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Langzeitstudenten

Ärger um Langzeitstudenten an der Uni Duisburg-Essen

18.10.2012 | 19:52 Uhr
Ärger um Langzeitstudenten an der Uni Duisburg-Essen
Am Campus Duisburg ist der Integrierte Studiengang Sozialwissenschaften (ISS) angesiedelt, um den nun der Streit ausgebrochen ist.Foto: Hans Blossey

Essen.   Dicke Luft an der Uni Duisburg-Essen. Die will einige ihrer letzten Diplom-Studenten nach der Umstellung auf das Bachelor-Master-System nun wohl nicht mehr ihren Abschluss machen lassen. Die Studentenvertretung will darum gegen ihre Uni klagen.

Amir R. gerät gerade sein gesamter Lebenslauf aus den Fugen. Der Sozialwissenschaftler ist einer der letzten rund 100 Diplomstudenten an der Uni Duisburg-Essen, nachdem diese auf das neue Bachelor-Master-System umstellte. Er hat sich viel Zeit gelassen mit seinem Studium, nun trennt ihn ein letzter Schritt vom Ziel. Doch seine Diplomarbeit soll Amir R., dessen Namen wir geändert haben, nun nicht mehr abgeben dürfen im Zweitversuch. Der Prüfungsausschuss der Uni entschied: Frist verpasst. Nur hatte Amir R. seine Diplomarbeit krankheitsbedingt später abgeben dürfen und im ersten Anlauf noch gar nicht zurück, als die Anmeldefrist für den zweiten ablief.

Viele können ihren Diplomabschluss wohl nicht mehr machen

Der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) hält Amir R.s Geschichte für symptomatisch, auch wenn jeder Fall unterschiedlich liegt. Der Vorwurf der Studenten: Der Prüfungsausschuss gehe mit unnötiger Härte vor, um die ehemaligen Diplomstudenten loszuwerden. Vielleicht auch, weil der doppelte Abschluss-Jahrgang in den Startlöchern steht. So seien auch Krankschreibungen, die durch den ehemaligen Prüfungsausschuss anerkannt worden seien, nach einem Wechsel an der Spitze für nichtig erklärt worden.

Die Folge für die Betroffenen: Ihren Diplomabschluss können sie wohl nicht mehr machen – auch nicht an einer anderen Uni, denn dort laufen die entsprechenden Studiengänge ebenfalls aus. Amir R. etwa wurde angeboten, statt seines Diploms einen Bachelorabschluss zu machen, vorausgesetzt, er hänge noch ein Semester dran. Doch ein Bachelorabschluss ist natürlich bei weitem nicht so wertig wie ein Diplom, das eher mit einem Master vergleichbar ist.

Sechs Jahre Übergangszeit

Die Uni hält dagegen: Sechs Jahre lang hatten die Studenten Zeit, ihre restlichen Prüfungen abzulegen. Im Einzelfall konnten Härtefall-Anträge gestellt werden. Vielen sei stattgegeben worden. Prüfungsausschuss-Vorsitzender Achim Goerres: „Viele abgegebene Arbeiten sind mit einer guten Note bewertet worden. Es bestätigt die Arbeit des Ausschusses, Studierenden in Härtefall-Situationen noch eine letzte Chance zu geben.“ Uni-Sprecherin Beate Kostka schätzt, dass die Zahl der Betroffenen, die ihren Abschluss nun nicht mehr machen können, auf etwa 17 Personen. Die etwa 100 Studenten, die noch eingeschrieben sind, haben im Schnitt länger als 22 Semester studiert.

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Amir R. klagt derzeit vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf – mit wohl geringen Aussichten, wie er selbst sagt. Der Prüfungsausschuss genießt einen großen Ermessensspielraum. Was andersherum bedeutet, dass er natürlich den Studenten hätte zulassen können.

Zwei weitere Studenten aus Duisburg und Essen klagen ebenfalls gegen ihre Uni, der AStA unterstützt sie dabei finanziell. „Und nächste Woche will der AStA selbst gegen alle Auslaufregelungen klagen, die das Rektorat beschlossen hat“, sagt dessen Bildungsreferent Daniel Lucas. Der Ansatz hier: Das Rektorat habe keine Befugnis, eine Frist zu setzen. Das müsste schon der Senat oder der Fachbereichsrat für Prüfungsordnungen machen. Zumindest hat das Oberverwaltungsgericht Münster am 9. Mai einem Studenten mit dieser Begründung Recht gegeben.

Kommentare
22.10.2012
14:00
Ärger um Langzeitstudenten an der Uni Duisburg-Essen
von fab2 | #23

@ Raubritter81
Im Fall ISS handelt es sich um Soziologie und Politikwissenschaft. Wo/Wie würdest du die beiden einordnen? Und, warum ist der...
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Ärger um Langzeitstudenten an der Uni Duisburg-Essen
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2012-10-18 19:52
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