Englisch für Dreijährige
06.06.2008 | 14:32 Uhr 2008-06-06T14:32:00+0200
Bad Godesberg. In der Kay International Pre-School in Bad Godesberg lernen schon Dreijährige Englisch und Mathe. Es gibt Hausaufgaben und einen festen Stundenplan.
Sara ist vier Jahre alt. Mit ihrem akkurat gescheitelten, blonden Pagenkopf wirkt die Kleine ein bisschen braver, ein bisschen schüchterner als die anderen. Sie ist keine, die viel herumtobt. Sara sitzt lieber da und schaut sich ruhig ein Bilderbuch an. Doch als ihre Erzieherin sie aufruft, leuchten die hellblauen Augen voller Vorfreude. Jetzt darf sie zeigen, was sie kann. Und das ist viel mehr als die meisten anderen Kindergartenkinder.
Sara springt auf und zählt nacheinander die Kinder, die um sie herum im Kreis hocken. „One, two, three, four, five...“ Ihr kleiner Finger fliegt von Kopf zu Kopf, gerät kaum ins Stocken. Sie zählt bis „sixteen“. Die Erzieherin lächelt zufrieden und nickt. Doch die Aufgabe ist noch nicht zu Ende. „Can you choose the right number, please.“ Sara versteht’s. Sie zieht aus einer Kiste mit nummerierten Karten jene mit der schwarzen „16“ heraus. „It’s made of a one and a six“, sagt sie.
"Mathematics" am Freitag
„Für ihr Alter ist sie schon sehr weit“, sagt Yasmin Awan. Das trifft auf alle Kinder zu, die vor ihr sitzen. Die kleinen Köpfe aufmerksam emporgereckt, den Blick fest auf die Erzieherin gerichtet. Freitagmorgens steht „Mathematics“ auf dem Stundenplan der Kay International Pre-School. 14 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren üben die Grundrechenarten. 14 Kinder und zwei Erzieherinnen. Von diesem Personalschlüssel können normale Kindergärten in NRW nur träumen.
In der Kay International Pre-School läuft vieles anders. Der private Kindergarten im noblen Villenviertel von Bad Godesberg ist nach dem Vorbild der britischen Vorschule konzipiert. Die Erzieherinnen sprechen nur Englisch mit den Kleinen. Yasmin Awan ist selbst zweisprachig aufgewachsen. Ihre Familie stammt aus Pakistan. Wie alle Erzieherinnen der Pre-School hat sie studiert, Englisch und Französisch auf Lehramt. In normalen deutschen Kindergärten haben dagegen gerade einmal 2,2 Prozent der Mitarbeiter einen Hochschulabschluss. Damit ist die Erzieher-Ausbildung in Deutschland so schlecht wie sonst fast nirgendwo in Europa.
Nur wenige Kinder in der Kay International Pre-School kommen aus englischsprachigen oder bilingualen Familien. Doch die Eltern haben eines gemeinsam: Sie vertrauen dem deutschen Bildungssystem nicht mehr. Kindergärten, in denen die Kleinen nur bespaßt und bespielt werden, sind ihnen nicht genug. Spätestens seit die OECD 2004 in ihrer „Baby-Pisa“-Studie auch den deutschen Kindergärten schlechte Noten erteilte, sind sie alarmiert.
Wer mehr will, muss bezahlen
Auch der „Aktionsrat Bildung“ stellt in seinem jüngsten Gutachten eine ernüchternde Diagnose: Das deutsche Bildungssystem ist für die Globalisierung schlecht gerüstet. Die Früherziehung, wie etwa das Erlernen einer Fremdsprache, beginne im internationalen Vergleich zu spät, beklagen die Bildungsforscher. „Auf den Einrichtungen lastet ein mächtiger Druck“, sagt Gerd E. Schäfer, Professor für Frühpädagogik an der Universität Köln. „Aber die finanziellen und personellen Ressourcen werden immer knapper.“ Vielen öffentlichen Kindergärten fehle einfach das Geld. Gleichzeitig wachse die Zahl privater Angebote. „Wer mehr will, muss bezahlen“, stellt Schäfer fest.
