Weg von der „Minutenzählerei“

Was wir bereits wissen
Seit Januar dieses Jahres sind die Leistungen für Pflegebedürftige in Deutschland gestiegen. Mit dem „Pflegestärkungsgesetz 1“ schrieb der Gesetzgeber eine Anhebung der Leistungen für die ambulante Pflege um 1,4 Milliarden Euro, in der stationären Pflege um etwa eine Milliarde fest. Für die Betroffenen trotzdem oft nur ein kleiner Unterschied:

Ruhrgebiet..  Seit Januar dieses Jahres sind die Leistungen für Pflegebedürftige in Deutschland gestiegen. Mit dem „Pflegestärkungsgesetz 1“ schrieb der Gesetzgeber eine Anhebung der Leistungen für die ambulante Pflege um 1,4 Milliarden Euro, in der stationären Pflege um etwa eine Milliarde fest. Für die Betroffenen trotzdem oft nur ein kleiner Unterschied:

Wenn etwa Angehörige selbst pflegen, beträgt das monatliche Plus höchstens 28 Euro. In der häuslichen Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst werden in der Pflegestufe III 62 Euro mehr gezahlt (s. Tabelle). Wer Pflegestufe I hat, aber vollstationär betreut wird, bekommt 41 Euro mehr. Errechnet wird das alles aufgrund einer Empfehlung des Medizinischen Dienstes (MDK). Dessen Gutachter rechnen den Pflegebedarf in Minuten zusammen. Ein Toilettengang dauert danach zweimal drei Minuten, plus „Richten der Bekleidung“, macht sieben Minuten.

Von dieser „Minutenzählerei“, wie selbst die Gutachterin Tanja Caspers vom MDK Nordrhein sagt, will nun auch der Gesetzgeber weg: Mit dem „Pflegestärkungsgesetz 2“ soll 2017 ein „Neues Begutachtungs-Assessment (NBA)“ kommen. Die Wortungetüme bleiben, dafür ändert sich das Bewertungssystem. Das orientiert sich nicht mehr an der Zeit, die körperliche Pflege in Anspruch nimmt, sondern an den noch vorhandenen Fähigkeiten des Menschen, dem Maß seiner Selbstständigkeit. Was heute „Pflegestufe“ ist, sind dann „Bedarfsgrade“, und die umfassen auch soziale und kulturelle Bedürfnisse. „Liebevolle Betreuung“, sagt Caspers, „ist manchmal eben wichtiger als dreimal Waschen.“