Supermärkte unter Druck – weniger Lebensmittel für Tafeln

Bei der Tafel in Bottrop sollte die Ausgabe auf einmal wöchentlich reduziert werden. Ostern verhinderte das zunächst.
Bei der Tafel in Bottrop sollte die Ausgabe auf einmal wöchentlich reduziert werden. Ostern verhinderte das zunächst.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Supermärkte haben die Logistik verfeinert. Das merken auch Tafeln: Bei ihnen kommen weniger überschüssige Lebensmittel an. Tafeln suchen neue Quellen.

Ruhrgebiet.. Die Hinweistafeln waren schon aufgehängt, die Mitarbeiter informiert: Nach Ostern, so die bemerkenswert schlechte Nachricht, könne die Bottroper Tafel nur noch einmal wöchentlich Lebensmittel an Arme verteilen. Mangels Nachschub. Doch dann stellte sich der Geist von Ostern dazwischen: „Da haben wir so viel bekommen, dass wir das zurückstellen konnten“, sagt der Vorsitzende Dieter Kruse: „Für den Moment.“

Wie lange sie noch bei der zweimaligen Ausgabe bleiben können, steht nämlich dahin. Inzwischen klagen etliche Tafeln im Ruhrgebiet darüber, aus Supermärkten nicht mehr so viele überschüssige Lebensmittel zu bekommen wie früher. „Dabei wird es wohl auch langfristig bleiben“, sagt Jörg Sator, der Erste Vorsitzende der Essener Tafel.

Kalkulation verbessert, Ware verbilligt

Nach seiner Erfahrung werde „der wirtschaftliche Druck für Supermärkte immer größer. Daher kaufen sie heutzutage wesentlich genauer ein, kalkulieren so, dass so wenig wie möglich übrig bleibt.“

Tafel Ein zweiter Grund für die Lücken bei den Wohltätern: Geschäfte gehen zusehends dazu über, Ware kurz vor dem Ablauf der Mindesthaltbarkeit selbst billiger zu verkaufen, auch die Preise für Ware vom Vortag her-abzusetzen oder sie sogar zu verschenken – so kommen zum Beispiel Kinder an gute, nur leicht angebräunte Bananen, die niemand mehr kaufen würde.

Oft fehlen Jogurt, Quark, Butter, Käse und Fleisch

„Noch schaffen wir das. Soeben“, sagt Gisela Schmitz, die zweite Vorsitzende in Gladbeck. Mit der steigenden Zahl der Bedürftigen, darunter viele Flüchtlinge, halte der Nachschub nicht mehr mit. In Gladbeck und anderen Städten mangelt es jetzt auffällig oft an Jogurt, Butter, Käse, Quark, Fleisch. „Das ist bedeutend weniger geworden“, sagt Johanna Arnold in Neviges und spricht von „einem Jogurt pro Familie“. Und in Mülheim ist die Tafel dazu übergegangen, auch Lebensmittel zu verteilen, die einen Tag über ihre Mindesthaltbarkeit hinaus sind – das war bisher undenkbar.

Bedürftige Weniger Lebensmittel-Überschuss ist natürlich eine gute Nachricht, nur für die 164 Tafeln in NRW und ihre geschätzt 100.000 Kunden ist es eine schlechte. Der Landesvorsitzende Wolfgang Weilerswist ruft daher schon seit längerem dazu auf, „neue Märkte zu erschließen“. So hat er sich auch an Hersteller gewandt und bekommt inzwischen Lebensmittel etwa von Birkel, Dr. Oetker oder Coca Cola: „Die größte Einzelspende waren sechseinhalb Lastwagen Chips“, sagt der 64-Jährige.

Tafeln in Schieflage versuchten auch, weitere Supermärkte zu gewinnen: „Da ist längst noch nicht jeder angesprochen worden.“ Bei ihm in Mechernich aber schon, wo Weilerswist auch der stellvertretende Herr Bürgermeister ist: „Mir das abzuschlagen, fällt schon schwer.“