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Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen

13.02.2012 | 10:15 Uhr
Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen
Adolf Sauerland wurde von den Duisburger Bürgern abgewählt. Wie konnte es soweit kommen?Foto: DerWesten

Duisburg.   Die Bilder sind unvergessen. Adolf Sauerland wischt sich Ketchup aus dem Gesicht. Eine persönliche Attacke als Höhepunkt einer Protestwelle, die über Duisburgs Oberbürgermeister schwappt – und die mit seiner Abwahl am Sonntagabend nun abebben dürfte. Wie konnte es so weit kommen?

Die Bilder sind unvergessen. Adolf Sauerland wischt sich den Ketchup mit einem Taschentuch aus dem Gesicht. . Er bleibt auf der kleinen Bühne in Duisburg-Rheinhausen stehen, versucht den unwürdigen Augenblick so würdig durchzustehen, wie ihm das möglich ist. Eine persönliche Attacke als Höhepunkt einer Protestwelle, die über Duisburgs Oberbürgermeister schwappt seit der Katastrophe um die Loveparade – und die mit seiner Abwahl am Sonntagabend nun abebben dürfte.

Bis zu den schrecklichen Ereignissen jenes 24. Juli 2010 schätzten ihn die Duisburger als erdverbundenen Macher, ihn, dem es gelungen war, die 50 Jahre andauernde Vorherrschaft der Sozialdemokraten in der Stadt zu brechen. Doch die Loveparade mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten wird zum Wendepunkt: Sauerland gibt bei der Aufarbeitung des Dramas eine erbärmliche Figur ab. Noch am Abend des Unglücks versteigt er sich ohne Detailkenntnisse zu abenteuerlichen Schuldzuweisungen in Richtung der Opfer, am Tag darauf blamiert er sich bei einer verheerend inhaltsarmen Pressekonferenz. Rücktrittsgerüchte machen die Runde, werden aber schnell dementiert, die CDU will ihren letzten Ruhrgebiets-OB nicht herschenken. Ein Abwahlantrag im Rat scheitert später an der fehlenden Zweidrittelmehrheit.

Er macht weiter

Sauerland macht weiter, und er wird nicht besser. Im Gegenteil. Er windet sich in seinen dürren Erklärungen, verschanzt sich bei den ungezählten Nachfragen hinter der Einschätzung, ein Rücktritt sei gleichbedeutend mit einem persönlichen Schuldbekenntnis. Selbst der Bundespräsident legt ihm den Abgang nahe, vergeblich, und seither wird Sauerland das Image des Sesselklebers nicht mehr los.

Mann an der Spitze, der gebückt durch die Straßen schleichen muss Dem Zorn vieler Bürger folgt die Empörung der Stadtverwaltungs-Mitarbeiter, die sich von ihm im Stich gelassen fühlen: Er persönlich habe keine Genehmigungen unterschrieben, gibt er in Interviews zu Protokoll. Er werde im Amt bleiben, bis gerichtlich festgestellt werde, wer die Schuld an der Tragödie trage. Aber auch ein bestelltes, 400 000 Euro teures Gutachten, das keine Fehler der Verwaltung sieht, hilft ihm nicht. Der Druck bleibt enorm, und wie man so etwas aushält, weiß nur Sauerland selbst. Wie stark ist die Kraft des Verdrängens?

Demonstrativ im Abseits

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Loveparade und OB-Abwahl

Artikel, Fotos, Videos und ausgewählte Beiträge zur Loveparade in Duisburg und den Folgen – etwa zur Abwahl von Adolf Sauerland als OB und dem politischen Neuanfang in Duisburg – finden Sie auf unseren fünf Spezialseiten.

Trauerfeiern muss er schon aus Selbstschutz meiden, in der Öffentlichkeit sieht man ihn wochenlang nicht. Wie kann Adolf Sauerland Duisburg repräsentieren? Die Stadt müsse den aufrechten Gang wieder lernen, sagt er – aber geht das noch mit einem , fragen sich viele.

Einsam ist er, und auch das Bild vom traurigen Mann unter dem Regenschirm wird dank seiner Symbolkraft bundesweit gedruckt: Bei der Aufführung von Gustav Mahlers „Sinfonie der Tausend“ im Duisburger Landschaftspark sieht es so aus, als ließen ihn Christian Wulff und Hannelore Kraft demonstrativ im Abseits stehen. Heimatlos in der Heimat.

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der 56-Jährige so etwas Ähnliches wie einen Entschuldigungsversuch hervorpresst. Da ist es längst zu spät für Adolf Sauerland.

Was ihm leid tut, interessiert niemanden mehr.

Frank Preuß

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Kommentare
13.02.2012
17:24
Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen
von iller | #15

Nun kann man wieder sagen das man aus Duisburg kommt.
Ich trauere mit den Opfern und bin stolz auf die Bürger die AS abgewählt haben.
Ein ehemaliger Duisserner.

13.02.2012
16:48
Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen
von Harry.Hirsch | #14

Also, ich hätte niemals gedacht, das man sich für jemanden mehr schämen muss als für mich. Ich schaffe es ja schon sehr sehr gut mich daneben zu benehmen und kein Fettnäpfen auszulassen. Auch dann nicht, wenn es voll versteckt ist und 20 Warnschilder drauf hinweisen.

Aber seitdem ich den Addi sehe/gesehen habe, weiß ich, das noch mehr geht. Ich bin nicht allein. Und eigentlich garnicht so schlimm. Das gibt mir wirklich sehr sehr viel!
DANKE, ADOLF SAUERLAND!

