Mitgefangenen mit dem Messer bedroht

Essen..  Nachher hatten sich alle wieder lieb. Doch die Drohung mit dem Messer im Gefängnis blieb nicht ungeahndet. Sie hatte einen bereits zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilten Pädophilen am Dienstag erneut vors Landgericht Essen gebracht. Jetzt muss er zwei weitere Monate Haft absitzen.

Es ist eine eigene Welt hinter den Gefängnismauern an der Essener Krawehlstraße. Dort sitzen am zweiten Weihnachtstag 2013 mehrere Männer im Freizeitraum der geschlossenen Therapieeinrichtung für Gewalt- und Sexualstraftäter. Der Pädophile, 37 Jahre alt, bereitet sich in der Küche mit zwei anderen Häftlingen einen Salat zu, schneidet Paprika. Nebenan im TV-Raum ruft ein anderer Häftling immer wieder den Namen eines Mithäftlings.

„Das war so nervend und provozierend“, sagt der 37-Jährige am Dienstag zur VI. Strafkammer. Er sei dann mit dem Messer in der Hand nach nebenan gegangen. Laut Anklage soll er den Rufer nicht nur bedroht, sondern ihm auch verbal gedroht haben: „Ich steche euch ab.“ Den letzten Satz bestreitet der Angeklagte jedoch.

Dass ein gewisser Mut dazu gehört, einen wegen versuchten Mordes verurteilten Mann zu bedrohen, der elfeinhalb Jahre Haft kassiert hatte, ist im aktuellen Prozess kein Thema. Es geht nur um die Messerdrohung, die der Angeklagte selbst als „bescheuerte Aktion“ einstuft. Aber das kräftige Opfer ist nicht einmal rachsüchtig: „Der Angeklagte hat es schon schwer wegen seiner Straftat. Ich will ihm keine Steine in den Weg legen.“ Angezeigt habe er ihn, weil „man Konsequenzen tragen muss, wenn man Scheiß baut“.

Nur unwesentlich auf fünf Jahre Haft erhöht die VI. Kammer die alte Strafe des 37-Jährigen. Ganz verzichten auf Strafe will sie nicht. „Bei diesem exklusiven Kreis im Gefängnis kommt es auf Regeln an“, betont Richterin Jutta Wendrich-Rosch.