Polizisten gewürgt – Fortuna-Hooligan weist Vorwürfe zurück

Essen..  Auf sein Fußballtrikot, das ihn als Fan von Fortuna Düsseldorf auszeichnet, hat Christian P. am Freitag verzichtet. Im weißen Hemd sitzt der Düsseldorfer vor dem Essener Schwurgericht. Es geht um viel für den 23 Jahre alten Hooligan. Versuchten Totschlag wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor, weil er nach einem Spiel bei Rot-Weiss Essen einen Bundespolizisten am Essener Hauptbahnhof gewürgt haben soll.

Das weiße Hemd des Angeklagten, der einen Intelligenzquotienten von nur 67 erreicht, verharmlost ein wenig sein strafrechtliches Vorleben. Immer wieder fiel er bei der Fortuna durch Gewaltaktionen auf, reagierte aggressiv auf Polizeiuniformen – zuletzt bei der Demo „Hooligans gegen Salafisten” am 26. Oktober 2014 in Köln. Da soll er einem Polizisten einen 6,5 Kilogramm schweren Poller in den Rücken geworfen haben. Knapp drei Wochen später besuchte er das Regionalligaspiel seiner zweiten Mannschaft an der Essener Hafenstraße. RWE gewann mit 3:0, die Stimmung der Fortunafans bei der Rückreise war aggressiv.

Laut Anklage wollte Christian P. im Essener Hauptbahnhof einem anderen Fan helfen, der Ärger mit der Polizei hatte. Von hinten sprang er einem Bundespolizisten in den Rücken, nahm ihn in den Schwitzkasten. Obwohl der kräftige Polizist sich wehrte, hatte er offenbar keine Chance. Beide lagen auf dem Rücken, der Beamte oben. Der massige Angeklagte, 108 Kilo bei 1,70 Meter Körpergröße, soll den Druck auf den Hals des Polizisten verstärkt haben – bis zur kurzzeitigen Bewusstlosigkeit.

Nur massive Hilfe anderer Polizisten stoppte Christian P.. Die Attacke wird von der Anklage als versuchte Tötung eingestuft, so Staatsanwalt Eberhard Buschmann: „Lebensgefahr wurde bejaht.” Davon will Christian P. aber nichts mitbekommen haben. In einer von Verteidiger Volker Schröder vorgelesenen Erklärung weist er Verletzungsabsichten von sich: „Ich habe den Beamten nur festgehalten. Wenn er verletzt wurde, tut es mir leid.” Er hätte „ohne nachzudenken” nur dem anderen Fan helfen wollen. Dabei seien der Polizist und er zu Boden gegangen, der Beamte hätte „mit vollem Gewicht auf meinem Bauch gelegen”. Christian P. sieht die Schuld beim Opfer: „Ich hatte Angst, dass er mich schlägt, wenn ich ihn loslasse.” Dem Angeklagten, der von der Düsseldorfer Justiz früher eher zurückhaltend behandelt wurde, droht die zeitlich unbestimmte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.