Was bleibt?
Ich glaube es bleibt eine Person, die weiß, das sie nicht allein ist, es bleiben 21 Tote und über 500 Verletzte, eine Stadt die sich aus der Starre freigeschlagen hat, es bleiben Wunden die jetzt endlich die Chance auf Heilung haben und vor allem bleiben 2 Sätze die mit Duisburg immer Verbunden bleiben werden:
Der Erste: Ich habe nix Unterschrieben!
Der Zweite: Gott Schütze Duisburg!

Der hat bis zum Schluß nix gemerkt und es nicht ausgelassen mit seinem letzten Satz als OB vor Presse den Opfern der LP nochmal richtig in die Fresse zu haun!

Ich hoffe ihr da draußen habt gemerkt, das wir hier in Duisburg nicht alle so .....sind!

13.02.2012
13:48
Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen
von KamSahSiegteTraurig | #13

Nach Sauerland, ist vor Wulff?

Wie auch immer, die Bürger der Stadt Duisburg haben entschieden und für die 21 ist nun endlich ein politisches Mahnmal gesetzt worden, nämlich grundsätzlich verantwortungsbewußt mit wirtschaftlichen Zielen umzugehen. Die offene Schuld bei Herrn Schaller können nur seine Kunden schließen, indem sie aufhören seine Kunden zu sein. Vielmehr muss eine Grundlage geschaffen werden, dass unsere Jugend weiterhin ihre Jugend genießen kann.

Mögen die 21 jetzt in Frieden ruhen und die Bürger in Duisburg wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, was ohne einen anerkannten OB kaum umsetztbar ist.

Die Trauer, die die Anhänger von A.S. nun erleiden, steht in keinem Verhältnis der Angehörigen der 21.

13.02.2012
13:46
Blockierter Kommentar.
von Bernd1959 | #12

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

13.02.2012
13:40
Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen
von thorgo | #11

So der eine ist weg, jetzt muss nur noch sein Kumpel, der Herr Mahlberg weg. Der ja seiner Zeit den Herrn Cebin in den Ruhestand geschickt hat. Die Gründe dafür sollten ja allen geläufig sein.

13.02.2012
12:50
Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen
von justness | #10

@AlpenEuro

Zitat
von AlpenEuro | #8

"Selbst der Bundespräsident legt ihm den Abgang nahe, vergeblich,..."
Zitat Ende

Das ist - wie wir in der jüngsten Vergangenheit gesehen haben - nicht unbedingt ein Maßstab! ;)

13.02.2012
12:46
Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen
von DirkDu | #9

Das AS geschockt, erschrocken und durchaus fühlend reagieren kann, hat er gestern Abend eindrucksvoll bewiesen: Als es um seinen eigenen Hintern ging und er vor der Presse eine Erklärung abgegeben hatte, rang er teilweise sogar mit der Stimme. Dieses Verhalten hätte man sich im Juli 2010 gewünscht. Vielleicht wäre dann vieles "einfacher" geworden und es wäre längst nicht so weit gekommen. Bestätigt mich aber nur in dem, was ich von AS halte.

13.02.2012
12:36
Nanananananananaanananana......
von AlpenEuro | #8

"Selbst der Bundespräsident legt ihm den Abgang nahe, vergeblich,..."

Ihr habt ja hier mit einigen Dingen sicherlich recht, aber man muss an manchen Stellen auch mal das eine oder andere hinterfragen. Dass AS am Abend des Unglücks den Opfern da Schuld zugewiesen hat lag schlichtweg daran, dass man ihm das so zugetragen hat. Er selbst war ja nicht im Tunnel, die Einsatzkräfte haben ihm das so gesteckt.

Das wirft natürlich ein blödes Licht auf ihn, aber vielleicht sollte man sowas ein wenig genauer bei der Meinungsbildung mit einfließen lassen.

Ansonsten stimmt es natürlich, er hat ja auch selber nie bestritten, dass er sich da falsch verhalten hat.

1 Antwort
Er selbst war ja nicht im Tunnel
von eiwoisserden | #8-1


NEIN " ER " war auf seinem " FELDHERRNHÜGEL "
im hoist-haus
und bewunderte " SEINE " gelungene Party ( siehe rote NASE )

die Einsatzkräfte haben ihm das so gesteckt.

waren sie dabei?

13.02.2012
12:06
Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen
von NeuFrankfurterin | #7

Glückwünsche nach Duisburg, meiner alten Heimat!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Habt Ihr toll gemacht.
Daß dieser unsägliche OB weg ist, tut vor allem den Hinterbliebenen gut.

2 Antworten
Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen
von altefrauik | #7-1

ich schließe mich der NeuFrankfurterin an. Auch ich wohne nicht mehr in Duisburg, bin aber froh, dass diese leidige Angelegenheit mit Hr. Sauerland endlich ausgestanden ist und dass mit diesem Superergebnis.

Adolf Sauerland - Vom Macher zum Getriebenen
von Kegeltour | #7-2

Sauerland hat aber nicht alles falsch gemacht, sonst würde Duisburg nicht so dastehen.Die Fehler gemacht haben reiben sich jetzt die Hände. Man müsste auch gegen die ein Bürgerbegehren machen

13.02.2012
11:55
Duisburgs Bürger
von meigustu | #6

haben der Welt das menschliche Gesicht der Ruhr gezeigt.

Selbstverständlich eigentlich aber trotzdem danke dass das so klar geworden ist,

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