Dortmunder OB Sierau legt sich mit Polizisten an
18.07.2011 | 07:05 Uhr 2011-07-18T07:05:00+0200Dortmund. Niemand wird gerne bei einer Verkehrssünde ertappt. Doch als Polizisten den Dortmunder OB Sierau mit Handy am Ohr auf dem Fahrrad erwischten, hat dieser überreagiert. Ob es nichts Wichtigeres in Dortmund zu tun gebe, schimpfte er. Jetzt entschuldigt der OB sich.
Oberbürgermeister Ullrich Sierau wurde von der Polizei beim Radfahren mit Handy am Ohr erwischt. Obwohl die Beamten ein Auge zudrückten und nur eine Verwarnung aussprachen, gerät Sierau nun doch in den Blick der Öffentlichkeit und die Kritik. Weil er die Arbeit der Polizisten in Frage stellte, wurde der Vorfall aktenkundig.
Es war der 28. Juni, kurz vor 21 Uhr, Märkische Straße. Der OB war „früh auf dem Weg nach Hause“, hatte einen „stressigen Tag“ hinter sich und jede Menge Arbeit vor der Brust. Er habe noch auf einen Anruf in Sachen DFB-Fußballmuseum gewartet. Der Gesprächspartner erwischte ihn kalt - auf dem Rad. „Das Handy hatte schon länger geklingelt, ja, ich bin dran gegangen und nicht sofort abgestiegen“, gibt Sierau zu. Plötzlich habe ein Streifenwagen den Weg blockiert. „Ich dachte nur: Welche Bank hast du denn überfallen?“
Damals „kam mir der Mensch durch“
Er wisse, dass es „nicht in Ordnung ist, auf dem Rad zu telefonieren“, so Sierau. Die Verwarnung der Polizisten sei völlig berechtigt gewesen. Obwohl er ihnen gesagt hätte, er sei der Oberbürgermeister, habe er damit „keine Extrawurst“ haben wollen, „ich wollte keine mildernden Umstände“. Sierau telefonierte weiter. Die Polizei wartete.
Dann habe er „den Fehler gemacht“, die Beamten noch mal anzusprechen. Er hätte doch niemanden gefährdet, so Sierau. Und: Ob es nichts Wichtigeres in Dortmund zu tun gebe? - habe er gefragt. Und angedeutet, er werde beizeiten mit dem Polizeipräsidenten über Schwerpunkteinsätze sprechen... Heute tue ihm das Leid. Aber damals „kam bei mir der Mensch durch“.
10:52
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10:11
Was heißt eigentlich, der Mensch ist mit mir durchgegangen? Meint er wirklich: Der Mensch in mir ist schlecht, der Politiker aber ist gut! Meint er das wirklich? Als Mensch darf ich drohen, mit dem Polizeipräsidenten, darf ich Polizisten beschimpfen. Wenn ein Punk auf einer Demo einen Polizisten beschimpft, als wer tut er das denn dann? Als Punk, der politisch agiert oder geht mit ihm nur der Mensch durch. Ich glaube nicht, dass die Polizei dem Punk das so ohne weiteres durchgehen lässt. Ich glaube, dass es beim OB anders rum war, der Politiker, der Machtmensch ist ihm durchgegangen, er vermischt, sein privates Handeln (telefonieren und radfahren) mit seinem Amt, (Drohen mit dem Chef). Schlimmer gehts nimmer. Ein Gutes hat das Ganze ja, wir kennen jetzt seine Schwächen, wir müssen ihm nur deutlich machen, dass ein OB nicht mehr ist als jeder andere Mensch auch, und das müssen wir ihm zeigen - und sofort wird sein cholerische Selbst zu Tage treten. Danke für diese Erkenntnis, wir werden sie nutzen.
10:01
Der OB glaubt: Schlimmer als Schuld ist Schelte, Journalistenschelte. Jetzt ist klar, die Presse ist Schuld. Weil sie berichtet. Ach ja?
09:16
@ #69 von telefacts:
Vielen Dank für diesen Beitrag. Hier ist wieder der Politiker Sierau zu sehen.
Leider kommt es bei diesem Herrn so oft vor, dass der Mensch mit ihm durchgeht. Sympathisch finde ich weder den Politiker noch den Menschen Sierau. Und echt auch nicht.
Ich gönne ihm diese wunderbare Publicity! Weiter so, Herr Sierau!
08:45
Herr Ulrich Sierau muß erkennen, dass er falsch gehandelt hat, wird er aber nicht, Schuld sind bei ihm nur (!) die anderen. Er wird eine flüchtige Entschuldigung murmeln, und das wars dann. Und das darf nicht sein. Dieser OB hat nicht nur abgewirtschaftet, er war von Anfang an nichts.
03:06
Mal in die Richtung der Polizisten: Gut gemacht Jungs!!! Ich verstehe übrigens die Aufregung wegen eines möglichen Gesprächs mit dem Polizeipräsidenten nicht. Ich bin sicher, der hätte gelacht und gesagt: Ja, dann steigen Sie doch nächstens beim Telefonieren vom Fahrrad, Herr Sierau!
00:48
Na ja,
schon schlimm und blöd, für einen Politiker, denn die meisten sind sich bewusst, dass so etwas ins Auge geht.
Schauen Sie mal den Film mit Heinz Erhardt als Polizisten Dobermann. Der ist 50 Jahre alt und hat genau das zum Thema.
Aber heute erfuhr ich, dass z. B. in meiner Heimatstadt Diebe in einer Drogerie (hier Müller), nicht mehr aufgehalten werden, weil das Personal Angst hat, sie könnten ein Messer haben. Man lässt sie einfach gehen, mit dem Diebesgut.
Das ist für mich eher eine Kapitulation der Gesellschaft vor Rechtsbrechern.
22:02
Jau, habe mir das Video angesehen. Sehr bemerkenswert ist die Stelle in der Mitte, als der OB etwas sagt wie ...und dann, das war sicherlich unglücklich und dafür habe ich mich auch schon entschuldigt, habe ich noch ein zweites Mal angesetzt, ähm, öh...
Da hätte der Reporter mal nachhaken müssen, aber scheint ja jemand vom Rotfunk des WDR gewesen zu sein.
In der Lokalzeit Dortmund gab es nur einen kleinen Ausschnitt davon.