Senioren leiden stärker an den Folgen

Ruhrgebiet..  Mit dem Verlust des Geldes ist der Schaden nicht zu Ende, den der Enkeltrick und andere Trickbetrügereien anrichten können. „Was diese Straftat mit älteren Menschen macht, kann einem Schauer über den Rücken jagen“, sagt Peter Elke, der Polizeisprecher im Präsidium Essen/Mülheim – in Mülheim liest man häufig von dem Trick, das liegt an der Altersstruktur, dort ist jeder dritte Einwohner älter als 60.

Manche Menschen über 80 „leben bis dahin selbstständig in ihrem Umfeld, kaufen ein, bekochen sich, pflegen sich“, sagt Elke. Doch wenn es zu der Tat kommt, „kann das völlig zusammenbrechen bei den Leuten selbst. Von Wildfremden überrumpelt, um Geld und Familienschmuck gebracht, sind sie nicht mehr in der Lage, so weiterzumachen.“ Ihr selbstbestimmtes Leben ist dann vorbei – auch in dieser Variante: „Die Angehörigen denken sich, Opa ist nicht mehr in der Lage, auf sich aufzupassen, und ziehen die Konsequenzen.“

Nach einer Studie des „Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen“ hätten Senioren keine größeren Befürchtungen als Jüngere, Opfer von Kriminalität zu werden – aber sie litten danach stärker. So hätten nur 4,6 Prozent der Menschen unter 60 Jahren nach einer Straftat „länger anhaltende Ängste“, aber 20,9 Prozent derjenigen, die 60 und älter sind. Sie seien besonders betroffen von „Betrug, Haustür-Trickdiebstahl, Taschendiebstahl und Handtaschendiebstahl“, aber weniger als Jugendliche oder junge Erwachsene von Gewalt.

Zuletzt waren es vor allem falsche Polizisten, die im Ruhrgebiet bösen Sinnes bei älteren Leuten schellten. Einem 88-Jährigen in Mülheim und einer 75-Jährigen in Essen machten sie kurz vor Ostern weiß, bei ihnen sei eingebrochen worden und sie kämen nun zur Spurensicherung. Doch was sie wirklich suchten, war das Geld der Leute: In beiden Fällen machten sie „große Beute“, so die Polizei. Und Peter Elke schrieb danach warnend in den Polizeibericht: „Morgen sind es vielleicht Wasserwerker, Zeitungsboten, Nachbarn, Müllwerker, Wohnungsinteressenten, Enkel oder Nichten oder vielleicht ganz jemand anders.“