Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Analyse

Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe

27.07.2010 | 10:42 Uhr
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
Wolfgang Rabe (Foto), Sicherheitsdezernent und Leiter des Krisenstabes. (Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool)

Duisburg.Wolfgang Rabe spielt meisterhaft die Rolle des Ahnungslosen.

Sicherheit und Recht sind seine Ressorts, die am letzten Wochenende für den Duisburger Rechts- und Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe eine entscheidende Bedeutung bekommen hatten. Der Jurist, der seit 2006 im Duisburger Rathaus Verantwortung trägt, verhielt sich bei der Pressekonferenz zu dem Drama um die Loveparade wie häufig in Duisburger Gremien. Er weicht aus, ist ungenau, redet gerne um die Sache herum und spielt meisterhaft die Rolle des Ahnungslosen.

Als Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland vor vier Jahren einen CDU-Mann als Nachfolger des erfolgreichen, aber nicht geliebten SPD-Mannes Jürgen C. Brandt haben wollte, suchte er sich den heute 56-Jährigen aus Wesel aus. Der Kreistag hatte Rabe 2004 für eine übliche Amtszeit von acht Jahren zum Kreisdirektor gewählt.

Eigene Einschätzungen bleiben die Ausnahme

In Wesel schien sich die Trauer über den verlorenen Mann in Grenzen zu halten. Und der Duisburger Rathauschef war überzeugt, nach einer Ausschreibung den besten Mann an Land gezogen zu haben. Der kann zumindest von sich behaupten, äußerlich einen souveränen Eindruck zu hinterlassen. Sein Einzug in den Ratssaal nach der Wahl war von napoleonischer Gestik und Bewegung geprägt. Er schritt die politischen Reihen ab und ließ sich zumindest von den Christdemokraten feiern. Wer feine Ironie darin erkennen wollte, sah sich getäuscht. Es war der wahre Rabe.

Bei der täglichen Arbeit vermissen Politiker in Ausschüssen und im Rat seine vermeintliche Souveränität. Der Beigeordnete beruft sich oft auf Vorlagen, die sein Dezernat betreffen. Eigene Einschätzungen bleiben die Ausnahme. Der 56-Jährige ist sicher keine Person, die man als politisches Schwergewicht bezeichnen würde. Sein Erscheinungsbild ist eher blass, sein Auftreten bieder, seine Handschrift selbst nach vier Jahren kaum zu erkennen. Vor allem Politikern in der Opposition fällt es immer schwerer, ihn ernst zu nehmen. Ob sein oberster Dienstherr ihn nach der Tragödie immer noch für den Besten hält, darf bezweifelt werden.

Klaus Johann

Empfehlen
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
29.12.2010
22:53
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
von Sentinel | #22

Herr Rabe ist Jurist, man diese Zunft auch Rechtsverdreher und in dieser Rolle beschäftigt sich Herr Rabe grade intensiv mit seiner eigenen Haut um diese zu retten. Die LP war nach seinen eigenen Aussagen politisch wie auch vom OB gewünscht und dafür nahm man jegliche Verbiegungen inkauf. Sicherheits- wie auch Bauvorschriften wurden solange eingeweicht bis sie paßten, bis ein Herr Schaller mit seiner Lopavent zufrieden war. Was stören da a Ende 21 Tote, 500 Verletzte und wer weiß wieviel Traumatisierte?? Die Herrschaften hatten mit SICHERHEIT ein besinnliches Weihnachtsfest im Kreise ihrer Familie und lieben denn es fehlte ja niemand durch ein tragisches Unglück. FTW ihr Seelenverkäufer, Justizia wird euch strafen und da hilft euch allen kein Schweigen.

05.09.2010
11:50
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
von brandubh | #21

Wie gehabt: keine Analyse, sondern nur Denunziation einer der verantwortlich Beteiligten.

08.08.2010
18:25
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
von wolfgang klein | #20

Sieh auf zu den Sternen.
Gib Acht auf die Gasse.
-Wilhelm Raabe-

www.loveparade2010doku.wordpress.com

07.08.2010
13:23
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
von Ein Walsumer | #19

Ich habe mit Empörung und Entsetzen die Äußerungen von Herrn Rabe in Spiegel TV zur Kenntnis genommen. Ich zitiere:
Es ist ein Szenario eingetreten, dass wir natürlich auch vorher durchdacht haben, an dem wir aber letztlich nicht dieses bedauerliche Unglück haben erwarten können, weil grade dieser Bereich so offen und so abgesichert war, dass an dieser Stelle es mich zumindest verwundert, dass dieses Ereignis eingetreten ist. Es mussten Zäune überwunden werden, man musste, äh äh, auf die Idee kommen, ich darf das mal so banal sagen, ohne das ich, äh, damit natürlich mein Bestürzung verheimlichen möchte, die hinter dieser ganzen Angelegenheit steckt, man musste also dann in der Tat, äh äh, eine Wand erklettern, die durch Zäune abgesichert war, um dann quasi über die Wand etwas schneller auf das Gelände zu kommen, das aber ohnehin über einen sehr sehr breiten Zugang auch so erreichbar gewesen wäre.

Herr Rabe schiebt die Schuld also auf die jungen Besucher, die nur etwas schneller auf das Gelände kommen wollten, obwohl es einen sehr sehr breiten Zugang gab.
Dies ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten!
Als Duisburger Bürger schäme ich mich für die Äußerungen und das Bild, welches die Stadtspitze, also OB Sauerland und Dezernent Rabe abgeben! Diese Personen sind eine Belastung für die Stadt geworden und einfach nicht mehr tragbar.

