Wo die meisten Millionäre in Nordrhein-Westfalen leben

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Essen.. Wo leben die meisten Millionäre? Zwei Gemeinden in Nordrhein-Westfalen wechseln sich alle paar Jahre auf dem Spitzenplatz der komfortablen und glamourösen Rangliste ab: In beiden Kommunen wohnt, gemessen an der Einwohnerzahl, die landesweit höchste Zahl dieser Spitzenverdiener. 70 sind es im knapp 55.000 Einwohner großen rheinischen Meerbusch bei Düsseldorf, 14 im mit 11. 000 Einwohnern starken Schalksmühle im Märkischen Kreis. Bald, nämlich in einem halben Jahr im Juni 2017, will das Statistische Landesamt das neue Ranking vorlegen.

Zahl der Millionäre steigt rasant

Herdecke, Haan oder auch Neuenrade, nicht ohne Zufall kleine, schön gelegene Ortschaften, werden neben dem Top-Duo wohl wieder ganz vorne dabei sein. Dennoch kann es spannend werden. Die Wirtschaftsentwicklung mischt gerade die Karten neu. Der grassierende Immobilienboom macht viele Menschen schnell reicher. Die Zahl der Millionäre in Deutschland steigt rasant, hat der Global Wealth Report der Schweizer Großbank Credit Suisse Bank erst in dieser Woche errechnet.

3724 Millionäre weist NRW schon nach der gültigen Statistik auf. Das sind 2,1 pro 10 .000 Einwohner. Doch: Wo sind Millionäre und Milliardäre sonst noch über das bevölkerungsreichste Bundesland verteilt? Und was bringt das den kommunalen Kassen?

Einkommensteuer kommt zum größten Teil beim Land an

Jörg Schönenberg ist Bürgermeister im sauerländischen Schalksmühle. Er kennt solche Fragen. Nur: Er kennt, wie die Kollegen in den anderen Rathäusern, seine Millionäre nicht. „Ich kann manchmal nur mutmaßen“, sagt er – klar, warum: Das Steuergeheimnis steht dem entgegen, „und nicht jeder Geschäftsführer einer gut gehenden Firma ist auch Millionär.“

Weil es Kappungsgrenzen bei der Einkommensteuer gibt, die Gemeinde also den größten Batzen an das Land abgeben muss, ist er auch bei der Beantwortung der zweiten Frage zurückhaltend: „Wir haben eigentlich nichts davon.“ Was nicht heißt, dass Schönenberg über den guten Betriebe-Mix der Gemeinde traurig wäre. Die Metall- und die Automotive-Branche, vor allem aber die örtlichen Elektronik-Hersteller spülen viel Gewerbesteuer in die lokale Kasse. „Aber wir sind eine ganz normale Gemeinde“, mit den Problemen einer normalen Kommune, auch mit Sozialhilfeempfängern, versichert er. Und berichtet, Schalksmühle gehe bei den Ausgaben durchaus auch mal an die gemeindeeigenen Vermögenssubstanz.

Duisburg liegt am Ende der Millionärs-Rangfolge

An die gemeindeeigenen Vermögenssubstanz gehen – das tut Duisburg ganz bestimmt. Die 480. 000-Einwohner-Großstadt an der Ruhrmündung steht – noch hinter Gelsenkirchen, Bottrop oder Herne – auf Platz 229 der derzeitigen Millionärs-Rangfolge. Und damit am anderen Ende. Gerade 15 Menschen mit einem Vermögen von über einer Million Euro leben hier.

Wer da Super-Reiche der Kategorie Trump vermutet, liegt falsch. Der unmittelbare Nachbar im Süden, die Landeshauptstadt Düsseldorf, kann immerhin 311 der Einkommensmillionäre aufweisen. Platz 16 ist das im Land. Köln hat nochmal 19 der Spitzenverdiener mehr. Essen und das viel kleinere Mülheim/Ruhr liegen mit 121 und 40 Millionenverdienern auf einem Mittelplatz. Dortmund (86) und Hagen (29) schneiden schlechter ab.

Warum es weder Zahlen noch Namen von Milliardären in NRW gibt

Was auffällt: Oberhausen ist in der gültigen Rangfolge von 2014, die wegen der komplizierten Steuererklärungen den Stand von 2010 berücksichtigen muss, gar nicht vertreten. „Manchmal“, sagt Kirsten Bohne von IT NRW, dem Statistik-Amt des Landes, „halten wir auch Werte zurück“. Der Grund der Geheimhaltung: Ist die Zahl der Einkommensmillionäre so niedrig, dass diese Steuerzahler zu identifizieren wären, verbietet das Steuergeheimnis die Nennung. Deshalb gibt es übrigens weder Zahlen noch Namen über die Milliardäre in NRW.

Nur manchmal kommen sie an die Öffentlichkeit – zum Beispiel, wenn das „Manager-Magazin“ die Liste der 300 reichsten Deutschen veröffentlicht. Dann ermittelt auch die Düsseldorfer Szene daraus das Ranking ihrer Super-Reichen. Die vorderen Plätze gehören Heinrich Weis von der SMS Holding und den Henkels, den Metro-Eignern Beisheim und Kellerhals oder auch unbekannteren wie Walter Droege. Der Mann berät Firmen in mehr als 30 Ländern, beschäftigt 60.000 Mitarbeiter.

Ganz unter sich bleibt am liebsten eine kleine Gruppe von Wohlhabenden, die nur durch Glück und Zufall ans Geld gekommen sind: Mit sechs Richtigen. 2014 war ein Jahr, in dem es in NRW solche Treffer hagelte: Jeden Monat im Schnitt zwei NRW-Lottomillionäre mehr. Und Oberhausen – diesmal Glückwunsch – schaffte dabei den Ruf als „glücklichste (Lotto-)Stadt in NRW“. Rund zehn Treffer über 100. 000 Euro Gewinn landeten an der Emscher. Immerhin: ein kleiner Ausgleich.