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Immer mehr illegale Altkleider-Sammler im Ruhrgebiet

08.01.2014 | 18:15 Uhr
Immer mehr illegale Altkleider-Sammler im Ruhrgebiet
Der Markt ist umkämpft, die Zahl der illegal aufgestellten Altkleidercontainer steigt.

Ruhrgebiet.   750.000 Tonnen Kleidung rangieren die Deutschen pro Jahr aus. Sie landen in der Altkleidersammlung, oft im Container einer gemeinnützigen Organisation. Doch auf dem lukrativen Markt machen sich immer mehr schwarze Schafe breit: Die Zahl der illegal aufgestellten Altkleidercontainer steigt.

Auf Abgelegtes sind sie aus, und in Schwelm kamen sie extra dreist daher. Im Dezember stellten illegale Altkleidersammler dort gleich mehrere Container fein säuberlich in einer Reihe auf und verketteten sie miteinander – damit sie die Stadt nicht so leicht abtransportieren konnte.

In Essen mussten im Herbst an hunderten Altkleidercontainern die Schlösser ausgewechselt werden, nachdem Diebe Dutzende aufgebrochen, geplündert hatten.

In Oberhausen bedauerte die Stadt 2013: die eigene „Ausbeute“ gehe zurück. Sogar auf öffentlichen Plätzen habe man schon illegale Altkleidersammler entdeckt.

Bis zu 500 Euro werden pro Tonne gezahlt

In Herne schließlich schlugen die Gemeinnützigen in dieser Woche Alarm. Ausschließlich Rotes Kreuz und Arbeitslosenzentrum dürfen dort Container aufstellen, doch immer häufiger kämen ihnen private Firmen in die Quere.

 

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Eine zufällig zusammengestellte Auswahl, aber der Eindruck täuscht nicht: Der Markt ist umkämpft, die Zahl der illegal aufgestellten Altkleidercontainer steigt. Auf rund 30 Prozent schätzt Experte Thomas Ahlmann vom Dachverband FairWertung ihre Zahl. Denn das Geschäft mit ollen Buxen, verblichenen Hemden, eingelaufenen Blusen und ausgeleierten Shirts ist ein lukratives Geschäft. Für eine Tonne alter Kleider werden derzeit 400 bis 500 Euro gezahlt.

Längst ist bekannt, dass der abgelegte Mantel, der im Altkleidercontainer landet, später nicht unbedingt einen armen Obdachlosen aus der Nachbarschaft wärmen wird. Der größte Teil der Altkleider wird verkauft – von kommerziellen wie karitativen Sammlern. Nur dass erstere den Erlös in die eigene Tasche stecken und letztere ihn in soziale Projekte.

Immer mehr Städte sammeln selbst

Oder ins Stadtsäckel. Immer mehr Städte nämlich sammeln selbst. Um den Illegalen ins Handwerk zu pfuschen, denen sie bisher nur mit einem Bußgeld drohen könne; um selbst an den Kleiderspenden ihrer Bürger zu verdienen, um Schmutzecken zu vermeiden.

Die Stadt Essen etwa tut es seit 16 Jahren. Der Erlös (geheim, angeblich eine sechsstellige Summe pro Jahr) helfe, die Müllgebühren stabil zu halten. 370 grüne Container der Auftragsfirmen Textil Recycling Nord und Efiba stehen im Stadtgebiet.

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Die der Wohlfahrtsverbände werden daneben „geduldet“. Auch in Duisburg (Partner: Octeo) kommen die Einnahmen der städtischen Sammlung dem Gebührenzahler zugute. Oberhausen (Rhenus) dagegen kooperiert mit dem Friedensdorf: Was in den Containern der Wirtschaftsbetriebe WBO landet, wird recycelt, nicht sortiert.

„Der Aufwand wäre zu hoch“, sagt WBO-Geschäftsführerin Maria Guthoff. Derzeit arbeite man an einem Aufkleber für die 128 Container. Ein „Eyecatcher“ soll es werden: „Damit niemand mehr Kleider in den falschen wirft.“

Das Thema sei nicht neu, sagt Philip Heldt, Abfallexperte der Verbraucherzentrale NRW. Aber der Markt noch immer schwer zu durchschauen. So sei es völlig legal, wenn gemeinnützige Organisationen ihr Logo an private Sammler „vermieten“. Gängige Praxis übrigens, für den guten Zweck fließen die Spenden halt üppiger. Nicht verwerflich, so Heldt, aber der Verbraucher müsse darum wissen.

„Transparenz-Initiative“ des DRK

Das DRK etwa – vor Jahren wegen seiner Altkleidersammlungen in die Kritik geraten – kläre die Verbraucher heute „recht passabel“ über die weitere Verwendung der gespendeten Kleidung auf. 2012 brachte man gar eine „Transparenz-Initiative Altkleider“ auf den Weg. 1,2 Millionen Menschen versorgt das DRK demnach mit Kleidern aus seinen Sammlungen. Durch den Verkauf der Überschüsse erzielte man für soziale Projekte 2011 zudem: 12 Millionen Euro!

Ute Schwarzwald

Kommentare
09.01.2014
18:11
Immer mehr illegale Altkleider-Sammler im Ruhrgebiet
von berni44 | #9

Wenn die Container voll sind, werfen die Leute alles daneben. Ferner wird weiterer Müll an diesen Plätzen abgeladen. Hierdurch werden manche Gegenden...
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2014-01-08 18:15
Rhein und Ruhr