Grippewelle in NRW - Engpässe in Schulen und im Nahverkehr

NRW fiebert und schnieft. Das hat Auswirkungen an Schulen, in Kindergärten und Altenheimen und im Nahverkehr.
NRW fiebert und schnieft. Das hat Auswirkungen an Schulen, in Kindergärten und Altenheimen und im Nahverkehr.
Foto: Thinkstock
Was wir bereits wissen
Manche haben sie schon überstanden, andere schnupfen noch kräftig. Die Krankheitswelle rollt durch NRW. Wie beeinflusst sie das öffentliche Leben?

Ruhrgebiet.. Simone Koch hat sich die Box mit den Desinfektionstüchern schon auf den Schreibtisch gestellt. Eine Vorsichtsmaßnahme. "Ich war zwar schon erkältet, aber ich möchte ja nicht noch mal ausfallen." Das kann sie sich als Sekretärin am Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Oberhausen nicht erlauben. Gerade jetzt nicht. Morgens nimmt sie die Anrufe der Eltern entgegen, die ihre Kinder vom Unterricht abmelden. Im Laufe des Vormittags muss sie einen Krankenzettel nach dem anderen ausstellen. "Manche schleppen sich noch zu einer Klausur. Danach geht dann aber nichts mehr", sagt Simone Koch.

Husten, schnupfen, Fieber - mit den gerade üblichen Symptomen von grippalen Infekten und Grippe schlagen sich auch Schüler am Bertha-von-Suttner-Gymnasium rum. Hinzu kommt auch noch ein Magen-Darm-Virus. "Zwei Kinder mussten sich schon übergeben. Das kommt sonst nicht vor", sagt Simone Koch. Auch Lehrer fallen krankheitsbedingt aus. "Der Vertretungsunterricht ist jetzt schwerer zu planen. Da müssen auch mal Lehrer helfen, die eigentlich eine Freistunde haben", sagt Koch.

Auch Noro-Virus im Umlauf

In Dortmund musste das Gesundheitsamt wegen Krankheit eine Schule bereits für einige Tage schließen. So schlimm ist es bei Simone Koch und ihrer Oberhausener Schule noch nicht. Auch Gesundheitsämter in Essen, Mülheim, Bochum und Duisburg teilen auf Anfrage mit, dass der Unterricht in keiner der Städte gefährdet sei. Trotzdem: Der Krankenstand im Ruhrgebiet ist hoch. Das gilt für Schulen genauso wie für Kindertagesstätten, Seniorenheime und Verkehrsbetriebe. Manche Einrichtungen und Organisatoren haben die Krankheitswelle schon überstanden, andere sind noch mittendrin.

Betroffen sind nicht alleine die Atemwege, auch ein Magen-Darm-Virus (Norovirus) verbreitet sich. "In den vergangenen vier Wochen haben wir einige Patienten in der Notaufnahme gehabt. Der Norovirus hat nämlich auch enorme Kreislaufprobleme zur Folge", sagt Andreas Grundmeier, Leiter der Notaufnahme der Kliniken Essen-Mitte. Und auch bei einer schwereren Erkältung suchten Patienten inzwischen häufiger ein Krankenhaus auf. "Viele ältere Patienten können bei zu hohem Fieber austrocknen. Das kann dann auch lebensbedrohlich werden", erklärt Grundmeier.

Mitarbeiter anderer Einrichtungen springen ein

In Seniorenheimen des Diakoniewerks Essen sei dieser Norovirus in den vergangenen Wochen bei Mitarbeitern und Bewohnern aufgetreten, und auch in den Kindertagesstätten sei es zu einem erhöhten Krankenstand gekommen. Teilweise hätten Gruppen zusammen gelegt werden müssen. "Zum Glück haben wir es aber geschafft, über die Runden zu kommen. Häufig helfen Mitarbeiter dann auch in anderen Einrichtungen aus", betont Hartmut Hüttenhoff, Verwaltungsdirektor des Diakoniwerks Essen.

In der Kindertagesstätte "Minimum" in Bochum sind seit Mittwoch alle Kinder und Erzieher wieder da. Drei Wochen lang sei es wegen einiger Ausfälle ungewohnt ruhig gewesen in der Kita, erzählt Erzieherin Nicole Schütz. Statt 34 Kinder wie sonst seien einmal nur zwölf da gewesen. Bei den Erzieherinnen konnten nur drei von acht ihre Arbeit aufnehmen.

Personalmangel bei der Evag im Januar

Personalausfälle gibt es auch bei den Verkehrsunternehmen. Die Stadtwerke Oberhausen mussten Mitarbeiter aus der Verwaltung und der Werktstatt abziehen und diese für Busfahrten einsetzen. So konnte gewährleistet werden, dass alle Fahrgäste befördert werden,

Bei der Essener Verkehrs-AG geht es, was erkrankte Mitarbeiter angeht, wieder bergauf. "Unser Tief hatten wir schon Ende Januar", sagt Sprecher Olaf Frei. Etwa ein Fünftel der Fahrer sei nicht einsatzfähig gewesen. Das hatte vereinzelt zu Fahrtausfällen geführt. Der Zehn-Minuten-Takt bei der Straßenbahn habe nicht immer eingehalten werden können. "Aus wirtschaftlichen Gründen haben wir auch keine Personalreserve mehr, auf die wir im Notfall ausweichen könnten."