Kita-Streik: Die Nöte der Eltern

Ruhrgebiet..  Wohin mit Max, Paul und Sophie, wenn die Kita-Erzieherinnen streiken? Spätestens am heutigen Montag müssen auch Eltern im Ruhrgebiet auf diese Frage eine Antwort parat haben. Denn ab heute bleibt ein großer Teil der kommunalen Kitas geschlossen. Rund 1000 NRW-weit. Ende offen. Glücklich ist, wer sich auf Großeltern verlassen kann, auf gute Freunde, eine Leih-Oma oder auf eine Notgruppe in der eigenen Kita.

„Aufgeschmissen“, so hatte sich die Wittenerin Monique Knopp gefühlt, als sie in der vergangenen Woche von ihrer Kita-Leiterin über den Streik informiert wurde. „Es war ein Schock!“ Die 28-Jährige und ihr Mann sind beide berufstätig, und so kamen die beiden alsbald auf dieses eine Szenario: Die Schwiegermutter aus Hattingen muss her, muss schon die Nacht zuvor bei ihnen übernachten und Töchterchen Kira Joy (2) übernehmen.

Ob in Witten, Essen oder Duisburg, überall werden in diesen Tagen solche und ähnliche familiäre Notpläne aufgelegt. Denn nur wenige Arbeitgeber reagieren familienfreundlich und flexibel auf die Sorgen der Eltern. Ein Tag mag sich noch gut und gerne überbrücken lassen. Aber eine Woche und mehr?

Streikende mit schlechtem Gewissen

Die Nöte tatsächlich sind groß. Viele Kommunen richteten eigens Hotlines ein. In Essen leisten von 48 städtischen Kitas 27 einen Notdienst. „Wir wissen aus Gesprächen mit Eltern, dass manche von ihnen beruflich existenziell gefährdet sind, wenn sie ihre Kinder nicht versorgt bekommen“, sagt die Essener Gewerkschaftssekretärin Monika Peil. Trotz Urabstimmung seien deshalb nicht alle Erzieherinnen von dem Streik begeistert. Peil: „Viele denken an die Kinder und Eltern, haben ein schlechtes Gewissen. Kinder sind ja keine Akten!“

Manche Kommune verhandelte noch am späten Freitag mit der Gewerkschaft Verdi über Notgruppen. In Duisburg erklärte OB Sören Link (SPD), die städtischen Mitarbeiter könnten ihre Kinder sogar mit ins Rathaus, mit ins Büro bringen.

Und obwohl viele Eltern Verständnis für den Wunsch der Erzieherinnen nach finanzieller Besserstellung und mehr Anerkennung hegen, ihre Nerven liegen blank. Schließlich ist das Leben berufstätiger Eltern schon ohne Streik stressig genug. Obendrein wird mancher von ihnen gezwungen sein, doppelt zu zahlen. Den Beitrag für die Kita und obendrein die Kosten für Babysitter oder andere Notlösungen. Denn viele Kommunen wie Düsseldorf, Essen oder Herne verweisen auf ihre Satzungen, die Rückerstattungen nicht vorsehen. Allenfalls das Essensgeld der Kinder gibt’s mancherorts zurück. Aber eben auch nicht überall.