Muslimisches Mädchen wird von evangelischer Grundschule geworfen

Mönchengladbach.. Die Eltern einer muslimischen Drittklässlerin aus Mönchengladbach wollten ihre Tochter vom Religionsunterricht abmelden. Daraufhin warf die Schulleitung das Mädchen von der Schule. Die Eltern haben nun Klage gegen das Land NRW eingereicht.

Die neunjährige Zeynep besuchte seit dem Umzug ihrer Eltern nach Mönchengladbach-Rheydt dort die evangelische Grundschule. Ihre Eltern erziehen ihre Tochter muslimisch, dennoch meldeten sie das Mädchen auf die nur 300 Meter entfernte Bekenntnisschule an. Sie seien, so der Vater von Zeynep, davon ausgegangen, dass muslimische Kinder automatisch vom Religionsunterricht befreit würden.

Ihren Irrtum bemerkten die Eltern der Drittklässlerin wenige Wochen nach Beginn des Schuljahres. Als sie ihre Tochter vom Religionsunterricht befreien lassen wollten, lehnte dies die Schulleitung ab. Nachdem die Eltern Widerspruch eingelegt hatten, verwies die Schulleitung mit Zustimmung des Schulministeriums das Mädchen der Schule. Daraufhin legten die Eltern Klage gegen das Land NRW ein.

Bekenntnisschulen verfolgen konfessionelles Konzept

Die Schulleiterin wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern. Auch das NRW-Schulministerium war zurückhaltend. „Es ist grundsätzlich die Entscheidung der Eltern, ob sie ihr Kind an einer Bekenntnisschule anmelden wollen“, erklärt Barbara Löcherbach, Sprecherin des Schulministeriums. Mit der Anmeldung akzeptiere man jedoch, dass das Kind im konfessionellen Sinne erzogen würde. In Zeyneps Fall sei die nächste städtische Grundschule keine drei Kilometer vom Elternhaus entfernt gewesen. Anders, so Löcherbach, verhalte es in ländlichen Gegenden, wo es nur wenige und weit verstreute Grundschulen gebe. Dort müssten auch Bekenntnisschulen zustimmen, wenn Eltern ihre Kinder vom Religionsunterricht befreien wollten, wenn keine städtische Schule in erreichbarer Nähe liege.

Auch Klaus Eberl von der Evangelischen Kirche im Rheinland meint, dass sich Zeyneps Eltern vorher über die Regeln an einer Bekenntnisschule hätten informieren müssen. Bekenntnisschulen seien zwar nicht in kirchlicher, sondern in Trägerschaft des Landes, dennoch verfolgten sie, so Eberl, ein konfessionelles Konzept. Davon würden die Eltern auch in Kenntnis gesetzt. „Wenn Eltern ihr Kind in einer Bekenntnisschule anmelden, unterschreiben sie, dass sie mit der konfessionellen Bildung ihrer Kinder einverstanden sind.“ Darum habe die Schule auch das Recht, eine Freistellung vom Religionsunterricht abzulehnen.

Möglicherweise ein Präzedenzfall

Unterstützung bei ihrer Klage bekommen die Eltern der Drittklässlerin hingegen vom Türkischen Elternverein Mönchengladbach. Was die Schule mache, sagte der Vorsitzende Levent Ulus gegenüber der Rheinischen Post, sei so nicht in Ordnung. Ob ihre Kinder am Religionsunterricht teilnähmen oder nicht, sei allein Entscheidung der Eltern. Mittlerweile hätten sich bereits 15 andere muslimische Familien gemeldet, so der Vorsitzende des Vereins, die ihre Kinder auch vom Religionsunterricht befreien lassen wollten.

Wenn die Klage der Eltern Erfolg hat, könnte Zeyneps Fall ein Präzedenzfall werden.