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Nichtraucherschutz

Das absolute Rauchverbot kommt

26.06.2012 | 19:22 Uhr
Die Plätze, an denen noch kräftig gepafft wird, sollen weniger werden. Selbst in Raucherclubs soll bald Schluss sein.

Ruhrgebiet/Düsseldorf.   Schluss mit dunstig – das absolute Rauchverbot kommt. Strittig ist das Thema vor allem in kleinen Kneipen und bei großen Festen. Wir fragten nach.

Schluss mit dunstig – das absolute Rauchverbot kommt. Strittig ist das Thema vor allem in kleinen Kneipen und bei großen Festen. Wir fragten nach.

In der Kneipe

„Wenn das Gesetz kommt, kaufe ich mir ein Six-Pack und trinke im Hof“, schwadroniert Jürgen Becker. Der Rentner kommt regelmäßig in die Velberter „Hansa-Kogge“ – zum Trinken, Rauchen und Knobeln. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. „So hat man das schließlich Hunderte von Jahren getan.“

Video
Am geplanten Rauchverbot in Kneipen scheiden sich die Geister - wie unsere Umfrage zeigt.

Um Stammgäste wie Jürgen Becker bangen die „Eck-Gastronomen“ am meisten. Im Revier scheint die magische 70-Prozent-Regel zu gelten: „Wir haben über 70 Prozent Raucher“, sagt Frank Wulf, Wirt der Hattinger „Pinte“. Sagt Thomas Terdisch, Betreiber des „S6“ in Essen. Sagt Wolfgang Leitner von der „Novelle“ in Gladbeck. „Und die übrigen 30 Prozent kommen, obwohl geraucht wird.“

Sorgen haben sie alle. Rosanna Fabbro vom Gladbecker Eiscafé Cortina allerdings kann ziemlich genau sagen, wie viel Geld sie mit der erneuten Verschärfung mindestens verlieren wird. 15 000 Euro haben die Fabbros vor rund zweieinhalb Jahren in einen Raucherraum investiert. Kurz zuvor hatten sie den Dunst verbannt – und gemerkt, dass Gäste fortblieben. „Natürlich ist das ärgerlich“, sagt Fabbro. „Hätten sie mal von Anfang an gesagt, es muss für alle sein ...“

Kommentar
Rigoros gegen Raucher - von Wilfried Goebels
Rigoros gegen Raucher - von Wilfried Goebels

Die Freiheit des Rauchers endet bei der Gesundheit des Nichtrauchers. Wer diesen Grundsatz ernst nimmt, kann die Regierungspläne für ein striktes Nichtraucherschutzgesetz in NRW kaum ablehnen. Auch Passivrauchen kostet Leben. Weil das bisherige Gesetz zu viele Schlupflöcher bietet, musste NRW handeln.

Nachdem Rot-Grün vor der Landtagswahl der Mut für eine rigorose Lösung verlassen hatte, drückt die Regierung jetzt mit grünem Antrieb aufs Tempo. Alle Ausnahmen vom Rauchverbot werden gestrichen. Künftig darf nur noch unter freiem Himmel und in den eigenen vier Wänden gepafft werden. Selbst im Biergarten entscheidet der Wirt mit dem Hausrecht, ob Kunden zum Glimmstängel greifen dürfen.

Der Staat darf nicht alles und jedes regeln, die Bevormundung der Bürger muss Grenzen haben. Ob jemand raucht oder nicht, ist seine persönliche Sache. Eine Verbotskultur führt in die Irre. Wer die Gefahren des Passivrauchens aber erkennt, muss in geschlossenen Räumen ein klares Stoppsignal setzen. Noch wird in 80 Prozent der Kneipen, Bars und Diskotheken in NRW geraucht .

Gleichzeitig stimmen in Umfragen 82 Prozent für einen konsequenten Nichtraucherschutz. In Bayern wurde das Nichtraucherschutzgesetz per Volksbegehren erzwungen. Das befürchtete Kneipensterben blieb aus. Auch in NRW dürfte sich der Protest bald legen. Niemand muss befürchten, dass die Kneipenkultur untergeht.

