MS-Patientin kämpft um ihren Elektro-Rollstuhl

Hattingen..  „Früher war ich oft draußen unterwegs“, erinnert sich Melanie Tromnau wehmütig. Nun ist die schwer kranke 34-Jährige ans Bett gefesselt – und das seit Monaten. Der Grund: Die Krankenkasse genehmigt ihr den vom Arzt verordneten Elektro-Rollstuhl mit Stehfunktion nicht. Als sich Melanie und ihre Mutter Anita Tromnau deswegen hilfesuchend an den Sozialverband Deutschland (SoVD) wenden, wird alles noch viel komplizierter.

Melanie Tromnau leidet unter einem aggressiven Verlauf der Multiplen Sklerose. Fünf Jahre lang wurde ihr ein Elektro-Rollstuhl gestellt. Als sie eine neue Verordnung ihres Arztes einreicht, der einen Rollstuhl mit verstellbarer Rückenlehne und Stehfunktion empfiehlt, beginnen die Probleme. Ihre Krankenkasse lehnt ab, schlägt einen normalen Elektro-Rollstuhl und ein Stehgerät als Ersatz vor. „Wir sind uns der schwierigen Situation von Frau Tromnau bewusst und möchten sie unterstützen“, betont ihre Kaufmännische Krankenkasse – weist aber auf rechtliche Rahmen hin: „Die Leistungen sind medizinisch ausreichend, notwendig und wirtschaftlich.“ Weitergehende Leistungen dürfe die Kasse nicht bewilligen.

„Aber ein Stehgerät reicht nicht“, betont Melanies Mutter Anita. Der vorgeschlagene Stehtisch sei für sie allein nicht zu handhaben. „Schon in der Klinik brauchte Melanie dafür die Hilfe von zwei Therapeuten“, erklärt die 60-Jährige.

Nach der zweiten Ablehnung schaltet Familie Tromnau den Sozialverband ein – und erfährt fortan kaum noch etwas über den eigenen Fall, klagt die Mutter. „Massive zeitliche Verzögerungen wurden in erster Linie durch ausbleibende Reaktionen des Sozialverbandes herbeigeführt“, heißt es von Seiten der Krankenkasse.

Der SoVD erklärt, eine ausführliche Stellungnahme der Klinik habe gefehlt. Die Anfrage nach den vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK) benötigten Unterlagen habe man an Frau Tromnau weitergeleitet.

Ende des Jahres dann der Schock: Laut Gutachten des MDK, das dieser ohne erneuten Besuch bei Melanie Tromnau anfertigte, sei nun aufgrund der Bettlägerigkeit die Nutzung eines Elektro-Rollstuhls mit Stehfunktion nicht mehr möglich. „Aber ich liege ja nur im Bett, weil ich eben keinen Rollstuhl habe“, ist Melanie verzweifelt. Gemeinsam mit ihrer Mutter erwägt sie nun eine Klage vor dem Sozialgericht.

Inzwischen lenkte die Krankenkasse ein und beauftragte den MDKt immerhin mit einer weiteren Begutachtung.