Notbetrieb in Kitas - so lähmt die Infekt-Welle das Revier

Viele Kinder sind vom grippalen Infekt betroffen und müssen das Bett hüten.Foto:/Masterfile
Viele Kinder sind vom grippalen Infekt betroffen und müssen das Bett hüten.Foto:/Masterfile
Was wir bereits wissen
In Wintermonaten sind Schnupfen und Husten keine Seltenheit. Doch in diesem Jahr legt ein hartnäckiger Virus große Teile des Ruhrgebiets lahm.

Ruhrgebiet.. Erst gegen Mittag legt sich der Trubel in der Essener Kinderarztpraxis von Engelbert Kölker wieder. Seit acht Uhr früh herrschte hier Hochbetrieb. Seither tummelten sich kranke Kinder auf dem Laminatboden, geplagt von Fieber, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen – von einer dicken Erkältung. Um halb neun schon waren sämtliche Termine für den Tag ausgebucht. Die acht Holzstühle im kleinen Wartebereich der Praxis reichten nicht annähernd für all die Patienten, die kamen.

Mehr Betroffene als üblich in der Kinderarztpraxis

Engelbert Kölker und sein Team kennen das bereits. Wie in jedem Jahr greift der grippale Infekt im Winter um sich, macht Groß und Klein das Leben für ein paar Wochen schwer. „Wir haben zu dieser Zeit täglich etwa 50 Prozent mehr zu tun als üblich“, berichtet der Arzt. In diesem Jahr gebe es aber noch mehr Betroffene als üblich, die Fiebertage hätten sich zudem von durchschnittlich drei auf vier Tage erhöht.

Zu spüren bekommen das auch die Kitas im Ruhrgebiet. Astrid Schult, Leiterin der Kita „Trotzköpfe“ in Essen musste in der vergangenen Woche sogar den Elterndienst einsetzen, der immer für einen Notfall vorbereitet wird: „Letzten Freitag konnten krankheitsbedingt nur noch drei von neun Erzieherinnen arbeiten, da mussten wir einfach die Eltern mit einbeziehen. Einige haben ihre Kinder auch zu Hause gelassen. Nicht, weil sie krank waren, sondern um unser Personal zu entlasten.“

Fünf von zehn Mitarbeitern krank

Im Waldorf-Kindergarten in Oberhausen hat der Virus ebenfalls zugeschlagen. „Von unseren zehn Mitarbeiterinnen sind aktuell fünf krank geschrieben“, berichtet Erzieherin Sarah Wittich. „Wir versuchen uns gegenseitig so gut es eben geht unter die Arme zu greifen, aber Aktivitäten außerhalb des normalen Betreuungsangebots sind da kaum drin. Vertretungen gibt es keine.“

Grippewelle Ganz ähnlich sieht die Situation in der Kita „Gänseblume“ in Bochum aus, in der momentan vier der insgesamt sieben Vollzeitkräfte die Betreuung von sieben bis 16.30 Uhr aufrechterhalten. „So ein Ausfall fällt schon ins Gewicht. Die gesunden Kolleginnen versuchen – teils mit Überstunden – die Arbeit aufzufangen. Aber Extras wie unsere Turnkurse sind einfach nicht möglich. Gerade in der Karnevalswoche ist so was bitter“, sagt Leiterin Marion Kulesza. Insgesamt berichten die Bochumer Kindertagesstätten von reichlich Krankheitsfällen.

Busse und Bahnen standen still,zu viele Mitarbeiter fielen aus

Aber nicht nur die Kindertagesstätten haben mit der drastischen Erkältungswelle zu kämpfen, auch Unternehmen müssen mit Personalausfällen rechnen. Die Essener Verkehrgesellschaft hat es in den vergangenen Wochen besonders hart getroffen. Teilweise standen einzelne Busse und Bahnen komplett still. „Wir können nicht wie vor 20 Jahren auf große Mitarbeitervorräte zurückgreifen“, erklärte ein Sprecher. Das sei aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich.

Einzelne Betriebe wie die RWE AG oder das Chemieunternehmen Evonik bestätigen ebenfalls, dass es in den typischen Erkältungsmonaten Januar und Februar mehr Krankschreibungen gibt.