Die Bauaufsicht schludert auch beim Eigenheim
18.02.2010 | 20:00 Uhr 2010-02-18T20:00:00+0100
Essen.Der Kölner U-Bahn-Skandal und die mangelhafte Überwachung der Großbaustelle am Heumarkt haben Zweifel an der Schlagkraft der staatlichen Bauüberwachung geweckt. Experten und Zahlen belegen, dass die Aufsicht auch bei privaten Bauprojekten häufig versagt.
„Das gesamte System der Bauaufsicht hat versagt“, sagt der Bauexperte der Grünen im Landtag, Horst Becker. Er schlägt vor, NRW-weit stichprobenartig laufende oder vor kurzem abgeschlossene U-Bahn-Bauten auf möglichen unentdeckten Pfusch zu überprüfen. Dies trifft zum Beispiel Projekte in Düsseldorf und Dortmund.
Viele Fachleute sehen gravierende Lücken der Bauaufsicht nicht nur bei öffentlichen Bauten, sondern auch bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Der Anstieg der Fälle von Pfusch am Bau bei privaten Bauvorhaben könne durchaus in Zusammenhang mit der Abschaffung der Bauabnahme in Nordrhein-Westfalen 1985 stehen, sagte der frühere Leiter des Instituts für Dynamik und Statik der Ruhr-Uni Bochum, Prof. Wilfried Krätzig, der WAZ. Gefahren ergäben sich daraus nicht nur für Vermögen, „sondern auch für Leib und Leben“.
1,4 Milliarden Euro Schäden bundesweit
Im jüngsten Bauschadensbericht der Dekra wird der Pfusch belegt. Die Organisation stellt fest, dass Bauschäden an neuen Ein- und Zweifamilienhäusern seit 2007 noch einmal erheblich zugenommen haben, nachdem sie schon zwischen 2003 und 2007 um 102 Prozent gestiegen sind. Durchschnitts-Schaden pro Haus: 10:000 Euro. Die größten Schwachstellen: Fenster, Türen, Putz, Heizungen und Rohrleitungen.
Auch die Dekra glaubt, dass Qualitätskontrollen „über Jahre hinweg vernachlässigt wurden“. Bundesweit entstünden Schäden von jährlich 1,4 Milliarden Euro. Die Bauaufsicht war Mitte der 80er-Jahre in der Bundesrepublik eingeschränkt worden, um Überbürokratisierung abzubauen. Bauabnahmen durch Prüfingenieure fielen in NRW weg.
„Die Dinge sind ins Gegenteil gekippt“, so Becker, „die Ämter sind ausgehöhlt und ausgehungert worden.“
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