Unfälle, Streit, Schäden - Bottroper Skipiste in Schieflage

Das Alpincenter in Bottrop.
Foto: Volker Hartmann/FUNKE Foto Services
Das Alpincenter in Bottrop. Foto: Volker Hartmann/FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Standsicherheit des Alpincenters Bottrop war 2011 schon einmal gefährdet. Es ging damals um Millimeter. Diesmal sollen Aufschüttungen helfen.

Bottrop.. Als der Skistar und Geschäftsführer Marc Girardelli am 7. Januar 2001 mit geradezu österreichischem Charme das Alpincenter eröffnete, wähnten sich andere Anwesende leider auf einer Baustelle gestrandet. Kabelschlaufen hingen von den Decken, es ging über Behelfstreppen, der Notausgang war vereist – Skifahrer aber fanden ihren Spaß. In der Zeitung stand am nächsten Tag all das unter der Überschrift: „Ski und Rodel gut, der Rest wird noch“. Nur ein wenig zugespitzt gilt das 14 Jahre später noch genauso.

Die Baumängel sind natürlich längst beseitigt, doch über die Jahre lieferte die weiße Pracht zuverlässig schwarze Schlagzeilen: über Unfälle und den Austritt von Ammoniak, über Schäden durch Feuchtigkeit und Streit um Ausbauten. Akut um ein Windrad, das die Betreiber der künstlichen Skipiste wegen des hohen Energieverbrauchs gern bauen würden.

Standsicherheit der Halle schon einmal in Gefahr

Doch seit der drohenden Insolvenz 2004 – Girardelli geht, van der Valk kommt – war nichts mehr so existenzbedrohend wie die real existierende Schieflage jetzt: Die Nordseite der Halde ist in Bewegung, die Halle darauf wandert und verformt sich. Darum soll jetzt Boden angeschüttet werden, um die Halde zu beruhigen.

Skihalle Sie war über zehn Jahre lang in regelmäßigen Abständen vermessen worden, doch „wir fangen bei Null an“, sagt Geschäftsleiter Harold van Kranen am Freitag. Die Dokumentation aus der Bergbauzeit habe sich als „unvollständig und fehlerhaft“ erwiesen. Beim Kauf 1998 sei „vom Bergbau“ versichert worden, die Halde sei mit „homogenem Steinmaterial“ aufgeschüttet worden. Das sei aber nicht der Fall. Bottrops Technischer Beigeordneter Norbert Höving hatte schon vor drei Jahren von „nicht sauber geprüfter Bebaubarkeit“ gesprochen.

Denn da war die Standsicherheit der Halle bereits einmal in Gefahr. Die Messungen hatten an einem Punkt der Stützen eine Schiefstellung von 19,2 Zentimetern ergeben. Nachmessungen kamen an anderen Stellen sogar auf 19,7 Zentimeter – ganze drei Millimeter trennten die Halle da noch von dem damals noch geltenden Grenzwert 20 Zentimeter, von der Schließung also. Mit Tonnen von Beton wurden die Stützen eingefangen. „Das hat uns Zeit gebracht“, sagt van Kranen.

Nichts für Villenviertel mit Panoramablick

Natürlich sind Halden immer ein wenig eigen, was die Bebauung angeht. Bevor etwa die zwei 200 Meter hohen Windräder auf der Halde Brinkfortsheide in Marl aufgestellt werden konnten, musste der Baugrund mit 440 sogenannten „Rüttelstopfsäulen“ verdichtet werden. Jede reicht 20 Meter in den Grund.

Die Windräder selbst stehen auf je 700 Quadratmeter großen und drei Meter tiefen Stahlbetonfundamenten. Letztlich benötigt jedes Haldenbauwerk ein spezielles Fundament – ob „Tiger & Turtle“ in Duisburg oder die Grubenlampe in Moers. Was auch der Grund dafür ist, dass auf den „Ruhrbergen“ bislang keine Villenviertel mit Panoramablick entstanden sind.

Doch zurück noch mal nach Bottrop. Die Arbeiten, die Skihalle zu stabilisieren, sollen sich auf drei Abschnitte verteilen. Für die erste Etappe sind bereits Bäume gefällt und Grün gerodet worden, und die Stadtverwaltung stellt in Aussicht, das ganze Vorhaben auch bald zu genehmigen.

Der Rest wird noch.