Franzosen stehen zusammen

„Wir sind Charlie“: Es sind so viele gekommen. Auch Lydia. Die schmale Frau marokkanischer Abstammung, die zu den Franzosen zählt, die sich spontan auf der Pariser Place de la Bastille versammelt haben, hält eine Kerze in der einen und ein großes Blatt Papier in der anderen Hand. „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) steht auf dem Blatt, in Arabisch und in Französisch. „Ich fühle mich persönlich angegriffen, beschmutzt! Als Französin und als Muslima.“

Je suis Charlie. Überall sind diese drei Worte zu lesen – es ist die von Erschütterung, Trauer und Trotz getragene Antwort auf den Schock, den der blutige Anschlag auf die Redaktion der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris ausgelöst hat. Doch so groß das Entsetzen über dieses Massaker ist, zu dessen Opfer vier der bekanntesten Karikaturisten des Landes zählen, so beeindruckend die Reaktion der Franzosen.

„Wir haben Charlie Hebdo getötet“ riefen die Attentäter, bevor sie ihr Fluchtauto bestiegen. Nein, habt ihr nicht, entgegnen die Franzosen: Wir sind Charlie! Als Helden, die für die Freiheit gestorben seien, würdigte Frankreichs Präsident François Hollande die vier ermordeten Karikaturisten Charb, Carbu, Wolinski und Tignous. Er rief zur Geschlossenheit auf: „Unsere beste Waffe ist unsere Einheit, die Freiheit wird immer stärker sein als die Barbarei.“ Um 12 Uhr steht Frankreich still. Kirchenglocken läuten in ganz Frankreich eine Schweigeminute ein, die den Opfern des Terrorattentats gewidmet ist.

„Charlie Hebdo“ wird weiter erscheinen. Die nächste Ausgabe sogar in einer Million-Auflage – ein Lebenszeichen nach dem Terror.