Middelhoff: Zelle nachts nicht betreten?

Düsseldorf..  Die Zelle des wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilten Ex-Managers Thomas Middelhoff (61) im Essener Gefängnis soll während der nächtlichen Kontrollen nicht ein einziges Mal betreten worden sein. Auch soll nur in Einzelfällen das Licht eingeschaltet worden sein. Das sollen laut Justizkreisen erste Prüfungen ergeben haben. Middelhoffs Anwälte hatten in den vergangenen Tagen den Vorwurf erhoben, dass die sogenannte Lebendkontrolle zwischen Mitte November und Mitte Dezember zu Schlafentzug geführt habe, weshalb der Inhaftierte schwer erkrankt sei.

Da in der Familie des ehemaligen Arcandor-Chefs zudem eine „familiäre Vorbelastung“ vorgelegen hat, Vater und Bruder hatten sich das Leben genommen, entschied sich die Justiz zum Schutz des Häftlings für eine wochenlange Zellenkontrolle im 15-Minutentakt. Nach Informationen unserer Zeitung aus Justizkreisen gab es „deutliche Hinweise der Ehefrau, dass Middelhoff suizidgefährdet war“.

Verwunderung hat in der Justiz in NRW offenbar die Tatsache ausgelöst, dass Middelhoffs Anwälte erst bei der zweiten Haftbeschwerde den Vorwurf des Schlafentzugs erhoben haben. CDU- und FDP-Opposition im Landtag verlangten von Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) eine weitere Klärung in der Sitzung des Rechtsausschusses am 22.April.