Gitter zersägt: JVA-Ausbrecher verurteilt

Essen..  Mit einem Baumarkt-Sägeblatt hatte sich ein Insasse der JVA Gelsenkirchen im Sommer 2014 aus seiner Zelle befreit. Nun wurde er erneut verurteilt: wegen Sachbeschädigung. Warum sich das Stahlgitter im modernen Gelsenkirchener Gefängnis mit einem billigen Baumarkt-Sägeblatt durchtrennen ließ, klärte das Amtsgericht Gelsenkirchen nicht auf. Dafür machte es dem Ausbrecher Egon L. (31) klar, wie teuer die Beschädigung von Staatseigentum ist: Zu neun Monaten Haft ohne Bewährung verurteilte es ihn wegen Sachbeschädigung.

Für die eigentliche Flucht bestrafte es ihn aber nicht, weil das Schöffengericht keine Beweise für eine Absprache mit seinem Zellengenossen sah. Das wäre sonst als Gefangenenmeuterei strafbar. Deshalb gab es in diesem Punkt Freispruch, denn die allein durchgeführte Flucht steht nicht unter Strafe. Verurteilt wurde außerdem die Freundin von Egon L., die das Fluchtauto gesteuert und ihn später versteckt hatte: ein Jahr und zwei Monate Haft mit Bewährung. Sein Freund, der eine Leiter an die JVA-Mauer gestellt hatte, bekam ein Jahr und zehn Monate Haft mit Bewährung. Freispruch gab es für den Zellengenossen. Nach dem Ausbruch hieß es, er sei nur deshalb in der Zelle geblieben, weil er für das schmale Loch zu dick war.