Die Kay International Pre-School kostet 475 Euro pro Monat. Für einen Platz in einem öffentlichen Kindergarten muss man mehr als die Hälfte weniger bezahlen. „Die meisten Kinder hier kommen aus gut situierten Familien“, sagt Yasmin Awan. Die Eltern seien Anwälte, hohe Beamte, Ärzte oder Lehrer. „Wir haben auch ein Kind aus einer Arbeiterfamilie“, sagt die Erzieherin. „Die haben nur eine Tochter und investieren alles in ihre Bildung.“
Anja Miara hat inzwischen beide Kinder auf der Kay International Pre-School. Ihr sechsjähriger Sohn ging zunächst in einen normalen Kindergarten. „Da hat er mit fünf immer noch Bilder ausgemalt“, klagt die Mutter. „Er war völlig unterfordert.“ Früher brachte Max selbst gebastelte Sonnenblumen mit nach Hause. Heute singt er am Heilig Abend englische Weihnachtslieder. Er kann bis zwanzig rechnen. Und spielt in englischen Theaterstücken mit. Ihre vierjährige Tochter hat Anja Miara gleich beim englischen Kindergarten angemeldet.
"Can you open my Saft, please?"
Im Sommer wechselt Max auf eine private Grundschule, mit Englischunterricht ab der ersten Klasse. „Da hat er dann einen Vorsprung“, sagt Anja Miara. Soll ihr Sohn einmal Karriere machen? Nein, nicht unbedingt „Es gibt schon Eltern hier, die einiges von ihren Kindern erwarten. Aber meine Kinder sollen einfach die Hemmungen gegenüber Fremdsprachen verlieren.“ Doch Anja Miara glaubt schon, dass ihre Kleinen sich einmal besser zurecht finden werden in dieser Welt, die immer enger zusammenwächst. Und Englisch sei hierfür schließlich die Grundvoraussetzung.
In der Kay International Pre-School werden die Kinder langsam an die fremde Sprache herangeführt. Ganz nebenher – beim Spielen, Basteln und Singen. „Zunächst benutzen sie nur einzelne Wörter auf Englisch, dann einfache Sätze und zum Schluss können sie kleine Alltagsgespräche führen“, erklärt Yasmin Awan. Bei der „Snacktime“ etwa reicht Anne ihrer Erzieherin eine Saftflasche. „Can you open my Saft, please?“, fragt die Vierjährige. „Can you open my juice, please?, korrigiert Yasmin Awan.
Zu Hause und untereinander sprechen die Kleinen meistens Deutsch. Doch der Kindergarten ist ihre „little english world“, wie Yasmin Awan es nennt. Die Erzieherinnen sprechen nur Englisch. Sie greifen die Sätze der Kinder auf, übersetzen die deutschen Worte, unterstreichen sie oft durch Mimik und Gesten. Ein Konzept, das auch Bildungsforscher empfehlen. „Es bringt nichts, wenn die Kinder nur zwei Stunden Englischunterricht pro Woche haben. Da bleibt nicht viel hängen“, sagt Pädagogik-Professor Schäfer. „Sie sollten mindestens einen halben Tag in die Fremdsprache eintauchen. Ein Stück Alltag damit erleben.“
Stundenplan und Hausaufgaben
Der Alltag in der Kay International Pre-School folgt einem festen Stundenplan. Neben Spielen, Basteln und Singen stehen jeden Tag kleine Lerneinheiten auf dem Programm. „Wir wollen die Kinder auch ein Stück weit auf die Schule vorbereiten“, sagt Yasmin Awan. Sie bekommen auch schon Hausaufgaben auf, die ganz Kleinen zweimal in der Woche, die Großen jeden Tag. Kleine Übungen. Für jede Aufgabe gibt’s zur Belohnung einen bunten Stempel im „Sticker-Book“.„Wir überfordern die Kinder nicht“, versichert Yasmin Awan. „Sie haben Freude am Lernen. In dem Alter saugen sie das Wissen auf wie ein Schwamm.“
In der Mathe-Stunde am Freitag sitzen die Kinder artig im Kreis. Keines springt auf oder zappelt herum. Sie zählen Schmetterlinge, Käfer, Bären und Bananen – alles auf Englisch natürlich. Die kleinen Finger schnellen bei den Fragen der Erzieherin so schnell in die Höhe, dass mancher Lehrer neidig werden könnte. „Put your hands up, if you have got a question, just like at school“, sagt Yasmin Awan sanft aber bestimmt, als ein kleiner Junge einfach dazwischen ruft. Dann ist die Mathe-Stunde zu Ende. Jedes Kind heftet das Übungsblatt mit den Hausaufgaben sorgfältig im eigenen Schnellhefter ab.
