Was die Sonnen-Fahne aus dem Schalke-Block bedeutet

Wenn Mazedonier die 16-strahlige „Sonne von Vergina“ auf rotem Grund zeigen, wird dies von manchen Griechen als Provokation empfunden.
Wenn Mazedonier die 16-strahlige „Sonne von Vergina“ auf rotem Grund zeigen, wird dies von manchen Griechen als Provokation empfunden.
Foto: firo
Was wir bereits wissen
Zwischen Mazedonien und Griechenland herrscht Eiszeit. Die beiden Länder streiten um Flagge und Landesnamen. Die mazedonische Sonnen-Fahne, die Fans des FC Schalke 04 am Mittwoch im Stadion gezeigt hatten, kann griechische Zuschauer provozieren. Es geht um mehr als die Rivalität zwischen Fußballvereinen.

Gelsenkirchen.. Mit der Sonnen-Fahne aus Skopje haben die Gelsenkirchener Fans – wohl ohne die mögliche Tragweite zu erahnen – in ein Wespennest gestochen. Es geht um weit mehr als die Rivalität zwischen Fußballvereinen aus Skopje und Saloniki. Das Zeigen dieses Symbols ist kein sportliches, sondern ein historisch-politisches Statement. Wenn Mazedonier die 16-strahlige „Sonne von Vergina“ auf rotem Grund zeigen, dann wird dies von manchen Griechen als Provokation empfunden. Denn sie beanspruchen dieses Symbol, das bis in das Zeitalter Alexanders des Großen zurückweist, für sich selbst. Durch griechische Intervention wurde diese Sonne Mitte der 90er-Jahre von der Fahne der jungen „Republik Mazedonien“ verbannt – und durch eine stilisierte 8-strahlige Sonne ersetzt. Ebenfalls auf griechischen Druck wird die „Republik Mazedonien“ in der EU nur „Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien“ genannt.

Namens-Streit seit über 20 Jahren

Mazedonien ist klein, politisch fragil und von ethnischen Konflikten zerrissen. Dennoch beobachtet das große Griechenland misstrauisch das Geschehen dort. „Der Namens-Streit zwischen Athen und Skopje dauert seit über 20 Jahren an. Es geht um Identitätsprobleme, die noch verschärft werden durch die komplizierte wirtschaftliche Situation in den beiden Ländern“, urteilt der Balkan-Experte Dušan Reljić von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Das antike Mazedonien reichte ins heutige Nordgriechenland und nach Bulgarien hinein. Einige Griechen interpretieren das Aufstellen neuer Alexander-Denkmäler und den Bau von Häusern im antiken Stil in Skopje als Ausdruck territorialer Ansprüche. Das Misstrauen in der Region ist groß, sagen Beobachter. Aggressive nationale Töne werden immer lauter.