Zahl der fettleibigen Kinder nimmt zu

Was wir bereits wissen
Jedes vierte Kind in Deutschland ist von Adipositas, Allergien und ADHS betroffen. Im Ruhrgebiet läuft nun eine Pilotstudie an, die neue Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten liefern soll.

Bochum..  Fettleibigkeit, Allergien und ADHS, besser bekannt als „Zappelphilipp-Syndrom“: Laut einer aktuellen Langzeitstudie des Robert-Koch-Instituts ist ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland von mindestens einer dieser Erkrankungen betroffen. Der Trend ist verheerend: In den vergangenen 30 Jahren habe sich die Zahl der Patienten verdreifacht. Im Ruhrgebiet startet dazu nun eine Pilotstudie mit 600 Patienten zwischen 6 und 12 Jahren: „NIKI“ („Neue Volkserkrankungen im Kindes- und Jugendalter“).

Gefördert wird das über drei Jahre laufende Projekt mit 1,5 Millionen Euro vom NRW-Wissenschaftsministerium. Beteiligt sind neben der Universitätsklinik Hamm und dem St. Josef Hospital Bochum auch das LVR Klinikum Essen sowie die Kinder- und Jugendklinik Datteln.

„Trotz des demografischen Wandels sollten wir die Kindergesundheit nicht aus den Augen verlieren – für eine zukünftig starke Gesellschaft“, appelliert Wissenschaftsministerin Svenja Schulte (SPD). Bei der Untersuchung soll über die Fachgrenzen von Ernährungsmedizin, Allergologie und Psychiatrie hinweg gearbeitet werden.

Auch Schlaf und Ernährung im Fokus

„Wir haben im Vorfeld beobachtet, dass Kinder mit ADHS häufig auch adipös sind. Diesen Zusammenhang gilt es zu verstehen und darauf aufbauend, bessere Therapiemöglichkeiten zu entwickeln“, erklärt die Studienleiterin Prof. Tanja Legenbauer. Dabei werden Verhaltensgewohnheiten, insbesondere Schlaf und Ernährung, aber auch sozialer Status und genetische Faktoren untersucht.

Für Prof. Eckard Hamelmann, Leiter der Bethel-Kinderklinik in Bielefeld, bietet „NIKI“ eine große Chance: „Wir hoffen, dass die Methodik später auch auf andere Krankheitsbilder anwendbar wird.“ Und dass man mit den gewonnenen Erkenntnissen den Betroffenen helfen kann, sich selbst zu helfen – statt ihnen Medikamente zu geben.