Prinzen weinen, Jecken warnen

Einer Meinung: Polizisten und Organisatoren des Karnevalsumzugs.
Einer Meinung: Polizisten und Organisatoren des Karnevalsumzugs.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nach der Absage des Braunschweiger Karnevalszuges ist die Innenstadt menschenleer. Tausende fahren enttäuscht wieder nach Hause.

Braunschweig..  Kurz nach 10 Uhr am Sonntagmorgen, nach einer Lagebesprechung bei der Polizei, ist klar: Terrorgefahr – der Karnevalsumzug muss abgesagt werden. „Wir können die Sicherheit in dem Umfang, der erforderlich ist, nicht gewährleisten“, erklärt Polizeipräsident Michael Pientka rund 300 tief enttäuschten Teilnehmern beim Empfang des Zugmarschalls in der Volkswagenhalle. Auch er sei nicht glücklich: „Aber es blieb uns keine andere Wahl.“

Die 121 Motivwagen sind erst gar nicht vorgefahren, und auch die meisten Zugteilnehmer bereits informiert. Nur ein Häuflein Jecken steht an der Straße, um abzuwarten, was weiter passiert. Viele Karnevalisten sind geschockt. Viele haben Tränen in den Augen – so auch Ehrenpräsident Gerhard Glogowski, der frühere Ministerpräsident von Niedersachsen. „Das haben wir nicht verdient. Das ist nicht fair“, sagte er sichtlich angefasst vor Journalisten.

In schwarzem Anzug in die VW-Halle

Bereits gegen 11 Uhr, als Oberbürgermeister Ulrich Markurth mit ernster Miene und im schwarzen Anzug die Lobby der VW-Halle betritt, ist vielen klar: Da stimmt etwas nicht. Nach einem kurzen Telefonat tritt Markurth dann auf die Bühne, um die Nachricht zu verkünden. „Das ist ein sehr trauriger Tag, nicht nur für den Karneval. Aber Gott sei Dank kein tragischer“, sagte er. Seit Monaten hätten sich die Menschen darauf gefreut. Braunschweig habe sich auf einen Rekordbesuch eingerichtet, 250 000 Besucher seien am Sonntag erwartet worden. Und dann das. „Die Sicherheit der Bevölkerung und der Kinder geht vor.“

Zugleich fordert Markurth die Anwesenden auf, sich den Spaß am Karneval nicht verderben zu lassen. „Wir dürfen eines nicht machen: uns diese Fröhlichkeit und die Vielfalt nehmen lassen.“ Ob dieser Tag ein Tag zum Feiern sei, das müsse nun jeder selbst entscheiden. „Es sind so viele verkleidete Menschen in der Stadt unterwegs und auch hier in der Halle. Ich meine, nichts spricht dagegen, trotzdem noch Karneval zu feiern.“

Polizei suchte nach mutmaßkichen Bomben – vergebens

Die Stimmung in der Halle ist gedrückt, passend zur gespenstisch leeren Innenstadt am Nachmittag. Selbst Kneipen und Cafés haben geschlossen: die Folge des Bombenalarms! Doch die Enttäuschung in den Gesichtern der Karnevalisten ist nicht zu beschreiben. Viele haben Tränen in den Augen. Prinzen weinen, Jecken telefonieren mit Freunden, um sie zu warnen: „Bleibt daheim, kommt nicht. Terrorgefahr!“

„Ich habe mich so auf den Karneval gefreut“, sagt Tom in seinem Gockel-Kostüm. Sagt es und beißt in seine Möhre – das Bier möchte nicht so recht alle werden. Wie ihm ergeht es vielen. „Jetzt fahren wir wider heim, unsere Eltern holen uns gleich ab“, meinen Vivien und Luisa. Die Hexenkostüme tragen sie noch; „aber die Besenstiele haben wir gleich im Auto gelassen“.

Die Polizei sucht mit Hunden nach zwei mutmaßlichen Bomben – und findet einen Karton und einen anderen harmlosen Gegenstand.