Warum Eltern auf Maserimpfung verzichten

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Dortmund.. Es gibt Reiswaffeln mit Rübenkraut, wenn’s was Süßes sein muss. Jacob wächst gesund auf. Er ist ein goldiger Junge von vier Jahren. Seine Beinchen sind in unbehandelter Natur-Seide kräftig geworden. Seine Eltern kommen von der Uni, haben gute Jobs und sind der Meinung, dass Krankheiten zum Leben dazu gehören. Daher ist Jacob auch nicht gegen Masern geimpft. ,,Wir finden, so wenig Chemie wie möglich, ist richtig“, sagt seine Mutter, die ihren Namen im Interesse ihres Sohnes nicht nennen möchte. Denn der Druck auf die impfkritischen Eltern und deren Kinder wird größer.

,,In der Schule kannst du es vergessen. Dann gibst du das Impfbuch beim Lehrer ab und stehst sofort am Pranger“, bestätigt eine Kinderärztin, die ebenfalls anonym bleiben möchte. Als sie zum ersten Elternsprechtag ihres Sohnes in der Grundschule erschien, platzte es augenblicklich aus der Lehrerin heraus.

Kommentar Ob sie – die Kinderärztin – eigentlich wisse, dass sie fahrlässig handele? Sie möge sich doch bitte mal von einem richtigen Arzt aufklären lassen über das Risiko des Nichtimpfens. Die Mütter – beide in Dortmund lebend – überlegen, ihre Söhne vor Schuleintritt gegen Masern impfen lassen: ,,Dieses Gehetze ist unerträglich. Pure Hysterie“.

Bald eine Wohlstandserkrankung?

Die genannten Mütter, die ihren Kindern den MMR-Schutz (Mumps, Masern, Röteln) nicht spritzen ließen, gehören zu den typischen Mittelschichtseltern. Also solchen Eltern, die sich gerne mit Büchern umgeben, ausgewähltes Holzspielzeug bevorzugen und auf dem Spielplatz Vorratsdosen mit Gemüsesticks parat halten. Die Masern, die nach dem Plan der Weltgesundheitsorganisation bis 2020 ausgerottet sein sollten, sind in Industrieländern wie Deutschland dabei, zur Wohlstandserkrankung zu werden.

Nicht selten stehen Waldorfschulen im Fokus der Epidemien. Dort kam es 2010 in Essen und Berlin, 2011 in Offenburg oder 2013 in Erfstadt bei Köln zu Ausbrüchen. Ein hoher Sozialstatus geht mit einer niedrigen Durchimpfungsrate einher, das sagt unter anderem die Jugendstadträtin des Berliner Stadtbezirks Prenzlauer Berg, in dem die Masern-Infektion im März einen Höchststand mit rund 800 Infizierten erreichte.

Masern Das bestätigen auch Ärzte in den USA, wo derzeit ebenfalls die Masern grassieren. ,,Hoch gebildet, weiß und einem natürlichen Lebensstil zugetan“, so beschreibt die Fachzeitschrift Pediatrics den typischen Impfskeptiker.

Zu den Impfskeptikern im Ruhrgebiet gehört der Dortmunder Kinderarzt Peter Fischer-Wasels. ,,Ich impfe, aber ich stelle auch mögliche Folgen von Impfungen dar.“ In Geburtshäusern hält er Vorträge darüber. ,,Es kann durch Masern zu Behinderungen und selten zu Todesfällen kommen.“ Er weist darauf hin, dass das Kind, das in Berlin an Masern gestorben ist, einen schweren Herzfehler hatte. ,,Es ist nicht redlich, den Herzfehler zu verschweigen und zu sagen, dass Kind sei an Masern gestorben.“ Denn der Herzfehler allein hätte schon zum Tode führen können.

„Beides kann gefährlich sein“

Peter Fischer-Wasels hat in seiner Klinikzeit drei Kinder betreut, die eine Behinderung nach einer Masern-Impfung bekommen haben. „Es gibt auch Veröffentlichungen über Kinder, die nach einer Masern-Impfung SSPE erlitten haben. Also jene Form von Hirnhaut-Entzündung, die nach Jahren immer tödlich endet.“ Das vorläufige Fazit des Mediziniers lautet daher: Die Masernerkrankung könne gefährlich sein und die Masernimpfung könne gefährlich sein. Noch gebe es keine saubere Statistik, die zeige, was häufiger vorkomme. Wichtig ist es für den Mediziner, genauer hinzusehen, wenn es ums Impfen geht.

„Das Problem sind ja wohl Metalle“

Was für ein Kind ist es? Wie lebt es? Welche Risiken hat es? Nur dann könne er individuell beraten und sehen, ob und wann welche Impfungen für dieses Kind sinnvoll sein können.

Ganz allgemein, so Fischer-Wasels, könne man sagen, dass die Masern im ersten Lebensjahr gefährlicher sind und dann wieder ab der Pubertät und im Erwachsenenalter. Im typischen Kleinkind- und Kindesalter werde ein „normales“ Kind mit den Masern gut fertig.

Medizin Diese Kenntnis hat auch eine Dortmunder Erzieherin. Die Mutter von zwei Kindern hat sich bewusst gegen die MMR-Impfung entschieden. ,,Wir wollten, dass die Jungs ein eigenes Immunsystem aufbauen, bevor sie dieses schwere Impfe bekommen.“ Das Problem seien ja wohl die Metalle, die den Kindern mit der Impfung zugeführt würden. „Schwermetalle sind natürlich meistens da ein Problem, wo sie nicht hingehören: im menschlichen Organismus. Aber auch das Leichtmetall Aluminium ist gerade in Impfstoffen ein häufiges Problem“, sagt Kinderarzt Fischer-Wasels.

Impfkritische Eltern haben häufig ein Problem mit ihrer eigenen Haltung. So wie eine IT-Managerin, die sagt: „Natürlich denkst du, was machst du, wenn dein Kind sich ansteckt? Das würdest du nicht überstehen.“