Die Kinder verstauen die Hefter in den blauen Boxen mit ihrem Namen darauf. Dann werden ihre Schritte schneller. Sie stürmen aus dem Zimmer, durch den Flur, hinaus in den Garten. Im Flur ticken fünf Uhren: Groß und schlicht, wie sie in internationalen Unternehmen hängen. Sie zeigen die Zeit in London, Dublin, Montreal, Sydney und New York an. Vielleicht werden die kleinen Weltbürger irgendwann einmal in einer dieser Städte arbeiten. Im Moment jedenfalls verschwenden sie daran noch keinen Gedanken. Sie toben, rennen und hüpfen über den Rasen – wie ganz normale Kindergartenkinder eben.
13:23
@#64
Unter dem Motto Rettet dem Dativ liegen in allen Städten Unterschriften-Listen aus! Sollten sie sich eintragen, vielleicht wird ihnen ja geholfen!
Verstehen sie nicht? Na prima, ich sie nämlich auch nicht! In solch geistige Niederungen begebe ich mich grundsätzlich nicht, denn dann müsste ich zuviele Hirnfunktionen außer Kraft setzen., um vllt. etwas nachvollziehen zu können...
Bei solchen Kommentaren wird einem erst richtig bewusst, wie sehr die Bildungs-Vermittlung in diesem Land versagt hat. Mannmannmann...
13:05
Was sollen wir mit Englisch hier in Ruhrgebiet ?
Die Deutschen sollten sich mehr integrieren und türkisch lernen.
11:11
Nachdem gestern Schmickler (wurde in DerWesten-Serie Das Soziale und die Marktwirtschaft vorgestellt!) als Rausschmeisser bei den Mitternachtsspitzen im WDR seine Analyse zu der deutschen Elite zum Besten gab (incl. eines Lösungsansatzes, um aus diesem Dreck heraus zu kommen), bekam ich indirekt für meine Kommentare volle Rückendeckung. Volle! Die plumpen Diskreditierungs-Versuchen prallen nun nur noch verstärkter von mir ab. Er bekam jedenfalls Riesenbeifall!
Wiederholungen der Sendung bieten die anderen Dritten Programme in den näxten Tagen an. Nicht nur wg. Schmickler mal wieder absolut sehenswert!!!
Schönen Tag noch!
19:25
@ jcm
you are really heavy on wire.
But I would prefer that you make yourself me nothing you nothing out off the dust
15:08
and afta dat i wish us happy fire-days!
14:52
you are on the wood way...
have a nice weekend and a wonderful start of the Euro 2008
14:17
My English is so good that makes me so quickly nobody after and your English is under all pig.
13:40
@#56
Wieder jemand, der hier Behauptungen auf stellt, ohne diese argumentativ zu untermauern. Ja sind wir denn hier im Kindergarten?! Ist es ein Frevel, hier sachliche Kommentare und keine plumpen Diskreditierungen ein zu fordern? Ansonsten kann ich mich nicht an die Zeit als 3jähriger erinnern, Kompliment!
Mir bekannte fremdsprachige Mitbürgerinnen sprechen mit ihren Kinder sowohl in der Muttersprache, als auch auf deutsch. Inzwischen wundere ich mich nicht mehr darüber, wie gut das funktioniert. Qualifizierte Pädagogen, die dies bei Kindern fördern, werden wohl künftig ausreichend nur noch in Elite-Institutionen zu finden sein. Dabei dürfte auch der Frust über das derzeitige Bildungssystem mit hinein spielen...
13:30
Die selbsternannte Elite der Bildungsunwilligen gibt den Ton an - in diesem Forum und mehr und mehr in diesem Land.
Armes Deutschland. Dieses multikulturelle Land wird immer mehr zum bildungskranken Mann Europas.
13:05
Kommen wir doch zum Thema zurück. Kinder lernen sprachen leicht und schnell, das weiß jeder, der es im Alter mal versucht hat. Englisch für Dreijährige hat nichts mit Knechten oder Drill oder sonst etwas zu tun. Es geht darum, intuitiv ein Gefühl für Worte, für Lautung und für grammatische Strukturen zu entwickeln. Das hilft auch in der Muttersprache. Dann können sich Deutsch- und Englisch-Lernen gut ergänzen. Im Übrigen empfehle ich, die Beiträge von jcm zu ignorieren. Das ist ein hoffnugnsloser Fall.