Leere Tribünen bei "Ruhr Games" - Kritik am Rahmenprogramm

Kanupolo auf dem Baldeneysee: Es gewinnen die Trekvogels aus Holland (in weiß) gegen die Mülheimer DJK Ruhrwacht.
Kanupolo auf dem Baldeneysee: Es gewinnen die Trekvogels aus Holland (in weiß) gegen die Mülheimer DJK Ruhrwacht.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In fünf Ruhrgebietsstädten wettkämpfen 5000 junge Leute in siebzehn (Trend-)Sportarten. Ein großes Fest, dem aber leider die Zuschauer fehlen.

Ruhrgebiet.. Das Paddel haben sie aus dem Kanusport übernommen, den Ball aus dem Wasserball und die Rammstöße aus der Piraterie: Fertig ist Kanupolo. Es hat ein bisschen was von Schiffeversenken mit Schiedsrichter, aber am Ende zählen doch wieder nur die Tore. „Relativ viel Action und Körperkontakt“, sagt Jonathan Thomas aus Mülheim über seinen Sport: „Aber man landet eigentlich immer weich. Immer im Wasser.“

Ruhr Games Man ahnt es schon: Kanupolo ist spektakulär – erstaunlich, was für Bälle man mit dem Paddel in der Luft abwehren kann! Gerade tuckert die „MS Heisingen“ vorbei und staunt. Aber eigentlich ist es schade, dass auf der Tribüne nicht mehr Leute zuschauen. Kostet doch auch nichts.

„Wir haben eine relaxte Stimmung, wir haben keine Aggressionen“

„Ruhr Games“, die Spiele für Jugendliche aus dem Ruhrgebiet und dem Ausland, die Tage zwei und drei. Fünf Städte, 5000 Sportler – und wenige Zuschauer. Freitag kursiert eine Zahl namens „18.000“: Das wird nichts mehr mit der Viertelmillion, die der Regionalverband Ruhr (RVR) ansteuern wollte.

Jürgen Fischer hat andere Eindrücke, er ist einer der Organisatoren beim RVR und den ganzen Freitag unterwegs von Stadion zu Bühne zu Jugendcamp: Gladbeck, Bottrop, Essen . . . „Wir haben eine relaxte Stimmung, wir haben keine Aggressionen“, sagt er, räumt aber auch ein: „Das Rahmenprogramm ist nicht überall gleich stark.“ Freilich gebe es viel Lob von den Verbänden, „dass wir ihren Sport dahin bringen, wo die Leute sind, und dass die Szenen sich treffen.“

350 auf dem internationalen Jugendcampus

Bottrop zum Beispiel, BMX: „Die Szene in meiner Heimatstadt Datteln ist überschaubar. Ich glaube, da gibt es nur mich,“ sagt Nico Bergmann (19): „Hier hab’ ich mir die Konkurrenz angeguckt – da sind ein paar richtig gute Jungs dabei.“ Und Gustav Christensen hat im Tanz-Training schon „ein paar neue Schritte gelernt. Die kann ich gut in meiner Disco nutzen.“

Die Disco steht in Dänemark, denn Gustav ist einer von rund 350 Teilnehmern, die auf dem internationalen Jugendcampus in Gladbeck zusammenkommen. Israelis und Iren, Slowaken, Finnen, Deutsche, die miteinander reden, abhängen, Sport treiben. Die Stimmung ist prächtig, „wir haben hier neue Freunde getroffen“, sagt ein Mädchen, und eine 16-jährige Irin hebt für etwaige neue „Ruhr Games“ bereits jetzt den Daumen.

Das wird man dann sehen. 2,5 Millionen kosten diese, die ersten; da sollte Geld übrig sein, um Planungsfehler später abzustellen. Ist es richtig, Gelände wie am See oder auf Zollverein für die Spiele abzuzäunen und Leute mit Leibchen an die Eingänge zu stellen? Das schreckt ab. Außerhalb der Ruhr-Games-Fläche am See war an beiden Tagen mehr los als drinnen.

Über 60 Prozent der Essener war „Ruhr Games“ kein Begriff

Das Informations- und Organisationsbüro hier ist bei drei von vier Besuchen offen, aber nicht besetzt. Niemand moderiert lange Umbaupausen weg. Eher amüsant ist das Transparent „VIP-Eingang“, wo weder ein Eingang ist noch ein VIP. Am meisten aber irritiert das fehlende Publikum. „Nicht viel los. Ja, ist so“, sagt der Mann vom ersten Bierstand, und der vom zweiten sagt: „Wird vielleicht noch.“

Vielleicht ist es das: Die „Ruhr Games“ sind nicht bekannt geworden. Noch vor kurzem sagten in einer Straßenumfrage über 60 Prozent der Essener: Kennen wir nicht. Da war am Donnerstag eine ältere Dame am Baldeneysee, die an ihr Handy ging: „Ich bin gerade am See“ (Pause) „Da ist eine Regatta oder so. Irgendwas mit Games.“