Gerd Niebaum muss nicht ins Gefängnis

Dortmund..  Der frühere BVB-Präsident Gerd Niebaum muss nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Dortmund verurteilte ihn am Freitag zu einem Jahr und acht Monaten Haft zur Bewährung. Vier Monate davon gelten wegen „rechtsstaatswidriger Verzögerung” durch die Dauer des Verfahrens bereits als vollstreckt. Außerdem soll er 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten. Niebaum und Staatsanwaltschaft nahmen das Urteil an, das in nicht mal zehn Minuten begründet wurde.

Zuvor hatten Staatsanwalt Dirk Stickeln und Verteidiger Götz Reuker bereits beide eine Bewährungsstrafe für den 66-Jährigen beantragt, der strafrechtlich für Betrugs- und Untreuestraftaten in Höhe von rund 800 000 Euro verantwortlich ist.

Obwohl es informelle Gespräche über die Strafhöhe gegeben hatte, nahm Richterin Susanne Rauhaus zu Protokoll, dass es keine Urteilsabsprache „im Sinne des Gesetzes” gegeben hätte. Staatsanwalt Stickeln fasste sich kurz und hob hervor, dass Niebaum im Grunde alle erschwindelten Kredite zurückgezahlt habe.

Niebaum habe sich 2005, nachdem er das BVB-Präsidentenamt in einer wirtschaftlichen Krise des Vereins abgeben musste, auch persönlich übernommen. Er hatte damals seinen Kanzlei-Sitz an die B1 verlegt und die Praxis vergrößert. Um sich finanziell über Wasser zu halten, habe Niebaum sich mit falschen Angaben über sein Vermögen Kredite erschwindeln wollen und aus einer Testamentsvollstreckung bedient.

Staatsanwalt Stickeln hielt angesichts des geringen Schadens, der Wiedergutmachung und des tadellosen Vorlebens von Niebaum eine Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten Haft mit Bewährung für angemessen. Das Gericht solle ihm natürlich eine Arbeitsauflage machen, weil wegen Niebaums Vermögenslosigkeit eine Geldauflage nicht möglich sei. Als Straßenfeger will er den ehemaligen Notar nicht sehen. Stickeln: „60 Stunden gemeinnütziger Arbeit sollten es sein, aber ohne Prangerwirkung.”

Verteidiger Götz Reuker nutzte sein Plädoyer, um die persönlichen Verdienste Niebaums hervorzuheben. Damit meinte er dessen Lebensleistung: „Er ist jetzt 66 Jahre alt und hat davon 56 Jahre sozial völlig angepasst und erfolgreich gelebt.” In finanzielle Schieflage sei Niebaum geraten, weil er nach der Wende „wie viele Bürger” in ostdeutsche Immobilien investiert hätte, um Steuern zu sparen. Reuker: „Der Steuervorteil hat ihm wohl den Kopf vernebelt.”

Kritik übte Reuker an den Medien, die den Angeklagten „mit vollem Namen nennen und sein Foto ungepixelt bringen”. Allerdings hatte er im gesamten Verfahren nie den Wunsch geäußert, dass der ehemalige BVB-Präsident anonym bleiben solle.