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Lothar Matthäus

Die offenen Rechnungen des Lothar Matthäus

16.01.2012 | 18:37 Uhr
Die offenen Rechnungen des Lothar Matthäus
Lothar Matthäus hat Probleme mit der Forderung eines Insolvenzverwalters in Velbert. Der fordert insgesamt 125.505 Euro vom einstigen Fußball-Star.Foto: imago sportfoto

Essen/Velbert.   Lothar Matthäus sieht sich nach einer Firmenpleite einer Forderung von insgesamt 125 505 Euro ausgesetzt. Er müsste schon 2010 gewusst haben, was da auf ihn zurollt.

Wenn ein Lothar Matthäus sagt, er wisse von nichts, kauft man ihm das erstmal ab. „Ich kann mir das überhaupt nicht erklären“, beteuerte der einstige Weltfußballer denn auch laut „Bild“, als ihn am vergangenen Freitag die Nachricht erreichte, dass ein Insolvenzverwalter ihn am 3. Mai in Wuppertal vor Gericht bringt . Es fällt schwer, das zu glauben. Denn sein Münchener Anwalt Martin Hintermayer war nach Aussage eines Gläubigers schon 2010 über die Vorgeschichte informiert. Der Mann hatte dem Juristen fünf E-Mails geschickt und mehrfach am Telefon mit ihm gesprochen. Kopien gingen demnach auch an Matthäus’ Steuerberater Manfred Wendl in Taufkirchen. Beide wollten sich am Montag auf Nachfrage dazu nicht äußern.

„Sie hätten sich diesen öffentlichen Auftritt für Ihren Mandanten sparen können, wenn Sie meinen Vorstellungen gefolgt wären. Aber sei es drum, des Menschen Wille ist sein Himmelreich“, schrieb der Mann am 26. Oktober 2010 an die Anwaltskanzlei. Darin teilt er unter anderem mit, „dass das Gericht gute Erfolgsaussichten sieht, gegen Ihren Mandanten vorzugehen und die bestehenden Forderungen gegen Matthäus als werthaltig ansieht.“

Gladbachs ehemaliger Vizepräsident war dabei

Wie berichtet, sieht sich Matthäus einer Forderung von insgesamt 125 505 Euro ausgesetzt . Dabei handelt es sich um aufgelaufene Verpflichtungen der mittlerweile insolventen Firma BHM Verwaltungsbau in Velbert, einer 1999 gegründeten Gesellschaft, die nur einen Geschäftszweck hatte: die Vermietung eines Anbaus der Velberter Rathausarkaden an die Stadt. Makler, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Notare und Anwälte fordern Geld.

Matthäus hielt 94 Prozent am Unternehmen. Die Zahl ist keineswegs willkürlich – ab 95 Prozent würden Grunderwerbssteuern fällig, auch wenn man nicht die Immobilie selbst kauft, sondern eine Objektgesellschaft für den Bau gründet. Paul Breitner, Borussia Mönchengladbachs ehemaliger Vizepräsident Hans Peter Moll und die mittlerweile stillgelegte Wohnungsgesellschaft Hansa Treuhand aus Velbert hielten den Rest. Moll hatte seinem alten Freund Matthäus das Geschäft einst schmackhaft gemacht, eine Stadt als Mieter gilt schließlich als Idealfall.

Die Anlage-Strategie hat sich geändert

Trotzdem entschloss sich Matthäus 2007 zum Verkauf. „Herr Matthäus verfolgt mittlerweile eine andere Anlage-Strategie“, sagte BHM-Geschäftsführer Reinhard Huhn damals knapp. Zwar besaß die Stadt Velbert ein Vorkaufsrecht. Doch offenbar schaltete ein Gesellschafter ohne Rücksprache den Kölner Makler Argentum ein. „Da muss einer gepennt haben“, ist aus dem BHM-Umfeld zu hören.

Denn die Stadt blätterte die geforderten 5,15 Millionen Euro hin. „Das ist eindeutig wirtschaftlicher, als weiter zu mieten“, sagte Kämmerin Mechthild Stock damals. Der Makler jedoch besorgte zur selben Zeit einen israelischen Immobilienfonds als Käufer und pochte auf seine Provision in Höhe von etwa 45 000 Euro.

„In der Firma war aber nichts mehr drin, Matthäus hat da alles rausgezogen“, berichtet ein Gläubiger. Am 2. Dezember 2009 hatten Lothar Matthäus, Paul Breitner, Hans-Peter Moll und ein Vertreter der Hansa Treuhand einen Gesellschafterbeschluss unterschrieben, der der WAZ-Mediengruppe vorliegt: Die BHM Verwaltungsbau solle liquidiert werden, Geschäftsführer Reinhard Huhn solle alle erforderlichen Schritte in die Wege leiten, um die Gesellschaft zu beenden.

Breitner blätterte 6000 Euro hin

Damit allerdings waren die offenen Rechnungen nicht aus der Welt, für die sich Matthäus nach Auffassung des Gläubigers, aber auch nach Einschätzungen aus dem Gesellschafterkreis nicht mehr interessierte. Der Kölner Makler schließlich beantragte im Juli 2010 das Insolvenzverfahren gegen die BHM Verwaltungsbau beim Amtsgericht Wuppertal. Auch darüber schickte ein anderer Gläubiger Matthäus’ Anwalt Martin Hintermayer eine Mitteilung. Hielt der Jurist seinen Mandanten wirklich nicht auf dem Laufenden?

