Streit um Soldaten im Klassenzimmer

Die Bundeswehr spricht oftmals auch in Schulen. Foto: Hayrettin Özcan
Die Bundeswehr spricht oftmals auch in Schulen. Foto: Hayrettin Özcan
Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf.. Gehört das Militär in die Schule? Für Friedensaktivisten und einige Vertreter der politischen Linken ist diese Vorstellung unerträglich. Doch: Seit 2008 gibt es einen Kooperationsvertrag des Schulministeriums mit den Streitkräften.

Gehört das Militär in die Schule? Für Friedensaktivisten und einige Vertreter der politischen Linken ist diese Vorstellung unerträglich, für die Kindernothilfe gar ein „Verstoß gegen die Prinzipien der Kinderrechtskonvention“. Gestern stritten Freunde und Gegner der Bundeswehr im Landtag über den Kooperationsvertrag des Schulministeriums mit den Streitkräften. Den gibt es seit 2008; er war Vorlage für ähnliche Verträge in Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg.

Jugendoffiziere sollen Schülern Rede und Antwort stehen

Für die frühere NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) stand fest: Jugendoffiziere sind erwünscht in Klassenzimmern. Sie sollen den Schülern Rede und Antwort stehen zu Fragen der Sicherheits- und Friedenspolitik. Die Linke in NRW sieht darin eine ungerechtfertigte Bevorzugung der Bundeswehr.

Dem widersprachen gestern im Schulausschuss gleich zwei hochrangige Offiziere. Es gehe mitnichten darum, junge Leute fürs Militär zu begeistern, erklärten Ge­neralmajor Gerhard Stelz und General a.D. Karl-Heinz Lather, der frühere Stabschef des Nato-Hauptquartiers. „Wir betreiben in den Schulen keine Nachwuchswerbung. Das ist den Jugendoffizieren ausdrücklich verboten“, sagte Stelz. Etwa 35 000 Jungen und Mädchen hätten in den letzten Jahren Kontakt zu diesen Offizieren gehabt und deren „Friedenserziehung“ genossen.“

Keine Sonderrechte

Laut Karl-Heinz Lather müsse die Bundeswehr aber wegen des Wegfalls der Wehrpflicht künftig verstärkt um Nachwuchs werben: „Wir stehen jetzt mehr in Konkurrenz zu anderen Arbeitgebern.“

„Einseitig“ nennt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft das Abkommen mit der Bundeswehr. Schulen dürften nicht instrumentalisiert, die Zusammenarbeit müsse auf andere, nicht-militärische Partner ausgeweitet werden. „Dieser Vertrag ist die Abkehr von der Ausgewogenheit“, findet Norbert Müller von der GEW. Die Bundeswehr dürfe keine Sonderrechte haben.

Der Politikunterricht werde immer schlechter

Friedensaktivisten glauben, dass sich junge Menschen leicht von Uniformträgern beeinflussen ließen. „Und natürlich leisten die Jugendoffiziere auch Öffentlichkeitsarbeit“, glaubt Joachim Schramm von der Deutschen Friedensgesellschaft.

Eine Ansicht einte gestern übrigens geladene Experten und Abgeordnete: Der Politikunterricht werde seit Jahren in NRW immer schlechter, er sei ein Stiefkind im Schulbetrieb. Schüler wüssten viel zu wenig über Politik.

Die Landesschülervertretung, die seit Jahren gegen den Kooperationsvertrag mit der Bundeswehr kämpft, war erst gar nicht eingeladen worden.