Chef beharrt auf Kündigung in der Frikadellen-Affäre
13.10.2009 | 07:12 Uhr 2009-10-13T07:12:00+0200
Dortmund. Hermann Schulte-Hiltrup, Hauptgeschäftsführer der Bauverbände Westfalen, stellt klar: Er hat sich bei seiner Sekretärin lediglich für die fristlose Kündigung entschuldigt. Zurückgezogen hat er sie nicht. Die 59-Jährige, die wegen Diebstahls einer Frikadelle ihren Job verlor, kämpft weiter.
Der Frikadellen-Streit, den die Bauverbände Westfalen mit ihrer 59-jährigen Chefsekretärin führen, ist doch noch nicht ganz gegessen ist. Sie hatten ihr, wie berichtet, fristlos gekündigt. Zwar hatte sich Hermann Schulte-Hiltrup, Hauptgeschäftsführer der Verbände, bei ihr entschuldigt. Am Montag aber stellte er klar: Die fristlose Kündigung hat er nicht zurückgezogen.
Alles hänge jetzt von den Verhandlungen ab, die von den Anwälten „noch im Oktober zu einem positiven Abschluss” gebracht werden sollen. Man strebe eine „sozialverträgliche Lösung” an, sagte Schulte-Hiltrup. Die Anwälte haben einen Termin für den 27. Oktober vereinbart.
Mandantin pocht auf Wiedereinstellung
Wolfgang Pinkepank, Anwalt der gekündigten Frau, betonte am Montag, man streite nach wie vor für eine Wiedereinstellung. Seine Mandantin habe nicht gestohlen, sondern ein Missverständnis habe zur Kündigung geführt. Was die Vorgesetzten in vielen Vorjahren geduldet hätten, sei plötzlich zum Grund der fristlosen Kündigung geworden. Die Mandantin könne sich ein Ausscheiden finanziell nicht leisten: „Mit neunundfünfzig Jahren findet sie keine Neuanstellung. Nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit würde Hartz IV bis zur Rente folgen.”
Dagegen hat Schulte-Hiltrup offenbar einen Abfindungsvergleich vor Augen. Er gehe trotz gegenseitiger Entschuldigungen davon aus, dass das Vertrauensverhältnis nachhaltig und irreparabel zerstört sei, wiederholte er gestern.
„Unsensible Vorgehensweise”
Am Wochenende hatte sich der Arbeitgeber in einem Brief, der nur in Teilen öffentlich gemacht wurde, bei der gekündigten Chefsekretärin für seine „unsensible Vorgehensweise” entschuldigt. Zuvor waren die Verbände massiv mit öffentlichen Protesten unter Feuer geraten.
In seinem Entschuldigungsschreiben hatte der Verbände-Chef angemerkt, dass er „im vorliegenden Einzelfall mit einer fristlosen Kündigung juristisch nicht besonders gut beraten” worden sei. Auch bei der Kündigung einer seit 16 Jahren beschäftigten Mitarbeiterin wollen die Bauverände eine Einigung erzielen. In diesem Fall fand noch kein Arbeitsgerichtstermin statt.
13:48
Eines ist gewiss.Eine Chefsekretärin,die zehn Jahre in einer Firma arbeitet,weiss zuviel.
Wegen einer Frikadelle kann man ihr nicht kündigen.
Dahinter steckt mehr.
11:55
Genau, wir sind so empört, weil jeder von uns in irgendeiner Weise etwas Unrechtes in der Firma getan hat. (...ich glaube, ich habe neulich etwas zu viel Klopapier benutzt...und ein privates Telefongespräch geführt). Hach, aber ich bin ja Beamtin, da kann mir nichts passieren. Glück gehabt!!
15:53
Der Vorwurf eines irreparablen Vertrauensverlustes wird aufrecht erhalten, heißt es. Schulte-Hiltrop hatte im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall erfahren, dass sich die Mitarbeiterinnen bereits früher am Büffet bedient hatten.
Und richtig ist, Diebstahl ist Diebstahl,aber und Sorry mir kann NIEMAND erzählen, dass er noch Nie irgendwas in seinem Betrieb mitgenommen (gestohlen ).hat
Niemals ein Kuli oder Bleistift,kein privates Telefonat oder Internet Surfen,derer Möglichkeiten gibt es viele
Und je höher die Hirachie um so mehr wird gestohlen.
