„Schlecker-Frau“ eröffnet in alter Filiale eigene Drogerie

So sieht’s jetzt aus: Unternehmerin Manuela Stutzer (m.) mit ihrer ehemaligen Schlecker-Kollegin Renate Fassbender (re.) in ihrer Kölner Drogerie.
So sieht’s jetzt aus: Unternehmerin Manuela Stutzer (m.) mit ihrer ehemaligen Schlecker-Kollegin Renate Fassbender (re.) in ihrer Kölner Drogerie.
Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Neue Existenz nach vergeblicher Arbeitssuche: Die ehemalige Schlecker-Filialleiterin Manuela Stutzer hat im Kölner Stadtteil Esch ihre eigene Drogerie in einem der geschlossenen Läden eröffnet. "Ich weiß, was die Leute wünschen, was sie nachfragen", sagt sie.

Köln.. Sie hat es gewagt. Sie hat sich nicht klein kriegen lassen von ihrer Kündigung zum 1. April, nicht von den deprimierenden Gängen zum Arbeitsamt, nicht davon, dass sie auf ihre Bewerbungsschreiben so gut wie nie eine Antwort erhielt. Sie ist die Schlecker-Frau, die sich was traut. Im kleinen Köln-Esch, einem Stadtteil, in dem es nichts gibt außer der Apotheke und der Volksbank, renovierte Manuela Stutzer die aufgegebene Schlecker-Filiale und eröffnete darin ihren eigenen Laden. Ganz nebenbei macht sie damit Esch glücklich.

Wie eine Welle wogt die Deko-Folie in drei Farben über die Schaufenster-Scheibe, in Braun, Lindgrün und Magenta. „Em und Es“ steht da, wo einst der blau-weiße Schriftzug von Schlecker prangte. Em für Mahlberg, Es für Stutzer, die beiden Inhaber der neuen Drogerie. Und hinter der Glasscheibe reihen sich die Blumensträuße, die die beiden zur Eröffnung geschenkt bekommen haben. Von Freunden und ehemaligen Kollegen, aber auch von den Mitarbeitern der Volksbank, der Apotheke und von so manchem in Esch, „der sich einfach nur freute, nicht für jede Kleinigkeit in die Innenstadt fahren zu müssen“.

Manuela Stutzer, die 49-Jährige, war Filialleiterin bei Schlecker. Und wenn sie heute, ein halbes Jahr nach ihrer Kündigung, über Schlecker spricht, dann mischt sich der Stolz auf ihre Karriere zur Filialchefin mit dem Ärger darüber, was bei Schlecker schief lief. Über die Waren, die nicht geliefert wurden. Über die Sonderposten, die keiner kaufte. Darüber, dass auf die Mitarbeiter, die nah am Kunden waren, nicht gehört wurde.

Die Antwort auf ihre Existenzängste

„Ich weiß, was die Leute wünschen, was sie nachfragen“, sagt Manuela Stutzer, und so habe sie nun auch ihr Sortiment ausgerichtet. Katzenstreu und Putzmittel statt irgendwelcher Billig-Sportschuhe. Tatsächlich sieht Stutzer ein wenig geschafft aus, wie sie da in ihrem Geschäft sitzt und von der Arbeit der letzten Wochen erzählt. Geschafft, aber zufrieden. Knapp zwei Monate ist es her, dass sie, und Addi Mahlberg, der Mann einer anderen Schlecker-Mitarbeiterin, mit dem Auto ins Pfälzische fuhren, weil es dort jene Frau Weißenberger gab, die sich als eine der ersten getraut hatte, einen Schlecker-Laden in ihr Privatunternehmen umzuwandeln. „Ein süßer Laden, sehr persönlich!“, schwärmt Manuela Stutzer in breitestem Kölsch.

Genossenschaft will drei Filialen übernehmen Es war die Antwort auf ihre eigenen Existenzängste. Stutzer und Mahlberg – er ist gelernter Kaufmann und hatte schon einmal ein eigenes Textilgeschäft – klapperten also in Köln einen verlassenen Schlecker-Laden nach dem anderen ab, guckten sich die Ladenflächen an, deren Umgebung und entschieden sich schließlich für Köln-Esch. Sie entrümpelten und renovierten, sie entdeckten Lieferanten und neue Produkte. „Das größte Problem sind die Lieferanten. Die haben meistens kein Interesse, kleine Läden zu beliefern. Aber wir hatten letztendlich Glück“, sagt Addi Mahlberg, der 62-Jährige.

Jahrelang wurde nicht renoviert

„Es fühlt sich gut an!“, sagt auch Manuela Stutzer, die in diesen Tagen immer wieder Gratulationen und gute Wünsche entgegennimmt. So wie von Ute Flögel, einer Mittvierzigerin. Staunend sieht die sich im Laden um, gleitet ihr Blick über Wände, Regale, Waren. Elf Jahre hat sie in dieser Filiale gearbeitet: „Meine Güte, was sah es hier aus! Diese gelben Wände! Seit Jahren ist hier nichts mehr gemacht worden.“ „Ja genau“, ergänzt eine Kundin über die Waren hinweg, „und wenn man an die Wand fasste, bröckelte der Putz!“

Manuela Stutzer und Addi Mahlberg wagen dieses Unternehmen ohne Gründer-Kredit, ohne staatliche Hilfe. 55.000 Euro Erspartes haben sie in ihre neue Existenz gesteckt. Und sie strotzen vor Optimismus. Esch brauche dieses Geschäft einfach. Das findet auch Wilhelm Kessel, der Taxi-Unternehmer, der gerade gegenüber parkt: „Ich find’s klasse! Als hier vor ein paar Jahren die Sparkasse geschlossen hat, gab es einen Aufstand. Bis sich schließlich die Politik für den Ort stark gemacht hat und die Volksbank eingezogen ist.“