02.08.2010
22:48
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
von Paul Panzer | #18

Den Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe sollte man sich genau ansehen. Er ist der fachlich Verantwortliche, der im Auftrag seines OB und wirtschaftlich Interessierter diese Loveparade am völlig ungeeigneten Ort um jeden Preis durchpeitschte! Kritiker wurden von ihm eiskalt niedergemacht. Bevor der OB geht, sollte Rabe sofort die Konsequenzen ziehen und im Knast verschwinden!

28.07.2010
18:53
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
von XexbodyguartX | #17

jeder bzw jedes kleine kind weiss das wenn man versucht 2 liter wasser in eine 1 liter flasche zu füllen ...... daaas geht nicht gut !!! so einfach sehe ich diese schreckliche horror veranstalltung und jede ausnahmslos jeder der an der planung in entscheidender weise mitgewirkt hat ist zu bestrafen ohne wenn und aber !!! 21 tote und deren trauernde angehörige/freunde über 500 verletzte unzählige traumatisierte besucher sich jetzt ca 450000 in grund und boden schämende duisburger ( bin einer davon ) werden hoffentlich nicht eher ruhe geben !!!

28.07.2010
16:54
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
von Bluesfritz | #16

Statt Punks können Sie jetzt in Duisburg mal den Leichen Ordnungsgeld abknöpfen und danach gut einschlaften (Sarkasmus)
Klartext: Warum hat in Duisburg die Loveparade nicht beispielsweise nicht auf der Autobahn 40 oder der Rheinwiese/Ortsspitze Mühlenweide oder Rheinwiese Du-Homberg stattgefunden A stattgefunden? Warum war nichts von einem Ambiente (musikalische Bierstände schon am Bahnhof) zu finden. Wegen Schlachtviehphilosophie, wie damals zu schone Wochenendetickentpreisen zu 17 DM. So bitte niemals mehr

28.07.2010
15:16
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
von RAVEN | #15

Warum der sicherheitsbeauftragte herr rabe aus einsatztaktischen gründen vorher nicht konkreter wurde als mehrere Hunderttausend Besucher Kapazität wird im nachhinein klar. Sollte die Welt doch Fotos von 250000 eng beieinander stehende Feiernde aus der Luft zeigen. Der Rest von 1,15 Mio sollte umsonst gekommen sein. Durch den Tunnel war von oben der restliche Ansturm für die Welt ja nicht zu sehen.!!!!
Hat HERR RABE wider besseren Wissens für seinen persönlichen Nutzen unsere Kinder wie die Lemminge über die Klippe geschickt..???

Herr Rabe schalten sie Ihr Hirn wenigstens jetzt ein und reden sie DIE WAHRHEIT !!!

28.07.2010
01:13
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
von ZweiBlum70 | #14

@3: Mag sein, dass es nicht den einen Schuldigen gibt. Und ich sehe bei Sauerland auch eine gewisse Tragik; ich glaube keinesfalls, dass ihm das Risiko bewusst war. Er wollte Duisburg international bekannt machen, tragisch ist, dass es ihm gelang.
Aber wer, wie Rabe und Schreckenberg, lügt und die Schuld den Toten selbst gibt, während die Leichen noch abtransportiert werden, ... wenn es typisch deutsch ist das falsch zu finden, dann bin ich das erste Mal im Leben ein typischer Deutscher.
Ein Blitzschlag ist ein Unglück. Das hier ist fahrlässige Körperverletzung in 500 Fällen. In 20 davon mit Todesfolge.Ob Rabe Mitschuld trägt, muss das Gericht entscheinden, dass er auf der PK eine jämmerliche Figur war, das entschied er allein.

27.07.2010
23:17
Der Ordnungsdezernent: Wolfgang Rabe
von Joerg44 | #13

Die Schuldigen werden früher oder später sicherlich ausfindig gemacht. Davon bin ich überzeugt. Das wird getrieben durch die allgemeine Wut und das Verständnis für die Wut auch von denen, die alles nur durch die Medien mitbekommen haben, die nicht unmittelbar vor Ort waren.
Aber was bringt es, jetzt auf der Suche nach dem Schuldigen Gesicht zu sein? Was wäre, wenn es wirklich einen wahren Schuldigen für diese vermeidbare Tragödie gäbe? Er wird zur Rechnenschaft gezogen, tritt zurück oder gibt sein Amt auf, wird öffentlich verfolgt, muss über Jahre polizeilich geschützt werden...(!)
Vorsicht! Vor Selbstjustiz, vorschnellen Schlüssen! Und sind die Emotionen verständlicher Weise jetzt noch so hoch - wenigstens jetzt sollte mit Sachlichkeit und lückenloser Aufklärung an die Sache herangegangen werden, um weitere Festivals dieser Größenordnung mit bester Sorgfalt planen zu können. Duisburg ist zum Mahnmal für die Ewigkeit geworden und wird immer mit der Loveparade am Todestunnel in Verbindung gebracht werden.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3291567/create

Aktuelle Fotos und Videos
Abriss des RWE-Stadions
Bildgalerie
RWE
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Aus dem Ressort
Suspendierter islamistischer Polizist kennt geheime Akten
Salafismus
Ein salafistischer Polizist soll auch Glaubensbrüder observiert haben. So konnte er wohl auch streng vertrauliche Dokumente durchforsten. Der Beamte aus Duisburg wurde inzwischen vom Dienst suspendiert. Innenminister Ralf Jäger prüft nun Konsequenzen.
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte im Eichmann-Prozess
Eichmann-Übersetzerin
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte den Prozess gegen NS-Verbrecher Eichmann. Im Bonner Haus der Geschichte erzählt sie, was damals in ihr vorging. „Ich lebte, aß, trank Eichmann“, sagt sie. Trotzdem bekam sie von dem Grauen im Prozess längst nicht alles mit.