Post drängt Paketzusteller in eine Billigtochter

Essen..  Die Deutsche Post will ihre neue Niedriglohntochter DHL Delivery offenbar schnell ans Laufen bringen und geht dabei mit fragwürdigen Methoden vor. Vergangene Woche hatte sie über hundert befristet beschäftigte Paketzusteller aus Essen nach Gladbeck eingeladen, um sie zu einem Wechsel in die neue Gesellschaft zu bewegen.

Wie Teilnehmer bestätigten, habe die Post die Anwesenden dabei unter Druck gesetzt. „Wenn wir die Verträge nicht unterschrieben hätten, hätten wir ab Montag zu Hause bleiben können“, berichtet ein Zusteller, der aus Angst um seinen Job anonym bleiben will. Bei den Zustellern liefen die Verträge am 31. Januar aus. Sie sollten daher zunächst einen neuen befristeten Arbeitsvertrag bis 31. März unterschreiben und einen zweiten, wonach sie ab 1. April unbefristet bei Delivery angestellt sind. Die Post habe deutlich gemacht: entweder beide oder keinen.

Den Mitarbeitern wurden die Verträge nicht ausgehändigt. Die Vorgesetzten hätten nur mündlich versichert, dass die Mitarbeiter in der neuen Gesellschaft nicht schlechter gestellt würden als bei der Post. Ein Postsprecher erklärte, dass noch eine Unterschrift von Arbeitgeberseite gefehlt habe. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte: „Das hat nichts mit seriösem Vorgehen zu tun“, so Fachbereichsleiter Uwe Speckenwirth.

Die Post wird Mitarbeiter in der Delivery nicht mehr nach Haustarifvertrag, sondern nach den regionalen Tarifen der Speditions- und Logistikbranche bezahlen. In NRW liegt dieser laut Verdi rund 20 Prozent unter dem Posttarif.

Wie ein Postsprecher bestätigte, sollen die derzeit noch bei der Post befristet angestellten Mitarbeiter beim Monatsgrundlohn nicht schlechter gestellt werden; hinzu kämen Prämien. Er nannte das Angebot „lukrativ“, schließlich würden die Paketzusteller künftig unbefristet beschäftigt. Verdi befürchtet eine Abkopplung vom Haustarif.