„Es geht in aller Regel um Macht“

Essen..  Rüdiger Hossiep, Wirtschaftspsychologe der Ruhr-Universität Bochum, im Gespräch mit der WAZ:

Für die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann sieht es düster aus. Eine Einigung der Chefs von Edeka, Rewe und Kaiser’s ist nicht in Sicht. Welche Rolle spielt dabei, dass an der Spitze der Konzerne Alphamänner stehen?

Hossiep: Es geht in aller Regel um Macht. Wer an der Spitze eines großen Konzerns steht, ist darin geübt, sich durchzusetzen und Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Ein Prinzip lautet: Mein Vorteil ist der Nachteil des anderen – und umgekehrt. Manager in Chefpositionen haben einen hohen Dominanzanspruch. Die Luft oben ist dünn.

Wie wichtig ist überhaupt die Sache?

Hossiep: Oft tut die Sache nichts zur Sache. Der Mensch ist kein rationales Wesen, sondern ein rationalisierendes. Damit meine ich: Entscheidungen werden emotional getroffen, aber dann rational begründet. Frei nach Kurt Tucholsky: Alles ist richtig – auch das Gegenteil.

Wie lassen sich Konflikte besser lösen als im Fall Kaiser’s Tengelmann?

Hossiep: Es ist ein Fehler, Probleme zu vertagen, bis sie praktisch unlösbar werden. Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um. Konflikte können hilfreich sein. Wichtig ist, Konfliktthemen frühzeitig anzugehen, sonst wird es schwierig. Dann wird aus einem fruchtbaren ein furchtbarer Konflikt.

Geht es am Ende vor allem darum, dass sich Manager durchsetzen? Oder anders gefragt: Was ist ein guter Kompromiss?

Hossiep: Es gibt unterschiedliche Arten von Konfliktlösungen. Erstens: Der eine steckt zurück und der andere gewinnt. Das ist kein Kompromiss. Zweitens: Man trifft sich in der Mitte, ohne dass damit jemandem geholfen wäre. Ich nenne das Kompro-Mist. Drittens: Ein Aufeinanderzugehen, bei dem etwas wirklich Neues entsteht. Dafür sind Zeit und Akzeptanz erforderlich. Entscheidend ist das gegenseitige Vertrauen.

Im Fall Kaiser’s Tengelmann scheint es genau daran zu mangeln. Was dann?

Hosspiel: In einer solchen Situation könnte ein Moderator helfen, der von außen kommt. Vertrauen ist nicht, wie es einmal die Deutsche Bank in einem Werbespruch formulierte, der Anfang von allem. Vertrauen ist das Ergebnis eines Prozesses.