"Nehalennia" - Wissenschaftler bauten römische Fähre nach

Im Archäologischen Park Xanten wurde das rekonstruierte römische Flussschiff getestet.
Im Archäologischen Park Xanten wurde das rekonstruierte römische Flussschiff getestet.
Foto: Matthias Graben
Ihre Jungfernfahrt auf der Lippe bei Dorsten hätte für die historische "Nehalennia" nicht besser laufen können. Konstruiert wurde sie in Xanten.

Dorsten/Xanten.. Mit einem leichten Stoß beginnt die kurze Reise über die Lippe in die Vergangenheit. Langsam gleitet die Holzkonstruktion über den Fluss bei Dorsten in Richtung südliches Ufer. Wenn die Forscher des Archäologischen Parks in Xanten Recht haben, dann sah genau so die Flussquerung vor fast 2000 Jahren aus. In monatelanger Handarbeit haben Schiffsbaumeister eine römische „Prahmfähre“ nachgebaut, die so auf dem Rhein im Einsatz gewesen sein soll. Gestern glückte die Jungfernfahrt.

„ Wir erhoffen uns viele neue Erkenntnisse. Wie haben die Römer diese Boote genutzt? Wie genau haben sie sie gesteuert?“, fragt Schiffsbaumeister Kees Sars. Fast zehn Monate lang waren vier Schiff- und Holzbauexperten am Werk. Fast sechs Tonnen schwer ist das Ergebnis, das ein bisschen aussieht wie eine kleine Autofähre. „Wir könnten damit durchaus ein Auto über den Fluss bringen. Zehn Tonnen Last schafft die Nehalennia“, sagt Sars stolz. Das Risiko wollte der Lippeverband dann aber doch nicht eingehen, als er die „Teststrecke“ zur Verfügung stellte. Und so transportiert die kleine Fähre auf ihren ersten Fahrten nur menschliche Last.

Fast 400 handgeschmiedete Nägel verbaut

Das Schiff ist ein 1:1-Nachbau des antiken Originals, das bei Ausgrabungen 1991 in Xanten-Wardt gefunden wurde. Kees Sars und seine Mitstreiter zimmerten den Nachbau auf dem Gelände des Archäologischen Parks in Xanten. 1900 Eisennägel und 2000 Kalfaternägelchen – alle handgeschmiedet – hämmerten sie in das Eichenholz. Dicht gehalten wird das Schiff aus einer Kombination aus Teer und verpressten Hanfseilen. Die 500.000 Euro Kosten wurden durch die regionale Kulturförderung und die Sozial- und Kulturstiftung des Landschaftsverbandes Rheinland getragen.

„Wir gehen davon aus, dass die Römer mit der Technik des Gierens manövriert haben“, erklärt Projektleiterin Gabriele Schmidhuber-Aspöck. Sie platzierten einen Anker in der Mitte des Stroms und nutzten die Fließgeschwindigkeit, um ans andere Ufer zu gelangen.