Elfmeterpunkt-Dieb soll an Fortuna zahlen, weil er sich feiern ließ

Sascha K. bei der Arbeit: Stolz zog er anschließend mit dem Rasenklumpen von dannen. Die Fernsehzuschauer staunten.
Sascha K. bei der Arbeit: Stolz zog er anschließend mit dem Rasenklumpen von dannen. Die Fernsehzuschauer staunten.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Fortuna Düsseldorf will 50.000 Euro Schadenersatz vom Fan aus Velbert, der im Mai das Rasenstück beim Aufstiegskrimi gegen Hertha BSC ausbuddelte. Erst ließ ihn der Verein in Ruhe. Jetzt aber ist die Fortuna sauer, dass sich der Mann bei Interviews feiern ließ für seinen Coup. „Da mussten wir was machen.“

Düsseldorf/Velbert.. Für 15 Minuten wird in Zukunft jeder berühmt sein, orakelte Andy Warhol einst. Für einen 35-jährigen Familienvater aus Velbert trifft das unbedingt zu. Aber für ihn dürfte es ein zweifelhaftes Vergnügen gewesen sein. Sascha K. ist der Mann, der am 15. Mai kurz vor Ende des Fußball-Aufstiegskrimis Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC den Elfmeterpunkt samt Rasenstück in der Esprit-Arena ausgrub und die Trophäe mit einem geradezu beseelten Gesichtsausdruck unbehelligt abtransportierte.

Fortuna Düsseldorf „Das ist einfach unterirdisch“, kommentierte Fernsehmann Tom Bartels damals vor fünf Millionen Zuschauern einigermaßen entgeistert. Jetzt fordert die Fortuna Schadenersatz vom Dieb, der ein paar Tage lang als Blödmann der Republik durch die Medien geisterte: 50.000 Euro soll er berappen.

Warum erst jetzt?

„Am Anfang tat er uns sogar leid, er wollte ja nichts Böses, wir haben mit ihm gesprochen“, berichtet Vereinsgeschäftsführer Paul Jäger. Dann aber habe er sich bei Interviews „regelrecht feiern lassen für seinen Coup, da mussten wir was machen“. Auf den Schreibtischen des Vereins, aber auch des Deutschen Fußballbundes, sei Post von „empörten Fußballanhängern“ gelandet. „Der Tenor“, so Jäger, „war: Wenn ihr den davonkommen lasst, braucht ihr über Disziplin im Stadion nicht mehr zu reden.“

Schaden laut Anwalt bei etwa einer Million Euro

„Es tut mir nicht leid, dass ich den Elfmeterpunkt geklaut habe“, zitierte der „Stern“ den 35-Jährigen Mitte August, „es tut mir aber sehr leid, dass ich ihn zu früh ausgebuddelt und der Fortuna so geschadet habe.“ Die Tumulte mit den Fans, die vor dem Abpfiff den Platz gestürmt hatten, hätten die Fortuna beinahe den Aufstieg gekostet und mussten vom Verein teuer bezahlt werden. Unter anderem mit zwei Bundesligaheimspielen, zu denen statt der möglichen 54.000 nur 30.000 Fans zugelassen wurden.

„Der Schaden dürfte insgesamt etwa bei einer Million Euro liegen“, bilanziert Fortunas Anwalt Frank Bahners, „und wir erwarten dazu einen sub­stanziellen Beitrag, wir können solches Verhalten nicht dulden.“ Sascha K. könne man „nicht mit ein paar Sozialstunden davonkommen lassen“.

Es geht um ein Signal

Rein rechtlich sei es dem Verein sogar erlaubt, „den Gesamtanspruch in voller Höhe an jeden Einzelnen durchzureichen, der den Verein geschädigt hat“. Eine Million könne man von dem Mann allerdings nicht erwarten, und das wolle man auch nicht; es geht eher um ein Signal.

Im Kölner Boulevardblatt „Express“ hatte sich Sascha K. als „Alleinverdiener“ dargestellt, der sich „kein Auto leisten kann“. Seine Frau erwartet das zweite Kind. Bahners: „Ein bisschen Strafe aber muss sein.“

Fortuna Entgegen anders lautender Berichte hat der Verein noch nicht geklagt, sondern seine Forderung erst einmal dem Adressaten zugestellt. Von dessen Anwältin erwartet der Klub bis zum Ende dieser Woche eine Antwort. „Es besteht“, versichert Bahners, „auch die Chance auf eine außergerichtliche Einigung.“ Selbstverständlich könne man auch über eine Ratenzahlung reden. Dem Vernehmen nach gebe es demnächst Fernsehinterviews mit Sascha K., „da fließt ja dann bestimmt ein bisschen Geld“.

Rasenstück in einen Blumenkübel eingepflanzt

Der Fortuna-Fan aus Velbert hat den Elfmeterpunkt samt Gras in einen Blumenkübel auf seinem Balkon eingepflanzt. Und gießt regelmäßig. Er habe erst gemerkt, dass das Spiel noch nicht vorbei war, als er den Platz wieder verlassen hatte, beteuert er. Die Trophäe wolle er nicht mehr hergeben. Muss er sicher auch nicht. Aber teuer wird sie vermutlich werden.

„Vom Elfmeterpunktklau wird man noch in fünfzig Jahren erzählen“, schwärmte Sascha K. unlängst in einem Interview. Das mag doch etwas übertrieben sein. Immerhin: Mehr als Warhols 15 Minuten waren es ganz gewiss.