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Germany's next Top Model

Bochumer Theater spielt Heidi Klums Casting-Show nach

05.02.2012 | 21:34 Uhr
Bochumer Theater spielt Heidi Klums Casting-Show nach
Germany's next Top Model - im Bochumer Theater.Foto: Ingo Otto.

Bochum.Es liegt schon einige Staffeln zurück, dass Bruce „Mehr Drama, Baby“ forderte, und wahrscheinlich hat er einfach nicht geahnt, was für ein Drama das alles längst war: Bochum hat „Germany’s Next Top Model “ jetzt auf die Bühne gebracht. Nicht geschönt, ungeschminkt und so schlicht, wie Heidi und ihre Mädchen sind. Denn die Autoren haben „geguttenbergt“, wenn man so will: das Finale von Pro 7 einfach nur abgeschrieben.

Und das Rottstr5-Theater hat nicht mal inszeniert! „Wir spielen eine Fernseh-Show nach“, sagt Regisseur Honke Rambow, „das kann nur schlecht sein.“ Er hat das nicht so gemeint, aber so recht! Was keinesfalls an der Besetzung dieser szenischen Lesung liegt, sondern am Original. Im Fernsehen mit seinen Farben und Feuerwerken ist uns vor lauter Mode und Musik ja fast gar nicht aufgefallen. . . wie blöde seine Dialoge sind.

Heidi, deine Welt sind Worte - nicht.

„Was sagt ihr dazu?“ „Es war super.“ „Es war mehr wie super.“ „Es war toll!“ Heidi, Heidi, deine Welt sind die Worte jedenfalls nicht. „Doof“, sagen Grischa Stanjek und Gregor Weichbrodt, die beiden Berliner Studenten, die für eine Semesterarbeit den Showtext verschriftlichten und in Reclam-Gelb schlugen. Und „stupide“ nennen sie das stundenlange Abtippen. Denn viele Varianten hatte das nicht: Juroren wie Mädchen machen nicht viele Worte. „Super“, „wow“, „toll“ und manchmal ein seltsames „wusch“ sind die Grundakkorde auf der Gitarre: Mehr muss man nicht können.

Eine „Erhöhung einfacher Sprache“ wollten die Studenten mit ihrem Werk schaffen, und Honke Rambow sah darin tatsächlich „Shakespear’sche Tiefe“. Schon früher hatte das Theater mit Lesungen den „Trash-Faktor in der Weltliteratur“ gesucht: Hatte die Nibelungen in drei Teilen gelesen und die Hermannsschlacht. Nach Kleist nun also Klum. „Wir wollen“, so Rambow, „der Tiefe und dem Gehalt nachspüren, die im Fernsehen kaum zu entdecken sind.“

Das unberedte Schweigen der Mädchen und der stöckelnde Laufsteg-Trainer Jorge

Nur ist es ja so, dass diese Tiefe abgrundtief ist und der Weg dorthin ein tiefer Fall: Das sinnentleerte Gepiepse von Heidi (Nermina Kukic im rosa Einkaufstütchen von Klums Unterwäsche-Fabrikant), der schmatzende Nonsens aus den Mündern ihrer Jury-Statisten Thomas und Thomas („Ja.“ „Super.“ „Ja.“ „Absolut.“ „Ja.“), das unberedte Schweigen der „Mädchen“ sowie das des stöckelnden Laufsteg-Trainers Jorge, der fürs Sprechen schließlich auch nicht bezahlt wird... Das alles wirft das vor dem Bildschirm vielleicht noch begeistert mitfiebernde Publikum zurück auf die harten Bretter des Catwalks (den unsereins sowieso nur von unten kennt). Und dort bleibt es liegen, so flach wie der Text ist. Vor Lachen.

Spätestens im dritten Auftritt nach der Werbung ergeht das auch den Schauspielern nicht anders. Die sollten ja lesen und ansonsten besser sitzen mit ihren hohen Hacken, aber wie soll man das, wenn Heidi quiekt in gespieltem Entsetzen: „Hoffentlich platzt mir nicht die Hose!“? Wenn sie Mitleid heucheln soll: „Jetzt haben wir hier eine, die weint, und das war erst der Anfang!“? Und wenn sie beglückt aufschreit: „Alle Drei haben die Absolut-Mega-Haare gehabt!“? Sie hat das ja wirklich gesagt im Finale 2011.

Es ist also ein fassungsloses Kichern auf der Bühne in Bochum und ein verschämtes Lachen im Zuschauerraum (haben wir’s nicht alle geguckt?). Statt Shakespeare wird es hier zunehmend Stand-up-Comedy, und „mein Mann Seal“ kommt auch drin vor. „So viel Action“, findet Klum/Kukic, „gibt’s nur bei uns.“ Und so viel Bestätigung für Klischees, die man auszusprechen gar nicht mehr wagte: Ist es etwa doch so, dass Models schön sind, aber auch schön doof?

Vorsicht! Heidi hat zum Schluss gedroht: „Wir sehen uns in 2012!“ Super? Toll? Wow? Dramatisch.

Next Topmodel im Theater

Annika Fischer

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