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Ein Pionier des Handels ist tot

18.02.2013 | 18:32 Uhr
Ein Pionier des Handels ist tot
Metro-Gründer Otto Beisheim. Er starb im Alter von 89 Jahren. Er wählte offenbar den Freitod.Foto: dpa

Mülheim/Essen.   Er war ein Pionier des Handels - und ein Kind des Ruhrgebiets. Otto Beisheim, Gründer der Handelskette Metro, hat sich im Alter von 89 Jahren das Leben genommen. Der Milliardär hatte sich schon vor vielen Jahren aus dem aktiven Geschäft verabschiedet. Er litt an einer unheilbaren Krankheit.

Wenn der allererste Metro-Markt in Essen-Altenessen am 8. November seinen 50. Eröffnungstag begeht, muss der Handelsriese ohne seinen Mitbegründer feiern. Otto Beisheim starb am Montag im Alter von 89 Jahren. Er wählte offenbar den Freitod.

Die Nachricht vom Tod des Handelspioniers verbreitete am Mittag die Otto-Beisheim-Gruppe. „Er litt an einer nicht heilbaren Krankheit und ist aufgrund der Hoffnungslosigkeit seiner gesundheitlichen Lage aus dem Leben geschieden“, heißt es in der Erklärung. Beisheim sei am Morgen tot in seinem Haus in Rottach-Egern aufgefunden worden.

Bei Essen geboren

Schon vor vielen Jahren hatte sich der Milliardär, dem bis zuletzt knapp zehn Prozent am Handelskonzern Metro gehörten, an den Tegernsee zurückgezogen. Sein Wirken hatte in den 60er-Jahren aber mitten im Ruhrgebiet begonnen. 1924 bei Essen geboren, wurde der Sohn eines Gutsverwalters Prokurist der Mülheimer Handelsfirma Stöcker & Reinshagen.

Walter Vieth, seinerzeit Geschäftsführer des ersten Metro-Markts in Altenessen, erinnert sich: „Otto Beisheim empfahl seinen Gesellschaftern, 1964 auch in Mülheim einen Cash-und-Carry-Markt zu eröffnen.“ So kam Beisheim mit der Duisburger Familie Schmidt-Ruthenbeck, die den Metro-Markt in Essen betrieb, ins Geschäft. Er wurde Generalgeschäftsführer für beide Filialen und sammelte Geld für die weitere Expansion ein. In Berlin sollte der dritte Metro-Markt mit dem neuen Selbstbedienungskonzept eröffnen.

Der "Mann mit der Spürnase"

Im Flugzeug traf Beisheim dann durch Zufall den damaligen Vorstandschef des Duisburger Familienunternehmens Haniel. Er gewann den Konzern, der gerade auf der Suche nach Geldanlagemöglichkeiten war, 1967 bei der Metro einzusteigen. Die Gesellschafterstruktur aus Schmidt-Ruthenbeck, Beisheim und Haniel hält bis heute. Nach Angaben der Otto-Beisheim-Gruppe hat der mehrfache Milliardär verfügt, dass sein Vermögen und die Metro-Anteile auf seine beiden Stiftungen übergehen. Beisheim unterstützte Jugendfürsorge, wissenschaftliche Forschung, Kultur und Breitensport.

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Zahlreiche Prominente begingen in den vergangenen Jahren Suizid. Unter ihnen auch die Frau des Alt-Kanzlers Hannelore Kohl, das Ehepaar von Brauchitsch und Fußballer-Legende Timo Konietzka. Ihre Entscheidung regte auch die gesellschaftliche Debatte über ein selbstbestimmtes Sterben an.

Als der „Mann mit der Spürnase“, wie ihn sein damaliger Weggefährte Vieth beschreibt, verhalf Beisheim der Metro durch Zukäufe des Kaufhofs, Real und vor allem der Elektronikkette Media-Saturn zu dem Wachstum eines Handelskonzerns mit mehr als 280 000 Mitarbeitern. In seiner Würdigung bescheinigte der heutige Metro-Chef Olaf Koch dem verstorbenen Beisheim, er habe durch „sein Konzept des Großhandels mit Selbstbedienung die Branche ab Mitte der 60er-Jahre revolutioniert“.

Beisheim-Tower in Berlin

1988 wurde Beisheim Schweizer Bürger, verließ seine Villa in Mülheim, zog sich nach und nach aus den Metro-Gremien zurück und widmete sich fortan der Beisheim Holding Schweiz, die Dutzende Beteiligungen an Unternehmen hält und über ein Immobilien-Imperium verfügt, sowie der Beisheim Vermögensverwaltung. In Berlin investierte er fast 500 Millionen Euro in seinen 70 Meter hohen Beisheim-Tower.

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Die Stadt Mülheim will dem Metro-Gründer Otto Beisheim 2009 den Ehrenring verleihen.

Wie die Aldi-Brüder und der Lidl-Gründer Dieter Schwarz scheute Beisheim die Öffentlichkeit. Gerade einmal in einem Edel-Golfclub in seiner neuen Wahlheimat Rottach-Egern wurde er zuweilen gesichtet.

Trotz all seiner Verdienste als Unternehmer und Mäzen holte Beisheim seine Vergangenheit ein. Im Alter von 18 Jahren war er von den Nazis zum Kriegsdienst eingezogen worden und zum Sturmmann in Hitlers 1. SS-Panzerdivision aufgestiegen. Öffentlich hatte der Metro-Gründer dazu nie Stellung genommen. Seine NS-Vergangenheit wurde erst bekannt, als die Stadt Mülheim ihm 2008 ihren Ehrenring verleihen wollte. Nach heftigem Protest aus der Politik verzichtete Beisheim von sich aus auf die Auszeichnung.

Frank Meßing



Kommentare
20.02.2013
09:51
@ #1 Boisfeuras - zum Tode Otto Beisheims
von schweinchen_schlau | #2

Wenn Sie schon bei Wikipedia recherchieren, dann sei Ihnen empfohlen, sich einmal zur Leibstandarte (Beisheims Einheit) kundig zumachen, besonders der Abschnitt "Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Zum Anderen, auch wenn Beisheim erst 1945 eingezogen wurde, blieb der Eintritt in die SS freiwillig, auch wenn dafür bei den Rekruten stark geworben wurde. Zudem wurden zur Leibstandarte nur besonders körperlich taugliche und gesinnungsfeste Männer eingezogen. Für eine militärische Karriere war es bei Beisheim zuspät, so schaffte er es nur zum untersten Dienstgrad, aber es war auch ganz gut so.

Vielleicht musste er das nach 1945 auf seine Art kompensieren.

19.02.2013
14:19
zum Tode Otto Beisheims
von Boisfeuras | #1

Wenn Herr Beisheim "zum Kriegsdienst eingezogen" wurde, kann man ihm das sicher nicht zum Vorwurf machen. Dass er "zum Sturmmann (...) aufgestiegen" sei, ist wohl auch nichts besonderes, wenn laut "Wikipedia" der Dienstgrad Sturmmann dem eines Gefreiten entspricht. Was ein "Aufstieg"! Hauptsache, man holt wie bei Günther Grass, die Nazikeule heraus, um das Andenken an ein großes Lebenswerk zu beschmieren.

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