Stromausfall legt die Ruhr-Universität in Bochum lahm

Bochum.. Wegen eines umfassenden Stromausfalls herrschte gestern an der Ruhr-Universität mit ihren 42 700 Studierenden und 5800 Beschäftigten absoluter Ausnahmezustand. Die Panne ereilte die Hochschule gegen 14.20 Uhr und betraf sämtliche Gebäude: Licht fiel aus, Fahrstühle stellten den Dienst ein, Computer verabschiedeten sich, Vorlesungen wurden vorzeitig beendet. Eine Mitarbeiterin der Mensa sagte, sie arbeite seit den 90er-Jahren dort, aber das habe sie noch nie erlebt. Kein Mensch auf dem Campus wusste, warum der Strom ausfiel. Erst am Abend entdeckten die Stadtwerke die Ursache: ein Schaden im 30 000-Volt-Kabel am Opel-Werk I. Bis heute um sieben Uhr sollte es repariert sein.

Geschlossen war auch die Uni-Bibliothek. Eine Studentin aus Köln ärgerte sich, weil sie dort ihre Sachen in einem Schließfach deponiert hatte – und nicht mehr herankam. Eigentlich wollte sie mit einer Kommilitonin in Bochum lernen und dort übernachten. Daraus wurde nichts. Jura-Studentin Riem El-Chakif (20) traf es im Parkhaus: „Auf einmal wurde es dunkel.“

Betroffen waren auch die Geschäfte im „Campus Center“. Dort arbeitet Soleiman Mangal in einem Kiosk. Seine Getränke wurden kalt, und das Speiseis drohte zu schmelzen. Ein weiteres Problem: „Ich kann auch nicht zumachen, weil das Rollo elektrisch gesteuert wird.“ Wie er das Problem lösen wolle, wusste er am späten Nachmittag nicht. Kaufen konnte man bei ihm weiterhin, aber nur mit Bargeld, denn das Kartenbezahlsystem funktionierte nicht mehr. Das war auch in der Mensa ein Problem. Wer kein Bargeld hatte, bekam Zeugen zufolge zwar noch ein Essen, musste sich aber verpflichten, den Preis später nachzuzahlen.

Theologie-Studentin Laura Bar­tels erlebte den Stromausfall im NB-Gebäude. Sie saß in einem Sprachkurs für Latein. Plötzlich gab der Overhead-Projektor den Geist auf: „Danach wurde mit Tafel und Kreide weitergemacht.“

Die Uni richtete einen Krisenstab ein. Hausmeister wurden durch die Gebäude geschickt, um zu gucken, ob jemand in einer Notlage war. Das war aber wohl nicht der Fall, denn die Fahrstühle sollen automatisch bis ins Erdgeschoss gefahren sein und dann die Türen geöffnet haben. Zumindest bis zum Abend gab es in der Uni nur Notstrom für Notlichter und ähnlich wichtige Dinge.