Den es ist ja angeblich nicht der Betrag,sondern das Vertrauensverhältnis was gestört ist.
15:19
@Anybody
Wenn er sich die Verfehlungen über Jahre nur aufgespart hätte, um seine Sekretärin in einem für ihn günstigen Moment los zu werden, dann hätte ihm die Richterin schon im Gütetermin die Leviten gelesen und die Kündigung wäre komplett vom Tisch.
Sehr viel wahrscheinlicher ist es doch wohl, dass er seine Sekretärin schon mehrfach auf ihr Fehlverhalten angesprochen hat und ihr trotziges Verhalten irgendwann nicht mehr tolerierbar wurde.
@Mr. MacTear
Es geht hier nicht um einen Diebstahl, denn bei solchen Bagatellen innerhalb eines Betriebs, die nichts mit dem Verkauf von Lebensmitteln zu tun haben, wird kein Staatsanwalt Klage erheben. Hier geht es um das Arbeitsrecht und den Vertrauensverlust zwischen Vertragspartnern.
15:13
Der Chef hat recht. Wenn ich in ein Geschäft gehe und eine Frikadelle klaue werde ich verurteit und bestraft. Da sagt dann der Richter nicht: Sie sind seit 35 Jahren Kunde von diesem Geschäft, da dürfen sie schon mal eine Frikadelle oder Stifte klauen. Am Ende zieht jeder Dieb vor ein Gericht und erklagt seinen Freispruch, da er schon seit 35 Jahren Kunde von diesme Geschäft ist.
14:20
Diese Type war bei Stern TV und versuchte zu erklären,warum man diese Frau entlassen habe.
Sie sollte das schon über Jahre hindurch gemacht haben, also wenn ich als Arbeitgeber weis das mich meine Angestellte über Jahre hindurch betrogen hat,warum reagiere ich zu diesem Zeitpunkt und nicht schon vorher,
12:50
Es ist ein Zeichen eklatanter Führungs- unc Charakterschwäche, wegen so einer Lappalie nicht in der Lage zu sein, diese Angestellte mal unter vier Augen auf Ihr Fehlverhalten hinzuweisen.
Würde jemand in meiner Firma wegen einer Frikadelle gefeuert, würde ich noch heute auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber gehen. Nicht aus Angst, aus Solidarität und Empörung.
11:29
Genau genommen handelt es sich doch nicht um Dievstahl, sondern um Mundraub. Ungeachtet dessen ist es schon komisch, das nur Mitarbeiter kurz vor der Rente plötzlich wegen Bagatellen entlassen werden. Und wer von Euch noch nie was verbotenes getan hat, der werfe den ersten Stein.
20:26
Es ist sehr wichtig, dass man sich gegen ungerechte bzw. unrechtmäßige Kündigungen wehrt. Leider ist das manchmal aber nicht das selbe. Und erst einmal muss man vor dem Arbeitsgericht das Recht auch bekommen.
Umso wichtiger ist die Solidarität. Es ist zu begrüßen, dass es einen Solidaritätskreis gegen die Kündigung eines IG Metall- Vertrauensmanns bei Continental in Dortmund gibt.
www.conti-solidarität.info
oder
www.xn--conti-solidaritt-9nb.info
15:41
#22 Weltbürger
Ich bat nicht um einen Verzicht auf Antworten, sondern auf einen Verzicht Deiner Postings, in denen die Leute, die hier schreiben, als uninteressant (=unwichtig ?) abgestempelt werden.
Darüber hinaus habe ich nicht dagegen wenn Fehlverhalten entsprechend gewürdigt wird... solange diese Würdigung für den kleinen Mann genauso wie für den Großen gleichermaßen angewandt wird.
Dies ist derzeit in dieser Bunten Republik leider nicht der Fall. Hier wird der Kleine für ein Radiergummi oder eine Frikadelle in die Wüste gejagt, der Große bekommt erst eine großzügige Abfindung und danach einen neuen noch besseren Posten in noch einem wichtigeren Aufsichtsrat !!!