Kinder misshandelt, Sohn tot: Vater weist Schuld von sich

Kleve..  Vier kleinen Kindern wird massive Gewalt angetan: Zwei Zwillingsbrüder soll der 30-jährige Vater aus Kleve so stark geschüttelt haben, dass einer starb und der andere eine lebensgefährliche Gehirnverletzung davontrug. Seiner nur Monate alten Tochter soll er den Oberschenkel gebrochen und dem Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Vor dem Landgericht Kleve wies der Vater am Mittwoch allerdings alle Schuld von sich.

Den Oberschenkel seiner Tochter habe er versehentlich beim Wickeln gebrochen. Es habe zwar geknackt, er habe sich aber nichts dabei gedacht. Seinen kleinen Sohn, einen zweieinhalb Monate alten Säugling, habe er retten wollen, nachdem er nicht mehr atmete. Er habe ihn geschüttelt, unter Wasser gehalten, noch mal geschüttelt. Die Gehirnverletzung des Zwillingsbruders? Vielleicht habe er ihn zu heftig aus dem Bettchen genommen, als der sich verschluckt habe. Der Junge überlebte nach langer Behandlung.

Der später gestorbene Säugling habe einen stabilen Kreislauf gehabt, sagte Rechtsmediziner Lars Althaus. Er habe keine medizinische Erklärung dafür, warum der Junge angeblich nicht mehr geatmet haben soll. Der kleine Junge sei sehr heftig geschüttelt worden, auch der überlebende Zwillingsbruder sei geschüttelt worden. Er sei dabei wohl sehr hart angepackt worden. Der Rechtsmediziner fand Blutergüsse.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge, Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährliche Körperverletzung in vier Fällen vor. Der Angeklagte war um das Bild eines fürsorglichen Vaters bemüht: Er habe die Kinder gefüttert, sie schlafen gelegt. Aber hinter dieser Fassade tauchten in seinen Antworten Zeichen der Hoffnungslosigkeit auf: Er und seine frühere Lebensgefährtin, die als Nebenklägerin auftritt, arbeitslos, drogensüchtig und pleite. Die Prügel des Angeklagten als Kind vom Stiefvater, die Therapie mit 16 wegen seiner Wutexzesse.

Die Lieblosigkeit im Umgang mit den Kindern konnte er nicht überspielen: Mit dem Oberschenkelbruch seiner Tochter ging er erst mal nicht zum Arzt, auch nicht mit dem dicken blauen Auge des Jungen, den er angeblich auf die Bettkante gestoßen hatte. Und was er sich bei dicken Blutergüssen seiner kleinen Tochter gedacht habe, fragte der Richter. „Ich habe gedacht sie hat auf den Bauklötzen geschlafen.“