewannen mit viel Wasser drin......

05.05.2011
19:21
Erneut schwere Vorwürfe gegen Jugendamt im Fall Anna
von Elektrosteiger | #1

Was soll denn den Beamten vom Jugendamt großartig passieren??
Das sind ja schließlich Beamte, denn Beamte machen keinen Fehler, und, wer keine Fehler macht, der wird auch befördert...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4614359/create

Aktuelle Fotos und Videos
Abriss des RWE-Stadions
Bildgalerie
RWE
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Aus dem Ressort
Suspendierter islamistischer Polizist kennt geheime Akten
Salafismus
Ein salafistischer Polizist soll auch Glaubensbrüder observiert haben. So konnte er wohl auch streng vertrauliche Dokumente durchforsten. Der Beamte aus Duisburg wurde inzwischen vom Dienst suspendiert. Innenminister Ralf Jäger prüft nun Konsequenzen.
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte im Eichmann-Prozess
Eichmann-Übersetzerin
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte den Prozess gegen NS-Verbrecher Eichmann. Im Bonner Haus der Geschichte erzählt sie, was damals in ihr vorging. „Ich lebte, aß, trank Eichmann“, sagt sie. Trotzdem bekam sie von dem Grauen im Prozess längst nicht alles mit.