Damit überhaupt genügend Masse zur Eröffnung eines Verfahrens vorhanden war, legte Paul Breitner 6000 Euro auf den Tisch. Und der Wuppertaler Anwalt Hardo Siepe vom Insolvenzverwalter Runkel Schneider Weber machte sich, wie berichtet, mit Hilfe von Detektiven auf die Suche nach Matthäus . Dessen Anwalt besorgt sich nun die Akten, um das Verfahren vor der Kammer für Handelssachen am Wuppertaler Landgericht am 3. Mai vorzubereiten.

Obwohl es zwei weitere Unternehmen der BHM mit anderen Zusätzen gibt, ist das Kürzel verschwunden. Objektverwalter Ulrich Hagenkort, ehemals freiberuflich bei der Hansa Treuhand, sagt, warum: „Die beiden anderen laufen hervorragend, und die Gesellschafter wollen Verwechslungen vermeiden.“

Das kann man verstehen.

Frank Preuß

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Kommentare
19.01.2012
08:56
Die offenen Rechnungen des Lothar Matthäus
von msvroberto | #5

Ich zitiere:

"Lissen I tell you something....!"
"Hier wird man um alles beschissen."

Vielleicht war es mit seinem Anwalt auch so:

"Ein Wort gab das andere - wir hatten uns nichts zu sagen."
"Wir sind eine gut intrigierte Truppe"

Aber um es mit seinen Worten zu sagen:

"Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken."

In diesem Sinne,

Viel Glück Lodda

17.01.2012
15:54
Die offenen Rechnungen des Lothar Matthäus
von michalek | #4

Hier sieht man einmal wieder auf welchen Niveau sich Matthäus bewegt. Da wundert sich dieser Mensch warum er in Deutschland keine Lobby hat und keinen „Fuß auf den Boden bekommt“.
Im Vergleich zu Beckenbauer, Netzer, Haller, F. Walter, Sammer und anderen Fußballgrößen ist der Dauerläufer und Antitechniker Matthäus immer überbewertet worden.
Zudem hat er nie begriffen das Fußballer für die Jugend auch eine charakterliche Vorbildfunktion haben.
Kein Wunder das er als Trainer selbst im Ausland immer nach kurzer Zeit gescheitert ist.

17.01.2012
15:41
Die offenen Rechnungen des Lothar Matthäus
von oldgreywolve | #3

" Es fällt schwer, das zu glauben. Denn sein Münchener Anwalt Martin Hintermayer war nach Aussage eines Gläubigers schon 2010 über die Vorgeschichte informiert. Der Mann hatte dem Juristen fünf E-Mails geschickt und mehrfach am Telefon mit ihm gesprochen. "

Da hat der Herr Anwalt es mit seiner Schweigepflicht wohl etwas zu genau genommen und nicht mal seinen Mandanten informiert.............

Ein Schelm, wer boeses dabei denkt!!

17.01.2012
13:12
Die offenen Rechnungen des Lothar Matthäus
von dorfbeobachter | #2

Denn die Stadt blätterte die geforderten 5,15 Millionen Euro hin. „Das ist eindeutig wirtschaftlicher, als weiter zu mieten“, sagte Kämmerin Mechthild Stock damals.

Wieso hat die Stadt einen Mietvertrag abgeschlossen, wenn es wirtschaftlicher gewesen wäre selbst zu bauen oder zu kaufen?
Der Preis bei Inanspruchnahme des Vorkaufsrechts liegt ja bereits fest, wenn man einen solchen Mietvertrag abschließt.
Frau Stock ist ja nicht mehr Kämmerin, vielleicht war ihr Kommentar ja gar nicht berechtigt. Sie wurde vorzeitig von der Ratsmehrheit unter Bebehaltung eines Teils ihrer Bezüge hinausgeworfen. Der Velberter Steuerzahler zahlt dafür übrigens noch bis zum Jahr 2013.
Oder wußte Frau Stock doch, was sie sagte?

1 Antwort
Denkwürdige Abstimmungen
von linuxsozialist | #2-1

Der Abschluss des Mietvertrages mit der privaten Gesellschaft erfolgte vor der Amtszeit von Frau Stock. Ich möchte mich hier nicht zur Qualität ihrer Vorlage zum Kauf des Rathausanbaus im Jahr 2007 äußern, die wie üblich der Nichtöffentlichkeit unterlag, der geneigte Leser mag seine eigenen Vermutungen anstellen. Allerdings ist es auch unabhängig von der Vorlage klar, dass Eigentum langfristig trotz zu bedienender Kredite günstiger ist, weil man die Rendite des Privaten nicht erwirtschaften muss. So kam es im Rat zu einer denkwürdigen Abstimmung.

Bei aller Kritik an Frau Stock, die ich selber immer hatte, muss man sie wohl aus heutiger Sicht als teures Bauernopfer für Verfehlungen andere sehen. Ihre den Abwahlantrag habe ich zwar noch mitgetragen, ihre Abwahl dann allerdings nicht mehr.

MIchael Alfermann

(stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE in Rat der Stadt Velbert)

17.01.2012
11:59
Miete ist Schei$$e
von meigustu | #1

Gott sei Dank haben es wenigstens die Beamten in Velbert gemerkt, dass das bequeme PPP langfristig ihre Pensionen bedroht. Denn Pensionen kann man anders als PPP Verträge senken. Man denke nur an Griechenland wo es zuerst Staatspensionäre und Beamte traf.

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