Eine Radtour durchs Zechen-Revier

Zeche Knirps lädt die Kleinsten zum Spielen ein.Foto:Manfred Vollmer
Zeche Knirps lädt die Kleinsten zum Spielen ein.Foto:Manfred Vollmer
Foto: Manfred Vollmer Manfred Vollmer
Was wir bereits wissen
Zechen und Halden: Wie die Reste des Ruhrgebiets von gestern in der Gegenwart angekommen sind. Viele Fördertürme locken heute Touristen.

Essen.. Starten wir zu dieser Tour am besten auf der wohl bekanntesten Zeche des Ruhrgebiets: Zollverein XII. Und wenn man von Zollverein spricht, darf ein kleiner Schlenker zur Kokerei und der Schachtanlage 1/2/8 nicht fehlen. Anschließend geht es über die fein ausgebaute Trasse der ehemaligen Nordsternbahn kreuzungsfrei bis zum Rhein-Herne-Kanal. Bevor es über’s Wasser geht (per Brücke natürlich) lockt linker Hand der (machbare) Aufstieg auf die Schurenbachhalde.

Wie Sie sich auch entscheiden: Die nächste Station lässt sich durch den Nordsternpark, 1997 Schauplatz der Bundesgartenschau, auf vielen Wegen erradeln. Danach geht es auf dem Kanalweg weiter bis zum Hafen Bismarck. Wo einst Kohle verladen wurde, entsteht heute ein modernes Quartier am Wasser. Reste der namensgebenden Zeche finden wir wenige Hundert Meter entfernt. Entlang eines Autobahnzubringers (mit Fahrradweg) kommen wir in den Stadtteil Bismarck, wo wir mit einem kleinen Schlenker über grüne Wege die Zeche Consolidation, im Volksmund „Consol“, erreichen. Entlang des ausgedehnten Consol-Parks nehmen wir auf einer ehemaligen Bahntrasse wieder Kurs auf den Kanal, den wir am Hafen Grimberg wiedertreffen.

Nächstes Ziel: Zeche Ewald

Über die „Grimberg-Sichel“ radeln wir nach Norden, und vertrauen uns den Hinweisschildern zur Zeche Ewald und der Haldenlandschaft Hoheward an: unsere nächsten Ziele. Auf Ewald ist noch vieles im Wandel, neues Leben und Arbeiten in historischer oder moderner Bausubstanz, dazwischen Ruinen und viele Ideen. Wer höher hinaus möchte, sollte die Haldenlandschaft Hoheward erklettern oder erradeln. Mit sehr guter Kondition oder starkem E-Motor lässt es sich auf Asphalt bis nach ganz Oben radeln. Superaussicht inklusive. Wer nicht ganz rauf will, nimmt die Balkonpromenade auf halber Höhe um die Halde. Dort sehen wir schon unser nächstes Ziel, die Zeche Recklinghausen II, heute ein Stadtteilpark und eine Bike- und Skate-Anlage unterm historischen Förderturm.

Der Rundkurs führt uns nun wieder zurück Richtung Westen. Wir streifen die Halde Hoppenbruch (Mountainbikehalde!), fahren ein wenig neben der noch nicht renaturierten Emscher her (diesen Nasen-Sound kann man nur noch wenige Jahre „genießen“) kreuzen den Kanal an der ehemaligen Schachtanlage Unser Fritz 2/3, die noch im laufenden Betrieb eine Heimat für Künstler wurde und nach Schließung und Demontage als „Künstlerzeche Unser Fritz“ firmiert. Von der Mutterschachtanlage Unser Fritz 1/4 steht nur noch der historische Malakowturm. Ringsum ist Leere mit vielen Plänen. Über die Erzbahntrasse Richtung Süden streifen wir die neu erschlossene Plutohalde. Von oben blicken wir auf Wanne-Eickel, eine Forensik und auf das Schachtgerüst von Pluto-Wilhelm, das dem Zollvereinschen wie ein Zwilling gleicht. Kein Wunder, auch hier war Fritz Schupp am Werk, der auch Zollverein mitentworfen hatte.

Abstecher Richtung Zeche Knirps

Die Erzbahntrasse tangiert leider nicht die Zeche Hannover, ebenfalls ein wichtiges Zeugnis der Bergbau-Ära und Leuchtturm des Ruhrgebiets. Trotzdem lohnt ein Abstecher, vor allem für diejenigen, die mit Kindern am Wochenende unterwegs sind. Die Erwachsenen gucken sich die alten Steine an, derweil der Nachwuchs auf der Zeche Knirps schuftet.

Von Hannover geht es, teils auf alten Bahntrassen, teils über erträgliche Nebenstraßen nach Holland, bzw. zu der gleichnamigen Zeche. Die Schachtanlage Holland 1/2 wird heute bewohnt. Die beiden Zwillings-Malakowtürme wurden modern ausgebaut, einige andere Gebäude ebenfalls. Auf Holland 3/4 sind auch noch einige Stücke Zeche erhalten und werden neu genutzt. Drum herum hat sich zaghaft Gewerbe angesiedelt – einzig das alte Schachtgerüst mit dem markanten Holland.-Schriftzug fristet ein trostloses Dasein. Zwar vor dem Abbruch gerettet, aber völlig marode, weil das Geld für die Sanierung fehlt. Auf der Trasse einer alten Zechenbahn erreichen die Halde Rheinelbe, wo es sich recht angenehm hochradeln lässt. Der Blick von oben lohnt allemal – und die Himmelstreppe ist auch ein Hingucker. Zu unseren Füßen: dichter Wald im Norden. Hier werkelte einst die Zeche Rheinelbe, heute ist im Wald Kunst versteckt und einige alte Gebäude werden neu genutzt.

Über die ehemalige Trasse der Kray-Wanner-Bahn geht es wieder Richtung Zollverein. Nicht versäumen sollte man den Abstecher zur Zeche Bonifacius. Hier strahlt das Schachtgerüst, die ehemalige Lohnhalle ist heute ein Hotel. Nebenan kann man Wein verkosten oder es sich im schattigen Biergarten bequem machen. Auf der Bahntrasse geht es anschließend kreuzungsfrei weiter, bis wir an der Schachtanlage Zollverein 3/7/10 einen letzten Stopp einlegen können. Das Phänomania Erfahrungsfeld der Sinne – ebenfalls für Kinder hochinteressant. Anschließend: lockeres Ausrollen bis zu unserem Startpunkt.