So hat es Bayern gemacht, seit 2010 herrscht dort ein strenges Rauchverbot. Die Verlierer sind dort die Kneipen unter 75 Quadratmetern: 30 Prozent der Gäste blieben im Sommer weg, die Umsätze brachen im selben Umfang ein. Dagegen haben größere und speisenlastigere Betriebe sogar gewonnen. Der Nichtraucherschutz sorgt vor allem für eine Verlagerung.

Aber Hoffnung gibt es noch. Ein Stammkunde tröstet seinen Wirt Frank Wulf: „Ich würde noch kommen, obwohl ich Raucher bin.“

Auf dem Amt

„Wir werden das Gesetz mit Augenmaß durchsetzen“, sagt Dirk Nordwig vom Fachbereich Recht und Ordnung der Stadt Bottrop. Er spricht wohl stellvertretend für viele Kollegen. Zunächst soll die wieder mal neue Situation „bekannt gemacht“ werden. Die Wirte sollen Rauchverbotsschilder aufstellen können, die Aschenbecher verschwinden lassen und den Gästen erklären können, das die Zigarette aus bleiben muss. Erst nach diesen Schritten soll es Bußgelder geben.

Im Krankenhaus

Einige Zahlen sprechen für sich: Die Zahl der Herzinfarkte sank um acht Prozent in den Bundesländern, die ein striktes Rauchverbot in der Gastronomie umgesetzt haben. Und eine Studie der Uni Münster belegt: Jährlich sterben rund 3300 Nichtraucher durch das Passivrauchen.

Im Festzelt

„Ich halte es für einen absoluten Blödsinn, was da gemacht wird“, schimpft Franz-Ludwig Conrady in seiner Doppelfunktion als Karnevalist der KG Stellkeswäg 1881e.V. und Schützenbruder in Bottrop-Eigen. „Da wo Raucher sind, finde ich es immer am gemütlichsten.“ Freilich raucht er selbst. „Wir haben für unsere Raucher immer Bereiche außerhalb der Säle geschaffen.“ Allerdings sieht das geplante Gesetz nun auch das Verbot von Raucherzelten vor.

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Der blaue Dunst stört in der "Spinnstube" in Düsseldorf niemanden.

Daniel Duhr, Wilfried Goebels, Patrick Mammen, Thomas Mader, Matthias Spruck


Kommentare
27.06.2012
14:48
Das absolute Rauchverbot kommt
von Der.Denker | #2

Endlich! Rauchen ist Tödlich und zwar nicht nur für den Raucher sonder auch für seine Umgebung. Und immer die Argumentation des Kneipensterben, das hat nix mit Rauchverbot zu tun... Hier werden ehemalige Kneipen in Kitas umgebaut, da siet man wo die Zukunft liegt... Bei Menschen mit gesunden Ideen.

1 Antwort
Der.Denker
von Lionel | #2-1

Lesen kann auch helfen, denken alleine hilft offenbar nicht. Das Kneipensterben hat ihrer Meinung nach nichts mit Rauchverboten zu tun?:

In Irland geht das Pubsterben unvermindert weiter. Der Verkauf von Ausschanklizenzen von Lokalen, die zumachen müssen, ist im vergangenen Jahr um 15% gestiegen. Gleichzeitig haben ca. 1000 Betriebe ihre Lizenz nicht mehr erneuert.
In Belgien sind 2000 Cafes seit Einführung des verschärften Rauchverbots vor fast einem Jahr geschlossen worden. In Madrid mussten nach Angaben der Fecao knapp 700 Lokale schließen, Andalusien ist mit 424 Schließungen und Galicien mit 367 Schließungen dabei. Und im Saarland haben rund 25 Prozent der von der Bitburger-Brauerei belieferten Kneipen, in denen früher das Rauchen erlaubt war, seit dem Rauchverbot aufgeben müssen.
Die Behauptung, rauchen sei für die Umgebung des Rauchers tödlich ist absurd und unverschämt, oder haben Sie dafür irgendwelche Beweise?

27.06.2012
14:21
„Und die übrigen 30 Prozent kommen, obwohl geraucht wird.“
von Catman55 | #1

Er schreibt nicht, wie viele Gäste er insgesamt so hat. Aber ich frage mich, woher er wissen kann, wie viele Gäste er ohne Raucher hätte...?

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