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Angriffe gegen Kontrolleure in Bus und Bahn werden brutaler

10.04.2012 | 18:29 Uhr
Angriffe gegen Kontrolleure in Bus und Bahn werden brutaler
Warnstreiks im Öffentlichen Dienst

Ruhrgebiet.  Gewalt gegen Mitarbeiter ist auch nach dem Todesfall in Brüssel bei Nahverkehrsunternehmen an Rhein und Ruhr kein großes Thema. Übergriffe gegen Fahrer oder Kontrolleure sind hier selten. Aber: Sie werden heftiger.

Nur wenige Wochen noch hatte Iliaz Tahiraj zu arbeiten; die Papiere, die ihm den Vorruhestand ermöglichen sollten, waren längst unterschrieben. Doch der 56-Jährige wird ihn nie erleben: Iliaz Tahiraj, „Superviseur“ beim Brüsseler Nahverkehrsunternehmen STIB, starb am Samstag nach einem Faustschlag – im Dienst. Und ganz Brüssel steht seither still: Alle Bus-, Tram und Metrofahrer traten nach dem Tod des Kollegen so entsetzt wie empört in Streik. Denn schon lange vor dem aktuellen Todesfall hatten sie die zunehmende Gewalt gegen sie beklagt. Allein 2010 waren in Brüssel 193 STIB-Mitarbeiter angegriffen worden (und 773 Passagiere).

Auch bei den Nahverkehrsunternehmen im Ruhrgebiet trauert man um den belgischen Kollegen, aber: „So wie um jeden, der auf tragische Weise ums Leben kommt“, sagt Sandra Bruns, Pressesprecherin der BoGeStra, nicht aus eigener Betroffenheit.

Fünf Krankmeldungen

„Denn Brüsseler Verhältnisse haben wir hier zum Glück nicht“, erklärt Bruns’ Pendant bei der Vestischen, Norbert Konegen. „Nur“ fünf Fahrer und Kontrolleure hätten sich in seinem Unternehmen nach tätlichen Übergriffen im vergangenen Jahr krankmelden müssen – „bei dreiundsechzig Millionen Fahrgästen!“. Dazu kamen 28 Fälle von Handgreiflichkeiten von Fahrgästen untereinander. Die Tendenz sei „eindeutig rückläufig“.

Ähnliches gilt für EVAG und BoGeStra, deren Sprecherin Sandra Bruns die Zahl der Übergriffe auf „nullkommanullnullirgendwas“ schätzt, sich aber sehr wohl an den letzten Fall erinnern kann: Da hatte ein Fahrgast ohne Ticket den Kontrolleur, der seine Personalien aufnehmen wollte, ins Gesicht geschlagen. Eine typische Situation, sagt Bruns, jedoch nicht vergleichbar mit dem, was in Brüssel passiert sei -- Iliaz Tahiraj war niedergeschlagen worden, als er einen Unfall protokollieren wollte.

EVAG-Sprecher Jens Kloth macht vor allem das verbindliche Deeskalationstraining für Mitarbeiter dafür verantwortlich, dass „bei uns nix los ist“. „Unsere Fahrer und Kontrolleure lernen, wie man sich helfen kann, wie man sich in schwierigen Situationen verhalten sollte, wann man besser die Polizei ruft.“

Video-Überwachung und Deeskalation sollen helfen

Auch Vestische und BoGeStra haben gute Erfahrungen mit solchen Schulungen gemacht. „Schläger“, so Norbert Konegen, „suchen schließlich Opfer, keine Gegner!“ Das vierstufige Sicherheitskonzept der Vestischen umfasse den „kontrollierten Einstieg“ vorne, Videokameras für alle Busse und die Notruf-Taste, mit der der Fahrer im Notfall Livebilder direkt in die Leitstelle der Polizei übertragen kann.

Doch eines, das sind sich alle drei Sprecher einig, bleibt besorgniserregend, auch wenn es die Zahl der Überfälle nicht wirklich sei: die Art der Angriffe. Denn seit Jahren schon registriere man nicht mehr, aber heftigere Brutalität. Früher, erinnert sich Sandra Bruns, schubste der ertappte Schwarzfahrer den Kontrolleur im schlimmsten Fall weg. „Heute schlägt er ihn nieder.“

Ute Schwarzwald


Kommentare
10.04.2012
21:16
Angriffe gegen Kontrolleure in Bus und Bahn werden brutaler
von Stefan3 | #10

Fakten dazu:

"Die Polizei registrierte im Jahr 2011 rund 1,51 Millionen Straftaten. Das sind rund 69.000, also 4,8 Prozent, mehr als im Jahr davor."

