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Ostern

Firma in NRW kocht und färbt 600.000 Eier – täglich

27.03.2016 | 08:00 Uhr
Firma in NRW kocht und färbt 600.000 Eier – täglich
Diese Maschine färbt die Eier bunt.Foto: Jakob Studnar

Breckerfeld.  Udo Baumeister ist einer der größten Produzenten bunter Eier im Land. Sein Vater erfand 1973 in Breckerfeld die wohl erste Eierfärbemaschine der Welt.

Früher, als er ein Junge war, hat Udo Baumeister zu Ostern Eier noch per Hand bemalt. Früher, als der Vater gerade den Hühnerstall auf 100 Tiere aufgestockt hatte und die Oma sich sorgte: „Wer soll all die Eier essen?“ Heute lässt Baumeister malen. Bis zu 600.000 Stück. Am Tag. Das macht seinen Betrieb in Breckerfeld zu einem der größten in Deutschland.

Udo Baumeister zählt zu den größten Eierfärbern im Land. Foto: Jakob Studnar

Natürlich ist Ostern Hochsaison. Aber der ganz große Druck ist vorbei. „Die Ware steht in den Geschäften“, sagt Udo Baumeister, als er am Morgen durch die fast leeren Lagerräume schlendert. Manchmal ist sie dort aber offenbar schon wieder weg. Er brauche noch „mal eben“ 30.000 Eier, sagt ein Anrufer aus Bayern. Ein Fahrer sei zufällig in der Nähe, würde dann „gleich“ vorbei kommen. Baumeister überlegt kurz. „Kriegen wir hin“, verspricht er. Sofort ruft er beim Vertrieb an, erklärt die Lage: „Ich hab mal gesagt, wir kriegen das hin. Kriegen wir doch, oder?“ Dann sitzt er an seinem Schreibtisch, zieht die warme Outdoor-Jacke aber gar nicht erst aus, weil er ja gleich wieder los will, um mal alles zu zeigen. Doch dann verplaudert man sich. Weil man ja mal hören muss wie das alles angefangen hat im Jahr 1973. Als sein Vater und ein befreundeter Maschinenbauer die nach ihrer Einschätzung erste Eierfärbemaschine der Welt gebaut hatten, nun aber nicht so recht wussten, was sie damit anfangen sollten. „Wir hatten ein Produkt für das es keinen Markt gab.“

Die Farbe versiegelt die Poren

Also haben sie einen geschaffen, haben mit dem Kaufhof in Hagen verhandelt und die große Maschine dann per Tieflader vor das Kaufhaus gefahren. Bisschen Stroh drum herum, ein paar Hühner dazu „und dann ging es los“. 300 Kartons haben sie in der Saison 1973 verkauft – überwiegend mit den kleineren Eiern, die unbemalt niemand haben will. „300 Kartons, dafür brauchen wir heute keinen Tag mehr“, sagt Baumeister.

Dann geht es aber doch in die Halle. Dort wo die Maschinen stehen und die anfangs rohen Eier in ihren Paletten liegen. Meist strahlend weiß, manchmal auch in braun. Wobei braun – weil dunkler – schwieriger zu bemalen ist. Es sei denn, die SPD hat mal wieder ei­nen Auftrag abgegeben: „Da ergeben die braunen Eier ein schön sattes Rot“, erklärt der 65-Jährige.

Bevor es aber ans Färben geht, wird gekocht – quasi am laufenden Band. Sechs Minuten geht es durch nur 60 Grad warmen Wasserdampf, die anderen sechs Minuten durch ein 92 Grad heißes Wasserbad. Dann sind die Eier, wie sie sein sollen. Nicht zu hart, nicht zu weich. Für die Eier, die das überstehen – und das sind die meisten – kommt dann endlich Farbe ins Spiel. Entweder sie kullern über sich drehende, mit Farbe getränkte Stäbe und erhalten so die typische Marmorierung oder sie werden – ähnlich wie in einer vollautomatischen Autolackiererei – einzeln an speziellen Farbdüsen vorbeigeführt. Beides hat übrigens einen wichtigen Nebeneffekt. „Die Farbe versiegelt die durch das Kochen geöffneten Poren der Eier und macht sie so länger haltbar“, erklärt Baumeister. „Wenn sie zu Hause mit Wasserfarbe malen, klappt das nicht.“

Zum Trocknen und abkühlen gehen die Eier dann in ein Gerät, das sie „Paternoster“ nennen bei den Baumeisters. In Reihen fahren sie in einem großen Glaskasten in Wellen immer wieder auf und ab, bevor flinke Hände oder Roboterarme sie verpacken und Lkw sie zu den Kunden bringen. „Bayern“, sagt ein Mitarbeiter kurz nach Mittag, „ist fertig.“ Baumeister nickt. Hingekriegt.

Sonderauflage in schwarz-rot-gold

Gefärbt wird mittlerweile auch nach Ostern, in kleinerem Umfang. Standardmarmorierung „für alle, die keine Lust haben, sich selbst ein Ei zu kochen“, Sonderauflage in schwarz-rot-gold zum großen Fußballturnier, oder kleine Auflagen als Werbeträger nach Kundenwünschen. Logo und Beschriftung sind mithilfe der Lackierdüsen kein Problem, größere Bilder allerdings bisher nicht möglich. „Da müssen wir die Farbe so dick auftragen, dass sie nicht schnell genug trocknet“, erklärt der gelernte Geflügelzüchter. „Aber wir arbeiten daran.“

Bleibt nur noch zu klären, wie Baumeister zu seinem eigenen Produkt steht. Er lächelt. „Ich esse immer noch gerne Eier“, sagt er dann. „Jeden Tag ein paar.“

Andreas Böhme

Kommentare
28.03.2016
08:52
Firma in NRW kocht und färbt 600.000 Eier – täglich
von Elli1940 | #3

Ja wo is er denn,wo is er denn,der kleine Veganer der uns mitteilen wird das man Eier nicht isst.Oder gar Honig von versklavten Bienen.

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2016-03-27 08:00
Rhein und Ruhr