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Karneval

Auf die Bühne, runter, raus: Mit Mülheims Prinzenpaar auf Tour

14.02.2010 | 22:38 Uhr
Auf die Bühne, runter, raus: Mit Mülheims Prinzenpaar auf Tour

Mülheim.Klatschmarsch zum Abmarsch, der Hofmarschall mahnt schon wieder zur Eile: „Wir können dann mal.“ Was bedeutet: Sie müssen mal! Nächster Auftritt Austritt. Und der Prinz geht niemals allein zum Pinkeln. „Solange er im Ornat ist“, sagt der Karnevalspräsident. Warum nur? „Das“, überlegt der Präsident, sei „schon immer so“, mindestens 52 Jahre, „seit Mülheim einen Karnevalsprinzen hat“.

Seine Tollität entschwindet mit wehenden Pfauenfedern, die Prinzessin mit Pagin und gerafftem Rock, nicht mal dieser Moment ist privat. Ist das Prinzenpaar je privat in diesen jecken Tagen? „Zwei Kinder, Firma und Friseur“, sagt Markus I. von Mülheim, das ist sein Pausenprogramm, und der Pausen sind nicht viele am Karnevalssamstag. „Das ist nur Rein-Raus“, sagt der Prinz und meint natürlich die Prunksitzungen. Morgens, 11.11 Uhr, haben sie das Einkaufszentrum, nachmittags ein paar Senioren glücklich gemacht; „die haben gestrahlt von einem Ohr zum anderen”, sagt Ihre Lieblichkeit Sandy I. und macht es nach. „Wunderwunderschön” spielt das Radio.

Jeder will den Prinz haben

Sie tragen noch Socken und Hosenträger, der Friseur, der als Piratenkapitän geht, bläst Sandy Gold ins Blondhaar. Neben der Obstschale liegt der Stadtschlüssel, auf dem Tisch perlt ein Sektchen. Ist ja „schon der letzte große Abend, nur noch einmal „Bühne rauf, runter, raus”, eigentlich „schade, da muss man immer fragen: wie war’s denn”? Meist ist so eine Sitzung ja eher unlustig, wenn de Prinz kütt. Nicht, weil der nicht komisch wäre: Der Moment ist feierlich. Eine Ehre für den Verein!

Deshalb auch will ihn jeder haben, diesen königlichen Moment, weshalb der Prinz am Nelkensamstag rundreist, mit Lieblichkeit, Hofstaat und Präsident durch den Schnee. Vom Altenhof zum Handelshof zur Stadthalle, von der KG „Blau Weiss“ 1947 zur KG „Mölmsche Houltköpp“ 1957, von der KG Christ König zur KG Mariae Rosenkranz, nur heißt KG“ hier nicht „Karnevalsgesellschaft“, sondern „Kirchengemeinde“. Und überall das gleiche Bild: Luftschlangen und -ballons, Frikadellen und Käsebrötchen, Cowboy und Indianer (bei Kirchens trägt man Engel).

Das Auto ist eine rollende Garderobe, die Umhänge hängen am Haken, in der Konsole stecken Würstchen, Käsehappen und Flaschen. Nur dürfen sie die nicht köpfen, am Ende ist die Stimme weg oder auch noch der Verstand, und „der Ornat ist so warm“. Auch die Zigaretten lagern hier, die sie vor jedem Auftritt durchziehen, danach auch. Der Kofferraum fasst Kisten voll Orden und „Hygiene“, ganz vorn liegt Sagrotan. Hier werden sie später die Blumensträuße stapeln und das Fässchen, das gleich der erste Gastgeber mitgab, „als Wegzehrung.“

Keine Zeit für ein Lied

Im Beutelchen trägt die Prinzessin ihre Spickzettel: Wer kriegt wo einen Orden? „Der Pfarrer hat schon.“ Und: „Wie viele sitzen im Elferrat?“, fragt Markus, es sind nur zehn, und jeder kriegt eine Pappnase. „Ein stolzer, guter, toller Prinz“, sagt der Sitzungspräsident, dreimal Helau, zackig grüßt der Hofmarschall. Die Kapelle hat wie immer den Prinzenmarsch gespielt, über den Noten steht nur „Prinz”.

„Seid ihr gut drauf?”, fragt die Prinzessin, auch das macht sie immer, man nennt sich gegenseitig „bezaubernd” und verteilt Komplimente: „Heimspiel”, sagt der Prinz bei den Blau-Weissen, „unsere gute Stube” bei den Houltköppen und bei der MüKaGe: „Etwas Schöneres gibt es für uns nicht.” Dann wird gesungen, ein eigenes Lied: „Wir schunkeln die ganze Nacht und gehen erst nach Hause, wenn der nächste Morgen erwacht.”

Das kommt so hin, nur dürfen sie in der Stadthalle heute nicht singen – man ist im Verzug. Christ König lässt die Tollitäten warten, sie müssen das „Rote Pferd“ noch umdrehen. „So eine schöne Prinzessin hatten wir lange nicht mehr“, sagt ein heiserer Moderator, man möchte hoffen, es war keine ehemalige im Saal. „Es macht Spaß“, sagt Markus I., „überall sind sie außer Rand und Band“, einmal ist er gar erstaunt: „Ich wusste gar nicht genau, wo geht es nun wieder hin?“ Die Paginnen laden dem Fahrer die Blumen auf.

Später erschlagen sie etwas Zeit neben dem Alkoholtester, „kurz und knapp, Prinz!”, bittet die Prinzessin. Im Saal tanzt der Fahrer den Piratentanz, „tschüss“, sagt Markus I., „wir sehen uns Montag.”

Am Heiligen Sonntag musste das Ehepaar Prinzenpaar nur noch Kamelle aufladen.

Annika Fischer

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