Prozess um totes Baby - um Tiere kümmerte sich Mutter besser

Anna-Kathrin A., hier beim Prozessauftakt neben ihrem Verteidiger, blockte fast alle Hilfsangebote ab.
Anna-Kathrin A., hier beim Prozessauftakt neben ihrem Verteidiger, blockte fast alle Hilfsangebote ab.
Foto: Matthias Graben
Was wir bereits wissen
Als voll schuldfähig gilt die Mutter, die ihr Neugeborenes einsam im Keller sterben ließ. Ihre Haustiere versorgte sie besser.

Dortmund.. Es ist ein Trauerspiel, das am dritten Prozesstag vor dem Dortmunder Schwurgericht zur Sprache kommt. Familie gab es, Hilfsangebote durch das Jugendamt – und dennoch steuerte das Leben von Anna-Kathrin A. in eine Katastrophe. Angeklagt ist die 22-Jährige aus dem Dortmunder Stadtteil Kirchlinde, weil sie ihr Neugeborenes nach der Geburt am 19. Oktober 2014 im Keller sich selbst überließ. Das kleine Mädchen starb spätestens zwei Tage später in eine Decke gehüllt an den Folgen der fehlenden Versorgung.

Drei kleine Kinder hatte Anna-Kathrin A. bereits, als sie mit ihrem Freund nach Kirchlinde zog. Das Jugendamt wurde auf die Familie aufmerksam, deren Nachwuchs keinen Kindergarten besuchte. Mitarbeiterinnen der Behörde schildern dem Gericht, wie sie die Familie immer wieder aufsuchten, wie Hilfsangebote aber abgeblockt wurden. Viele Tiere waren in der Wohnung: ein Hund, drei Katzen, Wüstenrennmäuse, jede Menge Ratten, eine Spinne, zwei Kaninchen und zwei Schlangen plus Futtermäuse. Die Versorgung der Tiere hätte einen guten Eindruck gemacht, berichten die Mitarbeiterinnen.

Prozessauftakt Als sie am Hals eines Jungen Würgemale bemerkten, reagieren die Behörden schnell. Die drei Kinder werden im September 2014 aus der Familie genommen. Dass Anna-Kathrin A. zu diesem Zeitpunkt schon wieder schwanger ist, weiß zu diesem Zeitpunkt niemand. Kurz darauf kommt aber ein vager Verdacht auf. Ein neues Verfahren wird vor Gericht eingeleitet. Zu spät.

Ob die Aussagen der Angeklagten, die von der psychiatrischen Gutachterin als voll schuldfähig eingestuft wird, immer stimmen, bleibt zweifelhaft. Ihre zehn Jahre ältere Schwester weist Schilderungen zurück, dass das Elternhaus gewalttätig war. Sie, selbst Mutter von vier Kindern, ist jetzt übrigens mit dem früheren Freund ihrer angeklagten Schwester liiert. Dem Vater des einsam gestorbenen Säuglings.