10.04.2012
21:06
Doch, das stimmt
von Stefan2 | #9

Doch, kritischer Kritiker, die jährlichen Statistiken des Bundesinnenministeriums, der Länder-Innenministerien wie auch der Kreispolizeibehörden weisen hier eine günstige Entwicklung aus. Dass die wirkliche Kriminalitätsentwicklung im krassen Gegensatz zur gefühlten, zum subjektiven Sicherheitsempfinden, steht, hat unterschiedliche Gründe, ist aber ebenfalls ein seit über 2000 Jahren bekanntes und dokumentiertes Phänomen.

10.04.2012
20:50
Die Tendenz sei „eindeutig rückläufig“.
von Kritischerkritiker | #8

Ich wundere mich immer über solche Aussagen, die nicht belegt werden und sehr schwammig daherkommen:

Die Tendenz (der Gewalttaten) sei „eindeutig rückläufig“.

Das stimmt doch mit Sicherheit nicht!

10.04.2012
20:37
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Name von Moderation entfernt | #7

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10.04.2012
20:36
Kommentar zu #4
von sebas | #6

Ich bin ebenfalls ein langjähriger Berufspendler (vornehmlich S-Bahnen), kann also halbwegs mitreden.

Für die rush-hour-Zeiten kann ich Ihre Feststellung, dass es in den Zügen sicher zugeht, dass also niemand Angst vor Übergriffen haben muß, bestätigen.

Ihren negativen Anmerkungen zu den Kontrolleure möchte ich jedoch entschieden wiedersprechen.
Die Kontrolleure machen nach meiner Einschätzung einen sehr guten Job.

Übrigens: Es gibt vermutlich nicht viele Jobs, die derart an die Substanz gehen, (psychisch, wie physisch) wie der des Fahrkarten-Kontrolleurs.

Nicht umsonst treten Kontrolleure neuerdings oft nur noch im Vierer-Verbund auf.

10.04.2012
20:25
Kommentar
von sebas | #5

#3
Ihr Vorschlag ist wahrlich weltfremd. Aus Bus- und Bahn-Fahrern können sie keine Kampfsportler machen. Das sehen die Betroffenen sicher ebenso.
Abgesehen davon wäre Ihr Ansatz auch kontraproduktiv, weil zu gefährlich.

# an Alle
Mit Video-Aufzeichnungen in allen Bussen und Bahnen erzielt man ja eine abschreckende Wirkung. Täter sollen damit rechnen müssen, überführt zu werden!

Und Gewalttäter sollten sich, wenn sie dann überführt wurden, auch sehr zügig (vor Gericht) für ihre Taten verantworten müssen.

Übrigens: Mit wirklich Tat-angemessenen Urteilen kann vielleicht auch eine abschreckende Wirkung erzielt werden.

Das soll bitte nicht als Appell der Art "Mit Kanonen auf Spatzen schießen" mißverstanden werden.

Die heutigen Vorschläge aus der Politik (Lebenslang Verurteilte bekommen bereits nach 5 Jahren Haft Hafturlaub) gehen meines Erachtens jedoch in die falsche Richtung.

10.04.2012
20:19
Angriffe gegen Kontrolleure in Bus und Bahn werden brutaler
von Kommentator2011 | #4

Der Todesfall des belgischen Kontrolleurs ist sehr bedauerlich. Gewalt ist grundsätzlich abzulehnen. Ich fahre jeden Arbeittag ungefähr 140 Km mit der Bahn. Eine Prügelei habe ich noch nicht gesehen. Doch verbale Auseinanderetzungen leider schon recht häufig beobachtet. Und diese gehen nicht immer ursächlich von den Fahrgästen aus. Die breite Masse der Fahrgäste und Schaffner, bzw. Kontolleure ist sicherlich in Ordnung und weiss sich zu benehmen. Doch einige Kontrolleure sind vom Auftreten her einfach miserabel. Manche sehen sehr ungepflegt aus und reden geradezu provozierend mit den Fahrgästen. Das muß auch nicht sein.

10.04.2012
19:52
Angriffe gegen Kontrolleure in Bus und Bahn werden brutaler
von buntspecht2 | #3

Wenn es gar nicht anders geht müssen die Busfahrer und Fahrerinnen eine Ausbildung in Selbstverteidigung machen um ihr Hausrecht durch zu setzen den bis die Polizei da ist sind diese Gewalttäter schon lägst weg

10.04.2012
19:17
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Name von Moderation entfernt | #2

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10.04.2012
19:17
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