Erschossen von der Polizei

Duisburg/Moers/Hagen..  In Moers erschießen Polizisten am Montagabend einen 48-Jährigen, der sie mit einem Messer bedroht, in Hagen stirbt keine 24 Stunden später ein Mann mit einer Machete in der Hand – durch die Waffe einer Polizistin. Zwei Tote, dasselbe Muster?

Hagen, Dienstag, 14.45 Uhr. Ein mit Machete (und einem Messer) bewaffneter Mann betritt das Büro einer Versicherungsagentur, beginnt einen Streit mit einem 49 Jahre alten Mitarbeiter, verletzt ihn schwer. Der 49-Jährige flieht aus dem Büro auf die Straße, fleht beim „Schnuckerlädchen“, einem Kiosk in der Nähe, um Hilfe, flieht weiter, wird verfolgt vom Angreifer, rettet sich schließlich blutüberströmt in die Dönerbude„Hacibaba“.

Draußen auf der Straße trifft der Mann mit der Machete indes auf die Polizei. „Die Kollegen“, berichtet Christian Bubolz vom Leitstab der Hagener Polizei wenige Stunden später, „fordern den Mann auf, seine Waffe fallen zulassen. Er tut es nicht. Sie drohen ihm den Gebrauch der eigenen Waffen an. Er reagiert nicht. Dann machen sie Gebrauch von der Dienstwaffe.“ Der Mann mit der Machete in der Hand stirbt noch an Ort und Stelle. Der Mann, den er verfolgte und verletzte, kommt ins Krankenhaus. Nihat Yetkin (35), Inhaber der Dönerbude, in die sich der Mann rettete, hatte ihm sofort mit einem Gürtel den Arm abgebunden. „Womöglich hat er ihm das Leben gerettet“, sagt ein Polizist später.

Die Wuppertaler Kripo übernimmt die Ermittlungen, mag am Abend aber nicht mehr sagen als: Es war eine Polizistin, die den tödlichen Schuss abgab. Der Tote, ein Mann osteuropäischer Herkunft, wohnte in einem Hochhaus gleich um die Ecke. Nachbarn beschreiben ihn als Sonderling. „Er hat oft von Außerirdischen gesprochen“, sagt einer, „aber ich hätte ihm nie zugetraut, dass er mit Messern auf Menschen losgeht.“

Zunächst Routine-Einsatznach einem Verkehrsunfall

Ein anderer Tag, ein anderer Ort, ein ganz ähnliches Szenario: Es ist kurz nach acht, als die Polizei am Montagabend zu einem Verkehrsunfall in die Nähe des Moerser Bahnhofs gerufen wird. Ein Radfahrer (48) ist mit dem Auto eines 28-Jährigen kollidiert und dann geflohen. Als die beiden Beamten vor Ort eintreffen, hat ein Unfallzeuge den Flüchtigen bereits wieder eingefangen; er hatte ihn bis zu einem Spielplatz verfolgt und zum Unfallort zurückbringen können, ohne dass der Mann Widerstand leistete. Als der 48-jährige Radfahrer die Polizei erblickt, zückt er jedoch eine Waffe, ein großes „Einhandmesser mit auffallend rot lackierter und extra breiter Klinge“. Der Mann holt aus mit diesem Messer, geht auf die Beamten zu. Die zücken nun ihre Pistolen, fordern den Mann wiederholt auf, das Messer niederzulegen, weichen dabei zurück – bis es nicht mehr weiter geht, sie mit dem Rücken an einem Wagen zu stehen kommen. „Da die Beamten nicht weiter zurückweichen konnten, und der Mann nicht stehen blieb, machten die Beamten von ihren Schusswaffen Gebrauch und gaben mehrere Schüsse auf diesen ab.“ Der Mann bricht schwer verletzt zusammen, wird reanimiert, stirbt im Krankenhaus. So schildert die Duisburger Kripo, die noch in der Nacht eine Ermittlungskommission einrichtete, die Ereignisse in Moers.

Drei Schüsse trafen den 48-Jährigen, ergibt die Obduktion in der Duisburger Rechtsmedizin am Dienstagnachmittag, einer davon war tödlich. Die Untersuchung weist zudem Betäubungsmittel und Alkohol im Blut des Toten nach. Der Flüchtling aus dem Iran lebte in einer städtischen Unterkunft, galt nach Informationen dieser Zeitung als unbescholten. Aber der 48-Jährige soll drogenabhängig gewesen sein, er hätte in Kürze eine Therapie beginnen sollen.

„Das wird genauso trainiert“

Arnold Plickert, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in NRW (GdP), erklärte am Dienstagabend: „Neben einer Schusswaffe ist der Angriff mit einem Messer die gefährlichste Situation.“ Im Schießtraining der Polizei gebe es klare Regeln: Kommt es bei einem Messerangriff zu einer „Distanzunterschreitung“, sei von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. „Das wird genau so trainiert“, stellt der GdP-Vorsitzende klar. „Man geht nicht mit einem Messer auf Polizisten los.“